"Wie hast du's mit der Religion?" Die Gretchenfrage in der Erziehung
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Neulich im Auto fragt mein Sohn plötzlich: "Mama, welche Religion habe ich eigentlich?". Ich bin kurz schockiert von der Unwissenheit meines Siebenjährigen. Hat er doch jahrelang eine katholische Kita besucht und nun auch schon ein paar Monate Religionsunterricht in der Grundschule hinter sich. Seine Mutter, also ich, arbeitet für die katholische Kirche. Wie konnte seine Religion an ihm vorbeigehen?
"Was glaubst du denn?", frage ich vorsichtig. "Jesus", antwortet er selbstbewusst.
Als ich Mama wurde, habe ich mich zum ersten Mal intensiv mit meinen eigenen Werten beschäftigt und mich gefragt, welche davon ich an meine Kinder weitergeben möchte. Hilfsbereitschaft zum Beispiel. Insgeheim träumen wir doch alle von einer Welt, in der nicht nur die Bedürfnisse des Individuums zählen, sondern auch der Nächste. Ein wichtiges Thema, das uns nicht nur bei der Kindererziehung, sondern auch in diesen Tagen beim Thema Wahl umtreiben sollte.
Kinder kommen ohne moralischen Kompass auf die Welt. Sie sind darauf angewiesen, dass wir ihnen als Eltern, Paten, Erziehende und auch als Gesellschaft Vorbilder sind. Wir haben die Verantwortung, Werte, die uns wichtig sind, auch vorzuleben. Religion kann dabei eine große Stütze sein.
Hilfsbereitschaft im Alltag vorleben
Aber auch ich möchte meinen Kindern Vorbild sein und das nicht nur anderen überlassen. Wenn ich mich also selbst frage, ob ich hilfsbereit bin, antworte ich mit: Ja. Nein. Vielleicht. Es kommt darauf an. Sind Sie verwirrt? Ich auch. Denn natürlich helfe ich, sogar gerne. Meinen Kindern von morgens bis abends, meinen Freunden beim Umzug oder der Kinderbetreuung. Meinen Eltern bei der modernen Technik und der älteren Nachbarin beim Schnee schippen. Ich engagiere mich im Ehrenamt. Und hin und wieder halte ich fremden Menschen Türen auf. Aber ist das genug? Reiche ich damit zum Vorbild? Denn wenn ich so recht überlege, habe ich das blaue Auto an der Kreuzung nicht vorgelassen, weil ich es auf dem Weg ins Büro eilig hatte. Meiner Mutter habe ich neulich kurzfristig abgesagt, weil etwas dazwischengekommen ist und zwischen Brote schmieren, Themenrecherche und Alltagschaos war letzte Woche auch kein Platz, meiner kleinen Tochter beim Zubinden ihrer Schuhe zu helfen.
Zum Glück müssen wir Eltern nicht perfekt sein, sondern authentisch. Aber wir sollten uns immer wieder selbstreflektieren und uns fragen, ob wir unseren eigenen Werten treu bleiben. Auch wenn es mal nicht so gut in den Zeitplan passt.
Am Ende habe ich meinem Sohn nicht gesagt, dass er katholisch ist. Stattdessen haben wir erst einmal über das Wirken Jesu gesprochen. Wen interessiert schon die Verpackung, auf den Inhalt kommt es an.