Tschechische Bischöfe verteidigen nach Protesten Beichtgeheimnis

Die tschechischen Bischöfe verteidigen den Grundlagenvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Tschechischen Republik, der unter anderem das Beichtgeheimnis absichern soll. In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung zeigten sie aber auch Verständnis für die Proteste gegen den Vertrag. "Mit Bedauern stellen wir fest, dass diese Empörung einen gerechten Grund hat", heißt es darin. Nicht immer habe der Umgang der Kirche mit sexualisierter Gewalt den hohen Standards entsprochen, die die Gesellschaft zurecht von ihr erwarte. Davon müsse man aber den Schutz des Beichtgeheimnisses trennen: "Es handelt sich nicht um ein Privileg der Kirche oder des Beichtvaters. Es betrifft nur den Akt des Sakraments der Versöhnung und schützt den Pönitenten, nicht den Priester." Jede Infragestellung des Beichtgeheimnisses schade vor allem der Religionsfreiheit der Gläubigen, betonten die Bischöfe.
Das Abkommen regelt in 16 Artikeln den rechtlichen Status und Tätigkeitsfelder der katholischen Kirche in Tschechien. Dazu gehört das Recht der Kirche, Bildungs- und Wohltätigkeitseinrichtungen zu unterhalten. Außerdem regelt es die Seelsorge in Gefängnissen, Sozialeinrichtungen und Krankenhäusern sowie bei Polizei und Streitkräften. Umstritten ist in der tschechischen Öffentlichkeit der ausdrückliche Schutz des Beichtgeheimnisses. Kritiker des Vertrags befürchten, dass damit die Vertuschung von Missbrauch begünstigt wird. In ihrer Erklärung betonen die Bischöfe, dass sie dafür einstehen, dass die Kirche ein sicherer Ort wird, wo niemand Verletzungen der Würde durch sexualisierte Gewalt befürchten müsse. Dazu gehöre auch die strafrechtliche Verfolgung von Taten und die Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden.
Der Vertrag ist das Ergebnis jahrelanger Verhandlungen. 2003 scheiterte ein erster Versuch, einen Staatsvertrag mit dem Vatikan abzuschließen, am Veto des Parlaments. Ziel des Vertrages sei, die Religionsfreiheit der Gläubigen und folglich auch die Freiheit der Kirche bei der Erfüllung ihrer Mission weiter zu gewährleisten, teilte der Vatikan unmittelbar nach der Unterzeichnung mit. Im Oktober hatten Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Ministerpräsident Petr Fiala in Prag den Grundlagenvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Tschechischen Republik unterschrieben. Ende Januar hatte der tschechische Senat das Abkommen gebilligt, im Abgeordnetenhaus steht der Vertrag im März auf der Tagesordnung. Erst nach Zustimmung beider Kammern kann der Grundlagenvertrag in Kraft treten. Gegner des Vertrags haben angekündigt, gegen die Ratifizierung zu klagen, nachdem ein Antrag im Senat gescheitert war, vor der Zustimmung den Vertrag durch das Verfassungsgericht prüfen zu lassen. Mit dem Abkommen würde die Beziehung zwischen Staat und katholischer Kirche in Tschechien erstmals auf vertragliche Basis gestellt. (fxn)