Bayerns oberster Laienkatholik gibt Vorsitz ab
Joachim Unterländer (67), seit 2017 Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, hört auf. Nach acht Jahren Amtszeit wird der CSU-Politiker und Sozialexperte nicht erneut kandidieren. Das wurde zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der bayerischen Bischöfe am Donnerstag in Passau bekannt. Anlässlich des Endes seiner Amtszeit war Unterländer mit seinem Präsidium zu Gast bei dem Bischofstreffen. Die Bischöfe dankten dem Gremium dabei für "qualitätvolle Stellungnahmen" zur Gesellschafts- und Sozialpolitik, etwa zum Schutz ungeborenen Lebens, zum assistierten Suizid oder zum Sonntagsschutz, der nicht aufgeweicht werden dürfe. Ihr Konferenzvorsitzender, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, sagte, in diesen Themen stimmten Bischöfe und Laienvertretung in Bayern "vollständig überein". Am 4. und 5. April wird das Landeskomitee ebenfalls in Passau einen Nachfolger für Unterländer wählen. Von Kandidaturen ist bisher nichts bekannt.
Weiter empfingen die Bischöfe Bayerns den früheren Ministerpräsidenten des Freistaats, Horst Seehofer (75). Dieser unterrichtete sie erstmals in seiner neuen Rolle als Stiftungsratsvorsitzender der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) über Entwicklungen an der Hochschule. Die KU sei "zwar klein, aber exzellent", sagte Seehofer laut der am Donnerstag veröffentlichten Abschlusserklärung zum Bischofstreffen. Marx würdigte Seehofers Engagement: "Man spürt, dass er mit Begeisterung dabei ist und auch langfristig etwas tun will." Zugleich verwies der Kardinal auf "Riesenfortschritte" in den Gesprächen um die künftige Finanzierung der KU. Er sei zuversichtlich, dass bis 2028 ein neues Gesamtkonzept stehe.
Nach der Bundestagswahl sehen die Bischöfe die Gefahr einer weiteren Radikalisierung. "Einmal mehr" seien die politischen Ränder gestärkt aus der Wahl hervorgegangen, erklärten sie. Besorgniserregend sei auch die "zunehmende Polarisierung" im Wahlkampf gewesen. Zentrale Herausforderung der demokratischen Parteien sei es nun deshalb, bei allen politischen Unterschieden den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Viele Menschen hätten Sorgen und Ängste hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung und der Zukunft ihrer Arbeitsplätze, so die Bischöfe. Auch die außenpolitischen Auseinandersetzungen und globalen Konflikte machten ihnen zu schaffen. An die künftige Bundesregierung richteten die Bischöfe die Erwartung, diese Sorgen ernst zu nehmen, die Probleme anzugehen und sie zu lösen.
Marx will "kein Pingpong mit dem Ministerpräsidenten"
Zudem riefen Bayerns Bischöfe dazu auf, die Ukraine nicht im Stich zu lassen. Dies wäre drei Jahre nach Kriegsbeginn angesichts der vom russischen Aggressor ausgehenden Existenzbedrohung des Landes "unerträglich", so die Bischöfe. "Wir stehen an der Seite der Ukrainer, die weiter um ihre Freiheit kämpfen", versicherte Marx. Mit Skepsis schauen die Bischöfe auf die von den USA unter ihrem neuen Präsidenten Donald Trump mit Russland angestoßenen Sondierungen zur Beendigung des Krieges: "Ein Friede, der nicht mit einer gerechten Lösung und der Einbindung der Betroffenen verbunden ist, führt nur zu weiteren Gefährdungen in der Zukunft." Die "weltpolitische Gesamtlage" ist nach Einschätzung der Bischöfe "so beunruhigend wie lange nicht". Die Menschen sorgten sich um die Zukunft Europas und den transatlantischen Zusammenhalt.
Die jüngste Kritik von Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder an den Kirchen wollte Marx nicht überbewerten. Man sollte das nach einer Stellungnahme kirchlicher Spitzendiplomaten in Berlin zur Migrationspolitik der Union entstandene "Geplänkel nicht zu ernst nehmen", sagte der Kardinal. Seine Zurückhaltung nach Söders Äußerungen rechtfertigte Marx mit der Bemerkung, er finde ein öffentliches "Pingpong mit dem Ministerpräsidenten unangemessen". Demnächst gebe es wieder eine reguläre Gesprächsrunde der bayerischen Bischöfe mit Söder und dem Kabinett.
Marx fügte hinzu, er sehe "kein größeres Zerwürfnis mit der Staatsregierung". Das Verhältnis der katholischen Kirche zur Staatsregierung sei "grundsätzlich positiv". Er habe "bis jetzt" keinen Anlass, daran zu zweifeln. Zugleich stellte der Kardinal klar: "Wozu wir uns äußern, bestimmen wir." Maßgeblich dafür seien nicht Erwartungshaltungen aus der Politik, sondern die katholische Soziallehre. Mit Blick auf die Migrationspolitik sprach sich der Kardinal gegen vermeintlich "einfache Lösungen" aus. Die gebe es nicht. Er hoffe auf eine Einigung in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD. "Auf die Perspektive Humanität und Ordnung kann ich mich einlassen." Zu versuchen, der AfD das Wasser abzugraben, indem man deren Positionen übernehme, davor könne er aber nur warnen. Das werde nicht funktionieren. (tmg/KNA)