"Je geübter man ist, desto mehr Freude macht es auch"

Ein Jesuit klärt über "gutes" Beten auf

Veröffentlicht am 06.04.2023 um 16:11 Uhr – Von Johannes Senk (KNA) – Lesedauer: 

Bonn ‐ Wie betet man eigentlich "richtig"? Die Frage hat sich wohl jeder Gläubige schon einmal gestellt. Der Schweizer Jesuit Martin Föhn möchte in einem neuen Podcast Antworten dazu liefern. Ein Interview.

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Für Christen ist das Gebet eine der zentralsten und wohl die intimste Ausdrucksform des Glaubens. Doch nehmen sich heutzutage immer weniger Menschen Zeit dafür. Ein neuer Podcast der Jesuiten in Zentraleuropa will kurz vor Ostern Impulse für das Zwiegespräch mit Gott setzen. Im Interview erklärt der Schweizer Jesuit und Podcastmacher Martin Föhn, was ein gutes Gebet ausmacht und wie das Zwiegespräch auch heute noch einen Mehrwert bietet.

Frage: Pater Föhn, das Gebet ist eine der zentralen und vielleicht die intimste Ausdrucksform des Glaubens. Aber was macht ein gutes, "richtiges" Gebet eigentlich aus?

Föhn: "Richtiges" Beten finde ich schwierig zu sagen. Zunächst gibt es unglaublich viele Arten des Gebets und man sollte es nicht auf eine reduzieren. Aber ich glaube schon, dass es ein gutes Beten gibt. In dem Sinne, dass es eine Begegnung mit Gott gibt und ich mich und mein Leben in dieses Gespräch mit hineinnehme.

Frage: Kann man das lernen?

Föhn: Definitiv kann man lernen zu beten. Unser Ordensgründer Ignatius von Loyola hat gesagt, es gibt Übungen für den Körper, also sportliche Betätigungen, und für die Seele gibt es geistliche. Das Gebet ist so eine Übung. Wir lernen, in Beziehung zu Gott zu kommen und zu sich selbst. In unserem Podcast "einfach beten!" etwa durch Betrachtung und sich Einschwingen auf biblische Texte. Das braucht Übung und dazu gehört es auch, dass man es regelmäßig wiederholt.

Frage: Regelmäßig – das heißt, wie oft?

Föhn: Die Bibel sagt, wir sollen ununterbrochen beten (lacht). Das ist das Ideal und bedeutet, dass das ganze Leben zum Gebet werden kann. Täglich eine explizite Gebetszeit ist sinnvoll. Besser ist es noch, wenn man am Morgen und am Abend betet. Man braucht einfach eine gewisse Zeit, um reinzukommen und es sich zur Gewohnheit zu machen. Ohne regelmäßige Übung wachsen die Muskeln der Aufmerksamkeit und des Sich-Verbindens nicht. Und je geübter man ist, desto mehr Freude macht es auch.

Bild: ©KNA/Christian Ender

Jesuit Martin Föhn.

Frage: Achtsamkeit und Meditation – das sind inzwischen populäre Formen der inneren Einkehr. Das Gebet taucht da eher weniger auf, vielleicht auch aufgrund der wachsenden Distanz der Gesellschaft zur Kirche. Aber welchen Mehrwert hat es denn?

Föhn: Achtsamkeit und Meditation sind wichtige Grundlagen, die es auch für das Gebet braucht. Wenn ich beten will, muss ich achtsam werden, wo mein Fokus ist, wo ich im Gebet wirklich präsent bin. Das Gebet öffnet dann aber einen noch weiteren Raum, in dem ich mein ganzes Leben vor dem Hintergrund des Glaubens und der Botschaft Gottes reflektieren kann. Und Gott wird als Person angesprochen.

Frage: In der Karwoche startet der Podcast "einfach beten!" der Jesuiten in Zentraleuropa, den Sie gemeinsam mit ihrem Mitbruder Dag Heinrichowski und Projektleiterin Ewelina Bajor verantworten. Darin soll laut Ankündigung in 10 bis 15 Minuten Gottes Botschaft für den persönlichen Alltag greifbar gemacht werden. Wie läuft das konkret ab?

Föhn: Zu Beginn wollen wir uns wöchentlich auf das jeweilige Sonntagsevangelium konzentrieren. Das Evangelium wird gelesen und dann helfen wir, in die Reflexion darüber zu kommen: Was berührt mich an dieser Stelle und was will diese Stelle für mich aussagen? Wir wollen darin eintauchen, ein bisschen wie in einer Art Kopfkino. Wir starten am Gründonnerstag mit der Fußwaschung durch Jesus an seinen Jüngern. Dazu gibt es dann Impulsfragen: Wie würde ich mich fühlen, wenn Jesus mir die Füße wäscht oder was berührt mich, wenn Gott mir dient? Die Botschaft soll für den Alltag greifbar gemacht werden und Orientierung im Leben bieten.

Frage: Also mehr ein Impuls zum Beten als eine Anleitung für ein gemeinsames Gebet?

Föhn: Im besten Fall ist es beides zusammen. Durch die musikalische Unterlegung kommt man in Gebetsstimmung, verbindet sich mit den anderen Menschen und mit Gott. Dann hört man den Bibeltext und setzt sich damit auseinander. Zwischendurch gibt es auch immer Ruhemomente. Es soll einfach eine gute Atmosphäre zum Gebet sein. Wir orientieren uns dabei an der Ignatianischen Betrachtung.

Frage: An wen richtet sich Ihr Angebot?

Föhn: Prinzipiell steht der Podcast natürlich allen Menschen offen. Wir rechnen mit einem auditiven Publikum und mit Menschen, die sich damit auseinandersetzen wollen. Mit "Pray as you go" und "Prie en chemin" haben wir Jesuiten im englisch- und französischsprachigen schon solche Formate etabliert; dort hören sehr viele Menschen diesen Podcast, nicht nur Katholiken, sondern auch Christen aus anderen Konfessionen.

Von Johannes Senk (KNA)