Papst-Vertrauter: Franziskus ist müde und Rücktritt möglich
Der Papst-Vertraute und Erzbischof von Marseille, Kardinal Jean-Marc Aveline, hat sich zu Franziskus' Krankenhausaufenthalt geäußert. Der Papst sei müde, so Avelines Einschätzung am Donnerstagmittag vor Journalisten im Vatikan. Zwar habe er nicht mehr Informationen als die Medien, aber Franziskus sei einer dieser Menschen: "Wenn Sie wirklich wollen, dass er sich ausruht, müssen Sie ihn ins Krankenhaus einweisen, denn sonst ruht er sich nie aus."
Einen Rücktritt des Kirchenoberhauptes schloss Aveline, der auch als möglicher Nachfolger von Franziskus gehandelt wird, nicht aus: "Alles ist möglich!" Man verfolge alles mit einer gewissen Sorge, allerdings ohne sich an Vorhersagen zu versuchen oder Nachrichten hinterherzujagen. Der beste und kürzeste Weg von einer Person zur anderen sei das Gebet. "Das ist meine Art, mich auf dem Laufenden zu halten", so Aveline über seinen Umgang mit der aktuellen Situation des erkrankten Papstes. Seit Freitag wird Franziskus mit einer komplizierten Atemwegsinfektion in der römischen Gemelli-Klinik behandelt.
Kurienkardinal: Lage "komplex, aber nicht kritisch"
Zuvor hatte der italienische Kurienkardinal Gianfranco Ravasi dem italienischen Radiosender RTL 102.5 gesagt, wegen seiner Persönlichkeit traue er dem Papst einen Rücktritt zu. Zwar habe der das bislang trotz körperlicher Gebrechen abgelehnt. Aber, so Ravasi weiter: "Wenn er sich in einer Situation befände, in der seine Möglichkeit zum direkten Kontakt mit Menschen stark eingeschränkt wäre, dann glaube ich, könnte er sich für einen Rücktritt entscheiden."
Ravasi erinnerte daran, dass Papst Franziskus nach eigener Aussage bereits zu Beginn seines Pontifikats dem Kardinalstaatssekretär ein bedingtes Rücktrittsschreiben übergeben habe. Zum derzeitigen Zustand des Papstes sagte Ravasi am Donnerstag, gemäß den vom Vatikan gelieferten Informationen sei die Situation "komplex, aber nicht kritisch". (KNA)