Auf den netten Opa mit Rauschebart war und ist immer Verlass

Das Glückshormon des heiligen Nikolaus

Veröffentlicht am 04.12.2023 um 00:01 Uhr – Von Schwester Maria Gabriela Zinkl – Lesedauer: 
Spiritea

Jerusalem ‐ Die Nikolausbesuche aus der Kindheit halten lange nach – auch bei Schwester Gabriela Zinkl. Sie kennt das Geheimnis dahinter, warum der nette Opa mit der komischen Mütze bei allen beliebt ist: Es liegt am Oxytocin.

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Bald ist es wieder so weit für die Frage aller Fragen, die wir alle Jahre wieder am Vorabend des 6. Dezember zu hören bekommen, mindestens seitdem wir laufen können: "Bist du denn in diesem Jahr auch brav gewesen?" Spätestens jetzt weiß jedes Kind, dass nur einer diese Fragen stellen kann, der nette Opa mit der seltsamen Mütze, dem weißen Rauschebart und dem großen rot-goldenen Umhang. Klar, der Nikolaus steht vor der Tür! Seit Jahrhunderten stellen kleine und große Kinder gerade noch rechtzeitig vor dem 6. Dezember ihre frisch geputzten Stiefel oder mindestens bunte Socken vor die Tür, falls dort nachts der Nikolaus vorbeikommen und sich der braven Bewohner erbarmen sollte. Am Morgen danach ist es gut möglich, dass alle, die brav gewesen sind, ihre Stiefel und Socken voller Süßigkeiten, oft in Form von Goldkügelchen oder goldenen Münzen, vorfinden. Das ist die eine sehr angenehme Seite des Nikolausbesuchs, bei der man den Nikolaus selbst gar nicht zu Gesicht bekommt, höchstens im Nachhinein als Schokoladenfigur in Miniatur.

Im anderen Fall, wenn er – gerne auf Vorbestellung – mit seinem Bischofsstab an die Wohnungstür klopft und in bester oberhirtlich-pastoraler Absicht zu einem Hausbesuch vorbeischaut, ist das mit deutlich mehr Einsatz auch von unserer Seite verbunden. Wer erinnert sich nicht an den Besuch des Nikolaus mit seinem Kumpanen Knecht Ruprecht im Kindergarten, im Kindergottesdienst oder zuhause?! Die einen denken daran voller Schrecken, weil sie sich vor Angst hinter dem Sofa verkrochen haben, andere kriegen leuchtende Augen.

Lieder von Generationen

Ja, als Kind war der Nikolausbesuch eine echte Herausforderung: Wie ging nochmal das einstudierte Gedicht? Auch wenn die Erwachsenen das Stottern beim Aufsagen goldig fanden, ist es einem selber bis heute peinlich. Im Notfall tut es auch eines der vielen Nikolauslieder, wie etwa der zeitlose Adventsschlager "Lasst uns froh und munter sein". Die vier Strophen mit ihrem wiederkehrenden "lustig, lustig, tralalalala" haben schon Generationen von Kindern und Nikoläusen in ihren Bann gezogen und wirken bis heute.

Der Nikolausbesuch wirkt lange nach, von klein auf bis heute. Das geht auch mir selbst so. Auf den Nikolaus war und ist Verlass. Selbst wenn man sich zunächst eine kleine Standpauke anhören musste, hat er am Ende doch immer seinen großen jutenen Kartoffelsack aufgemacht und daraus ein kleines Geschenk hervorgeholt. Genau deshalb habe ich ihn bis heute in bester Erinnerung. Stellen wir also nochmal die Preisfrage: Wer kommt einmal im Jahr vorbei, trägt Rauschebart und Bischofsmitra und bringt Geschenke? – Der heilige Nikolaus.

Bild: ©privat (Symbolbild)

Im Kindergarten der Schwesterngemeinschaft von Schwester Gabriela Zinkl gibt es auch kleine Geschenke für die Kinder.

