Forschungsteams für neues Studienkonzept gesucht

Missbrauchs-Studie für Berlin, Dresden-Meißen und Görlitz ausgeschrieben

Veröffentlicht am 14.02.2025 um 11:43 Uhr – Lesedauer: 5 MINUTEN

Berlin ‐ Lange hat es gedauert, bis auf den Beschluss der Aufarbeitungskommission die Missbrauchsstudie von drei Ost-Bistümern konkreter wird: Mit der Suche nach Forschungsteams geht es jetzt los. Bis die Studie vorliegt, kann es noch dauern.

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Die drei ostdeutschen Diözesen Berlin, Dresden-Meißen und Görlitz haben eine sozialwissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung von Missbrauch durch Kleriker und sonstige Kirchenbedienstete ausgeschrieben. Interessierte Forschungsteams können sich bis zum 16. Mai um den Auftrag bewerben, teilte das Erzbistum Berlin am Freitag mit. Die Studiendauer wird mit drei Jahren ab Vertragsabschluss angegeben. Die Ausschreibung wurde von der Interdiözesanen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs (IKA) der Bistümer beschlossen.

"Im Unterschied zu Studien in anderen Bistümern ist der Grundgedanke dabei nicht so sehr die Bearbeitung historischer Vorgänge, sondern die Frage, was nach dem Konzept 'restorative justice' unter Beachtung der Betroffenen, der Gemeinden und der Täter zu berücksichtigen ist", erläuterte die IKA ihr Konzept in ihrem Anfang Februar erschienenen Tätigkeitsbericht das Konzept. Mit dieser Perspektive wolle die Kommission verdeutlichen, dass es bei der Aufarbeitung um mehr gehe als um strafrechtliche Konsequenzen und um ein individuelles Verfahren der Anerkennung des Leids.

Inhaltlich soll die Studie unter Berücksichtigung bereits vorliegender Untersuchungen dazu zunächst Missbrauchsfälle erfassen und Verantwortlichkeiten benennen. Die Ergebnisse sollen daraufhin einer qualitativen Bewertung nach historischen, theologischen, soziologischen sowie juristischen Gesichtspunkten unterzogen werden. Schließlich sollen Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Dabei soll die Frage leitend sein, "welche Bedingungen notwendig sind, damit Betroffene handlungsfähig werden, damit Täter Verantwortung übernehmen und damit Gemeinden sich ihrer Vergangenheit stellen und Lehren für die Zukunft ziehen".

Teilprojekte nehmen Betroffene, Täter und Gemeinden in den Blick

Drei Teilprojekte sollen sich mit den Themen Ermächtigung, Verantwortung und Partizipation befassen. Das erste Teilprojekt befasst sich mit Bewältigungsstrategien von Betroffenen. Im zweiten Teilprojekt sollen bekannte Mechanismen und Verhaltensmuster von Tätern untersucht werden. Das dritte Teilprojekt nimmt Gemeinden als den sozialen Raum, in dem Taten geschehen konnten, in den Blick. "Ziel der Forschung ist es unter Bezugnahme auf Konzepte wie Sozialraumorientierung und Sozialkapital Erkenntnisse zu generieren, die zur Partizipation der Gemeinden an der Aufarbeitung beitragen." Besonders soll dabei die Fallhöhe betrachtet werden, "die im katholischen Kontext aus der Differenz zwischen verkündigter Botschaft und der Realität des Geschehenen resultiert".

Von dem mit der Studie beauftragten Forschungsteam wird neben Erfahrung in quantitativer und qualitativer sozialwissenschaftlicher Forschung auch interdisziplinäre Expertise im historischen, theologischen, soziologischen sowie juristischen Bereich erwartet.

Die IKA hatte bereits im Januar 2024 über das Konzept für die Studie beraten und die inhaltliche Ausrichtung beschlossen. Die Ausschreibung verzögerte sich aber. Im vergangenen Mai drängte der Betroffenenbeirat Ost darauf, die Studie in Auftrag zu geben: "Die Zeit drängt. Amtszeiten nähern sich ihrem Ende. Zeitzeugen versterben. Betroffene resignieren." Das Erzbistum Berlin hatte bereits 2021 ein Gutachten über durch Geistliche verübte sexualisierte Gewalt veröffentlicht. In Dresden-Meißen und Görlitz gibt es bislang keine diözesanen Missbrauchsgutachten. (fxn)