Theologe Essen sieht Ehre von Magnus Striet verletzt

Wegen Nazi-Vergleich: Beschwerde beim Presserat gegen "Tagespost"

Aktualisiert am 09.12.2022  –  Lesedauer: 
Die in Würzburg erscheinende "Tagespost" ist die einzige überregionale katholische Tageszeitung Deutschlands.
Bild: © katholisch.de

Berlin ‐ Auseinandersetzung um die Wochenzeitung "Die Tagespost": Der Berliner Theologe Georg Essen hat gegen die Zeitung eine Beschwerde beim Presserat eingereicht. Essen sieht wegen eines Nazi-Vergleichs die Ehre des Theologen Magnus Striet verletzt.

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Aufgrund eines Nazi-Vergleichs in einem Artikel der Wochenzeitung "Die Tagespost" hat der Berliner Theologe Georg Essen eine Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht. Er sehe die im Pressekodex verankerten Richtlinien zum Schutz der Menschenwürde sowie der Ehre einer Person gravierend verletzt, sagte Essen am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin: "Bei allen berechtigten Konflikten in der Kirche gibt es Grenzen, die im Umgang miteinander nicht derart verletzt werden dürfen. Dagegen muss man protestieren und vorgehen."

Konkret geht es um einen am Donnerstag in der "Tagespost"-Beilage "Welt & Kirche" erschienenen Text, in dem es unter der Überschrift "Selbstbestimmte Regeln" über den Freiburger Theologen Magnus Striet heißt: Für ihn sei "die sakramental-hierarchisch verfasste Kirche so ungefähr das, was für Eichmann der Führer war: eine absolutistische Instanz, die (von nichts außer ihrer faktischen Macht legitimiert) ihre Souveränität sichert, indem sie Befehle erteilt und damit eine Welt subalterner, subjektloser Subjekte hervorbringt". Verfasser des Artikels ist Bernhard Meuser, der die deutsche Ausgabe des katholischen Jugendkatechismus "YouCat" initiiert hat. Meuser gehört zudem der Initiative "Neuer Anfang" an, die in jüngster Vergangenheit Texte mit teils scharfer Polemik gegen den Synodalen Weg sowie einzelne deutsche Bischöfe veröffentlichte.

"Diese Passage ist beleidigend und von übler Nachrede"

Essen führt in seiner Beschwerdebegründung an den Presserat an: "Diese Passage, in der Magnus Striet unmittelbar mit Eichmann verglichen wird, ist beleidigend, von übler Nachrede und, wenn man bedenkt, wer Eichmann war, verletzt in schwerer Weise das schützenswerte Gut der Ehre." Die "Tagespost" äußerte sich bisher nicht auf eine KNA-Anfrage zu dem Sachverhalt. Der NS-Verbrecher Adolf Eichmann (1906-1962) war zuständig für die Vertreibung und Deportation der europäischen Juden in Konzentrationslager und gilt als Cheflogistiker des Holocaust. Der sogenannte Eichmann-Prozess in Jerusalem endete 1961 mit einem Todesurteil, das am 1. Juni 1962 vollstreckt wurde.

Der Deutsche Presserat ist ein Gremium der freiwilligen Selbstkontrolle der gedruckten Medien und ihrer Online-Auftritte. Er spricht Rügen gegen Verletzungen des Pressekodex aus. (bod/KNA)