Mitgliederschwund werde sich noch beschleunigen

Pollack: Vertrauen in Kirchen auf nie erreichtes Tief gefallen

Veröffentlicht am 31.01.2025 um 11:32 Uhr – Lesedauer: 4 MINUTEN

München ‐ Das Vertrauen in die Kirchen in Deutschland sei "auf ein bislang nicht erreichtes Tief gefallen", Religionssoziologe Detlev Pollack. Seine Prognose für die Zukunft sieht ebenfalls düster aus. Doch eine Sache werde oft übersehen.

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Nach Ansicht des Religionssoziologen Detlev Pollack ist durch die öffentliche Debatte über die Missbrauchsfälle das Vertrauen in die Kirchen in Deutschland "auf ein bislang nicht erreichtes Tief gefallen". Das zeige sich in einem Mitgliederschwund, der sich in den nächsten Jahrzehnten noch beschleunigen werde, sagte Pollack dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Kirchen leisteten aber als Träger von Kitas und Pflegeheimen, in der Flüchtlingshilfe, der Bildungsarbeit und dem kulturellen Leben "viel Gutes" und stärkten Gerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt. "Das wird angesichts der in der Öffentlichkeit dominierenden Missbrauchsdiskussion oft übersehen", so der Soziologe.

Das geflügelte Wort vom "christlichen Abendland" verweise darauf, dass die westliche Kultur sowohl von christlichen Traditionslinien als auch von einer kritischen Abwehr gegen das Christentum bestimmt sei, sagte Pollack weiter. Beides habe die moderne Welt geprägt: die Wertschätzung spiritueller Bewegungen seit den Mystikern des Mittelalters, aber auch die religionskritischen Impulse durch Aufklärung, Darwinismus und Liberalismus. "Wir sollten dieses christliche Erbe, von dem wir zehren, nicht geringachten", betonte der Soziologe.

Weiter sprach sich Pollack für eine Neubestimmung christlicher Werte aus. Angesichts der "superreichen Egomanen", die derzeit in den USA die Politik bestimmten und Religion für ihre Zwecke missbrauchten, müsse man darüber nachdenken, wie man "christliche Werte wie Demut, Nächstenliebe, Frieden und Gerechtigkeit aktualisieren" könne, sagte der Soziologe. (tmg/epd)