Gefängnisstrafe und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

Priester zwang Jugendliche zur Prostitution und filmte sie

Aktualisiert am 21.11.2022  –  Lesedauer: 

Nürnberg/Fürth ‐ Kirchliche Verantwortliche sprechen von einem "abscheulichen Fall": In mindestens 14 Fällen hat ein Priester in Fürth Jugendliche als Prostituierte arbeiten lassen und ohne ihr Wissen die sexuellen Handlungen gefilmt. Dafür wurde er verurteilt.

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Ein Ruhestandspriester hat in seiner Wohnung in Fürth Jugendliche missbraucht und sie in seinem Schlafzimmer zu Sex mit Freiern animiert. Wie jetzt bekannt wurde, verurteilte das Landgericht Nürnberg-Fürth bereits im Frühjahr den Mann wegen schwerer Zwangsprostitution, sexuellen Missbrauchs und weiterer Taten zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis. Außerdem ordnete es die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der Täter war nicht vorbestraft.

Seit 25. August ist das Urteil rechtskräftig. Die Nürnberger Zeitungen hatten zuerst über den Fall berichtet. Nach Kirchenangaben handelt es sich um einen Geistlichen aus dem Bistum Regensburg, Fürth gehört zum Erzbistum Bamberg. Der Fürther Dekan Andre Hermany sprach in einer ersten Reaktion am Montag von einem "abscheulichen Fall". Alle Verantwortlichen seines Bezirks seien entsetzt. Zugleich kritisierte er die kircheninterne Informationspolitik. Er habe erst am Wochenende aus der Zeitung davon erfahren, sagte er auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Nach Auskunft der Regensburger Bistumspressestelle befand sich der Priester seit Juli 2015 aus gesundheitlichen Gründen im einstweiligen Ruhestand. Damit habe er seinen Wohnort frei wählen können. Dem Ordinariat sei sein Aufenthaltsort bekannt gewesen, einen Seelsorgeauftrag habe er nicht gehabt.

Straftaten wurden 2019 und 2020 begangen

Laut Urteil wurden die Straftaten 2019 und 2020 begangen. Der Priester war demnach in einschlägigen homosexuellen Dating-Foren unterwegs und gab sich dort selbst als junger Mann aus. Er habe so "das Interesse der Jungs" auf sich lenken, Vertrauen aufbauen und sie dazu bewegen wollen, ihn zu besuchen und Sex mit ihm zu haben. Dem Richterspruch zufolge genügte ihm das aber nicht: "Er wollte sie als Prostituierte gewinnen, die er ähnlich einem Zuhälter oder einer Puffmutter 'managt', und hierdurch auch Einnahmen aus Vermietung seines Schlafzimmers an seine Escorts erzielen." Dafür mussten die Prostituierten jeweils 25 Euro Miete an ihn abführen. Mit heimlichen Filmaufnahmen der sexuellen Handlungen baute er seine pornografische Bibliothek aus. Das Gericht sah dies in 14 Fällen als erwiesen an.

Das Amtsgericht Fürth hatte den Täter bereits am 16. Juni 2021 in erster Instanz verurteilt. Das Landgericht Nürnberg-Fürth verkürzte die Haft in dem Berufungsverfahren um vier Monate. Der Priester war Ende August 2020 festgenommen worden. Bei einer Durchsuchung seiner Fürther Wohnung ertappten ihn Polizisten dabei, wie er Speichermedien mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten in der Toilette entsorgen wollte. Daraufhin musste er vier Monate in Untersuchungshaft. Der Geistliche zeigte sich geständig und leistete nach Justizangaben an mehrere Geschädigte Wiedergutmachungszahlungen in jeweils vierstelliger Höhe. Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte ihm Alkoholabhängigkeit. Ohne eine Therapie gehe von ihm weiter Gefahr aus.

Die Regensburger Bistumsleitung wurde nach Angaben von Pressesprecher Stefan Groß am 5. Oktober 2020 von der Kriminalpolizei über die Vorwürfe informiert. Vier Tage später sei das kirchenrechtliche Vorverfahren eröffnet und die Angelegenheit nach Rom gemeldet worden. Am selben Tag sei auch der Bamberger Generalvikar Georg Kestel über die Ermittlungen in Kenntnis gesetzt worden. Dieser gab die Information aber nicht an das Dekanat Fürth weiter, wie der Bamberger Bistumssprecher Harry Luck auf Anfrage bestätigte. Dazu habe er keine Notwendigkeit gesehen, da sich der Priester schon in U-Haft befunden und die Seelsorge nicht betroffen gewesen sei. Dem Bistum Regensburg liegen nach eigenen Angaben keine Meldungen über mögliche Übergriffe des Priesters an seinen früheren Einsatzorten vor. Es sei aber in Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Betroffenenbeirat der Diözese geplant, nach möglichen Opfern zu suchen. Generalvikar Roland Batz werde einen Brief schreiben. (KNA)

21.11., 13:30 Uhr: Ergänzt um weitere Details. 16:05 Uhr: Ergänzt um Reaktion aus Regensburg. 17 Uhr: Ergänzt um weitere Details.