Untersuchung soll am kommenden Freitag veröffentlicht werden

Vor Missbrauchsstudie: Heße schreibt Brief an Mecklenburger Katholiken

Veröffentlicht am 17.02.2023 um 11:36 Uhr – Lesedauer: 5 MINUTEN

Hamburg/Schwerin ‐ Am kommenden Freitag soll eine Untersuchung zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Mecklenburg veröffentlicht werden. Im Vorfeld hat sich Hamburgs Erzbischof Stefan Heße nun mit einem Brief an die Katholiken der Region gewandt.

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Im Vorfeld der für kommenden Freitag geplanten Veröffentlichung einer Untersuchung über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Mecklenburg hat sich der Hamburger Erzbischof Stefan Heße in einem Brief an die Katholiken der Region gewandt. Darin betonte Heße am Freitag, dass es bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle "um die Anerkennung und Würde der Betroffenen" gehe. Und weiter: "Die Gespräche mit ihnen, die Dokumentation der Taten und des Umgangs mit den Tätern tragen dazu bei, dass den Betroffenen Gerechtigkeit widerfährt." Er bewundere den Mut der Betroffenen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Sie erwiesen der Kirche damit einen großen Dienst, so der Hamburger Oberhirte, zu dessen Erzbistum die Region Mecklenburg gehört.

Untersuchung soll am kommenden Freitag vorgestellt werden

Die in den vergangenen drei Jahren vom Lehrstuhl für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Ulm erarbeitete Untersuchung "Aufarbeitung und Dokumentation des sexuellen Missbrauchs von katholischen Priestern und anderen im Dienst der katholischen Kirche stehenden Personen an Minderjährigen in Mecklenburg von 1946 bis 1989" soll am kommenden Freitag um 11 Uhr in Schwerin vorgestellt werden. Das Erzbistum Hamburg überträgt die Vorstellung nach eigenen Angaben im Internet, unmittelbar im Anschluss soll das Gutachten auch im Internet abrufbar sein. Erzbischof Heße werde drei Tage später, am 27. Februar um 9.30 Uhr, in einer Pressekonferenz zu der Untersuchung Stellung nehmen. Auch diese Veranstaltung soll laut dem Erzbistum im Internet übertragen werden.

In seinem Brief betonte der Erzbischof am Freitag, wie wichtig es sei, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen. Bezogen auf Mecklenburg erklärte er, dass dort zwischen 1946 und 1989 – dem Jahr, in dem am 9. November die Berliner Mauer fiel und die Geschichte der DDR bald darauf zu Ende ging – "auffällig viele und auch brutale Verbrechen durch sexualisierte Gewalt" begangen worden seien. "Wie konnte das geschehen? Gerade in der Diaspora und in der DDR, in der die Gemeinschaft und das gegenseitige Vertrauen so überlebenswichtig waren?", so Heße, der betonte, dass auch er selbst die Ergebnisse der Untersuchung noch nicht kenne.

Heße: Gutachten zeigt "beschämendes Versagen" der Verantwortlichen

Das Gutachten werde auch "beschämendes Versagen" der Verantwortlichen aufzeigen. "Bestimmt werden Sie gefragt, warum Sie in der Kirche bleiben. Bitte geben Sie wegen des Versagens in unserer Kirche nicht ihren Glauben an Gott und Jesus Christus auf. Wir brauchen einander", appellierte der Erzbischof in dem Brief, der nach Angaben des Erzbistums an 30.000 mecklenburgische Haushalte, in denen Katholiken leben, verschickt wird.

Die 2018 veröffentlichte Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz hatte im mecklenburgischen Teil des Erzbistums Hamburg besonders viele Fälle von sexueller Gewalt registriert. Damals wurden 17 Priester bekannt, die Missbrauchshandlungen an 54 Kindern und Jugendlichen verübt haben sollen. Als Reaktion auf die Ergebnisse hatte Heße 2018 einen Beirat gegründet, um den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche Mecklenburgs aufzuarbeiten. Der Beirat beauftragte dann die Ulmer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. (stz)