EKD fordert Ökumene ohne Mauer – Kohlgraf: Sind zum gemeinsamen Ziel unterwegs

Appelle zum Reformationstag: Kirchen wollen Friedensstifter sein

Aktualisiert am 31.10.2022  –  Lesedauer: 

Mainz/Köln/Magdeburg ‐ Die Botschaften zum Reformationstag standen dieses Jahr besonders unter dem Eindruck des Ukrainekriegs. Vertreter der beiden großen Konfessionen betonten die Rolle der Kirchen als Friedensstifter. Zudem blickten sie auf die Lage der Ökumene.

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Zum Reformationstag haben Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland sich als Friedensstifter bekannt. "Sich nicht an Waffen und Gewalt zu gewöhnen, die Sehnsucht nach Frieden wachzuhalten und aktiv Frieden vorzubereiten und zu gestalten – das sehe ich im Moment als einen wichtigen, gemeinsamen Auftrag von Christen", sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Montag in einem Grußwort beim Reformationsfest der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) in Mainz. Kohlgraf ist auch Präsident der katholischen Friedensbewegung Pax Christi in Deutschland.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Annette Kurschus, mahnte mit Blick auf den Ukrainekrieg dazu, Wege zur Deeskalation zu suchen. "Die Alternative zum gerechten Frieden darf doch nicht endloser Krieg sein. Niemals darf Krieg die Politik ersetzen", sagte sie in der Wittenberger Schlosskirche. "Darum: Verachtet Verhandlungen nicht. Glaubt an die Kraft des geistesgegenwärtigen Wortes. Traut den kleinsten Schritten etwas zu."

"Kultur der Fürsorglichkeit"

Aus Sicht von Kurschus fordern die weltweiten Krisen eine einheitliche Antwort der christlichen Kirchen. "Was die Welt jetzt von uns braucht, ist, dass wir auf die Krisen der großen Welt gemeinsam reagieren, dass wir gemeinsam handeln und auch unser gemeinsames Zeugnis der Hoffnung, die in uns ist, ablegen", sagte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen dem Kölner Online-Portal domradio.de.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung plädierte beim Reformationsfest in Mainz für eine neue "Kultur der Fürsorglichkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens". Die evangelische Hamburger Bischöfin und stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs betonte in der Hamburger Hauptkirche Sankt Petri: "Indem wir auch heute gemeinsam mit anderen Religionsgemeinschaften klar eintreten für Gewaltfreiheit, für eine tapfere Demokratie und gegenseitigen Respekt, zeigen wir, dass wir uns mitverantwortlich fühlen für den Frieden".

Bild: ©KNA/Harald Oppitz

"Sich nicht an Waffen und Gewalt zu gewöhnen, die Sehnsucht nach Frieden wachzuhalten und aktiv Frieden vorzubereiten und zu gestalten – das sehe ich im Moment als einen wichtigen, gemeinsamen Auftrag von Christen", sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf.

Mit Blick auf die Ökumene sagte Kurschus dem Portal domradio.de weiter, sie halte eine Einheit der Kirchen trotz "aller Unterschiedlichkeit" für erstrebenswert und notwendig. "Einheit darf aus meiner Sicht kein fauler Kompromiss sein, der das Unterscheidende verschweigt oder kleinredet", sagte sie. "Aber das Trennende darf auch nicht zu einer Mauer werden, die verhindert, dass wir uns miteinander bewegen oder dass wir immer im Gespräch bleiben." Unbeweglichkeit sei "kein Zustand, der so bleiben darf, weil die Welt uns gemeinsam braucht und weil die Krisen zu groß sind, als dass wir uns jetzt in unserem 'Kirchesein' mit dogmatischen Fragen lähmen dürften".

Kohlgraf sagte, der Reformationstag erinnere an eine Wegscheide des Christentums. "Ich bin dankbar dafür, dass uns als Christen verschiedener Konfessionen heute viel mehr bewusst ist: Wir sind zu einem gemeinsamen Ziel unterwegs, zu Jesus Christus, auch wenn wir in manchem unterschiedliche Wege gehen mögen", so der katholische Bischof.

Haseloff: "Habt keine Angst!" gilt auch für politischen Bereich

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bezeichnete unterdessen Angstmacherei durch Politiker als "gottlose Politik". In einer Predigt zum Reformationstag verwies er laut Manuskript am Montag im Magdeburger Dom auf das biblische Wort "Fürchtet euch nicht" und sagte: "Habt keine Angst! Das gilt durchaus auch unmittelbar für den politischen Bereich. Verantwortliche Politik soll den Menschen ermutigen, sie soll die je eigenen Kräfte stärken."

Natürlich solle sie auch nach Möglichkeit vor Gefahren schützen, so Haseloff. "Das kann sie aber am besten dann, wenn sie ein Verständnis davon hat, dass Furcht reale Gefahren immer nur noch größer macht und nie zur Lösung des Problems beiträgt." Haseloff, der seinen katholischen Glauben nach eigenem Bekunden aktiv lebt, führte weiter aus, er habe oft die Erfahrung gemacht, dass die grundlegende Gewissheit, auf Gott vertrauen zu können, für ein verantwortliches Handeln in der Politik sehr hilfreich sein könne. "Die Allmacht Gottes schenkt uns eben immer auch eine sehr realistische Vorstellung von den eigenen Kräften", so der Ministerpräsident. (mal/KNA)