Jesuit erklärt US-Vize Vance das Gleichnis vom barmherzigen Samariter
Das durch den US-Vizepräsidenten J. D. Vance vertretene Verständnis von christlicher Nächstenliebe trifft auf Widerstand: Der Jesuit James Martin hat auf "X" der Behauptung des Vizepräsidenten widersprochen, dass Christen den "Rest der Welt" erst als allerletztes in den Blick nehmen sollen. "Das geht am Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter vorbei", schrieb Martin.
Vance hatte in einem Interview mit "Fox News" gesagt, dass es eine christliche Auffassung sei, "erst die eigene Familie zu lieben, dann den Nachbarn, dann die lokale Gemeinschaft, dann die Mitbürger, und danach erst den Rest der Welt zu priorisieren". Das hätten "viele am linken Rand komplett umgedreht".
Denen helfen, die anders oder fremd sind
Martin verwies darauf, dass Jesus mit seinem Gleichnis auf die Frage eines Rechtsgelehrten geantwortet habe, wer sein Nächster sei. "Als Antwort erzählt Jesus die Geschichte eines jüdischen Mannes, der von Räubern zusammengeschlagen wurde und am Straßenrand liegt. Dem Mann wird nicht von denen geholfen, die ihm am nächsten stehen (ein 'Priester' und ein 'Levit'), sondern von einem Samariter. Zu jener Zeit betrachteten sich Juden und Samariter gegenseitig als Feinde", so Martin.
Die grundlegende Botschaft Jesu sei, dass jeder Mensch der Nächste sei und dass es nicht darum gehe, nur der eigenen Familien oder denen, die einem nahe stehen, zu helfen: "Es geht gerade darum, denen zu helfen, die verschieden, fremd, anders erscheinen. Sie alle sind unsere 'Nächsten'." Worum es bei dem Gleichnis ginge, verstehe man besonders aus Sicht des Mannes, dem geholfen wird: "Unsere Rettung hängt letztlich, wie bei diesem Mann, von denen ab, die wir oft als 'Fremde' betrachten."
J. D. Vance ist nach Joe Biden der zweite katholische US-Vizepräsident. Der in einer evangelikalen Gemeinde aufgewachsene Politiker konvertierte 2019 zum katholischen Glauben. In der Regierung von US-Präsident Donald Trump sind einige konservative Katholiken vertreten. Am Wochenende hatte Vance die US-Bischöfe scharf aufgrund ihrer Haltung zu Migration angegriffen. (fxn)