Münsteraner Bischof zieht Zwischenfazit zu Maßnahmen nach Missbrauchsstudie

Genn entzieht früherem Erzbischof Thissen Titel des Ehrendomkapitulars

Aktualisiert am 18.11.2022  –  Lesedauer: 

Münster ‐ Nach der Vorstellung der Missbrauchsstudie im Bistum Münster hatte Bischof Felix Genn im Juni angekündigt, regelmäßig transparent über die Umsetzung von konkreten Maßnahmen zu berichten. Das hat er jetzt zum ersten Mal getan.

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Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat ein gemischtes Zwischenfazit zur Umsetzung von Maßnahmen nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie in seinem Bistum gezogen. "Als Zwischenfazit kann ich aus meiner Sicht sagen: Es wurde schon einiges auf den Weg gebracht; es gibt aber hier und da Schwierigkeiten in der Umsetzung; und es bleibt noch viel zu tun", sagt Genn laut Pressemitteilung seines Bistums (Freitag). Mit seinem Zwischenfazit wolle er sein Versprechen aus dem Juni einlösen, regelmäßig transparent zu machen, wie weit die Umsetzung einzelner Maßnahmen sei. "Meine Zielsetzung bleibt es bei allen Maßnahmen, die wir ergreifen, sexuellen Missbrauch zu verhindern", betonte Genn.

Unter anderem habe Genn dem ehemaligen Erzbischof von Hamburg, Werner Thissen, am 4. November seinen Titel als Ehrendomkapitular des Münsteraner St.-Paulus-Doms entzogen. "Er hat in seiner Zeit als Generalvikar und Weihbischof im Bistum Münster schwere Fehler im Umgang mit sexuellem Missbrauch gemacht", sagte Genn. Dieser Schritt sei aufgrund einer Initiative von Betroffenenseite geschehen, die Entscheidung habe aber er getroffen.

Darüber hinaus würden die Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller und Thomas Neumann bis zum Mai des kommenden Jahres eine mögliche Ordnung für eine diözesane Verwaltungsgerichtsbarkeit formulieren. Zugleich wolle Genn mit Rom im Gespräch bleiben, da es das Ziel bleiben müsse, eine bundesweite kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit einzuführen.

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Der Bischof betonte weiterhin seine Bereitschaft, sich im Rahmen einer Selbstverpflichtung an die Entscheidungen diözesaner Gremien zu binden und das verbindlich festzuschreiben. Sobald ein Synodaler Rat auf Bundesebene eingeführt sei, wolle er außerdem prüfen, was dies für die Gremienstruktur im Bistum Münster bedeute. Ebenso bekräftigte er seine Forderung, den Staat bei der Aufarbeitung künftig stärker zu beteiligen.

Zudem habe er den Prozess zur Entscheidung, wie mit den Gräbern von Tätern, Beschuldigten und Vertuschern in der Bischofsgruft des Doms umgegangen werden soll, zeitlich verlängert. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretungen aus dem Bereich der Betroffenen, des Domkapitels, des Diözesanrates und des Diözesankomitees solle hierzu Vorschläge erarbeiten. Genn kündigte auch ein gemeinsam mit dem Bistum Osnabrück initiiertes unabhängiges Forschungsprojekt an, in dem geistlicher Missbrauch aufgearbeitet werden soll.

Im Juni hatte die Universität Münster eine Studie zu sexuellem Missbrauch im Bistum Münster veröffentlicht. Darin wurden allen Bischöfen seit 1945 Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen nachgewiesen. Beschuldigte und teils verurteilte Geistliche seien immer wieder versetzt und damit weitere Taten ermöglicht worden. Bischof Genn bescheinigten die Autoren, in seinen ersten Jahren in Münster reuigen Tätern kirchenrechtlich nicht immer mit der gebotenen Strenge begegnet zu sein und erst später den Umgang mit Missbrauchsfällen verändert zu haben. (cbr)