Man könnte ihn auch die Paradefigur der Nachhaltig nennen, so bekannt und positiv besetzt ist dieser katholische Heilige durch sein Leben und Wirken. Da ist aber noch viel mehr, das in uns so positiv nachwirkt. Fragt man Psychologen, Mediziner und Biologen, so können sie uns ganz genau sagen, warum der heilige Nikolaus bei Jung und Alt so beliebt ist. Es liegt am Oxytocin. Was sich wie ein Betäubungsmittel anhört, ist der naturwissenschaftliche Fachbegriff für den Botenstoff, den unser Körper ausschüttet, wenn wir ein Geschenk erhalten und wenn wir jemand anderen beschenken. Wie verschiedene Experimente beweisen, steigert das Schenken und Beschenktwerden unseren körpereigenen Oxytocinspiegel nachhaltig. Oxytocin ist, ähnlich wie Serotonin, ein Hormon, das unser Körper produziert, wenn er sich wohlfühlt. Der Vorteil an einem hohem Oxytocinspiegel ist, dass dadurch negative Gefühle beiseitegeschoben werden. Das Hormon Oxytocin reduziert Feindseligkeit und Aggression und stärkt das grundsätzliche Vertrauen. Patienten mit hohem Aggressionspotential, die Oxytocin als Nasenspray verabreicht bekommen haben, reagierten deutlich weniger feindselig und aggressiv.

Das heißt nicht, dass man ruhiggestellt und gleichgültig wird, im Gegenteil, das Hormon macht uns sensibel für die Bedürfnisse unserer Mitmenschen. Oxytocin ist eindeutig ein soziales oder Beziehungshormon. Wir reagieren damit auf einen positiven zwischenmenschlichen Kontakt und passen unser eigenes soziales Verhalten dementsprechend an, es drängt uns, anderen Gutes zu tun. Wer beschenkt wird, möchte nicht selten auch anderen eine Freude machen. Nicht nur unser Hausarzt freut sich dann über den Begleiteffekt, dass das Hormon Oxytocin die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol reduziert, was eine Stärkung unseres Immunsystems zur Folge hat.

Einer der beliebtesten Heiligen

Das ist also das wahre Geheimnis des heiligen Nikolaus: Das Beschenktwerden und Schenken steigert unser Wohlbefinden. Nicht von ungefähr ist er deshalb einer der beliebtesten Heiligen neben Maria und Josef, Martin von Tours, Barbara, Elisabeth oder Franz von Assisi. Der historische Bischof Nikolaus lebte im 3. und 4. Jahrhundert in Myra in Kleinasien, dem heutigen Ort Demre im Süden der Türkei. Der heutige Nikolaustag geht zurück auf seinen Todestag, vermutlich dem 6. Dezember 348. Nikolaus fiel schon zu seinen Lebzeiten durch seine besondere Großzügigkeit auf. Es gilt als historisch gesicherter Fakt, dass er den Großteil seines privat geerbten Familienvermögens unter Bedürftigen und Notleidenden aufteilte, worüber es zahlreiche Legenden gibt. Auf einer der Legenden, über die Rettung dreier Jungfrauen, beruht der Brauch des Schenkens. In dieser Legende lief Bischof Nikolaus in einer Nacht am Haus einer sehr armen Familie vorbei, deren drei Töchter sich zur Prostitution anboten, um das tägliche Brot zu sichern. Um der Familie aus der Not zu helfen, warf Nikolaus in drei aufeinander folgenden Nächten jeweils eine goldene Kugel durch das Fenster. Deshalb wird er bis heute oft mit dem Symbol von drei goldenen Kugeln dargestellt oder die Kinder werden mit solchen beschenkt.

Schenken und Beschenktwerden wirkt also Wunder, bei uns und bei den Beschenkten. Ein Geschenk muss nicht groß und teuer sein. Schon ein freundliches Lächeln oder ein Gruß kann jemand anderem Freude bereiten. Und dann kommt das Oxytocin ins Spiel. Das wird dem Bischof Nikolaus und seinen Nachfolgern und Nachfolgerinnen bestimmt gefallen.

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Maria Gabriela Zinkl SMCB ist Borromäerin im Deutschen Hospiz St. Charles in Jerusalem und arbeitet als Dozentin für Kirchenrecht und als Pädagogin. Für "Spiritea" schreibt sie regelmäßig Texte über  Themen rund um Spiritualität und Glaubensalltag.

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