Anwalt widerspricht Oberhirten

Streit um abgesetzten Priester – Vorwürfe an Bischof Oster

Veröffentlicht am 30.03.2025 um 14:37 Uhr – Lesedauer: 5 MINUTEN

Passau ‐ Gerade erst hat Bischof Stefan Oster im Fall des abgesetzten Priesters dazu aufgerufen, für Deeskalation zu sorgen. Dies bleibt ein frommer Wunsch. Die Anhänger des Geistlichen kündigen eine Demo vor dem Passauer Dom an.

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Die Auseinandersetzung zwischen der Passauer Bistumsleitung und einem aus dem Dienst genommenen katholischen Pfarrer in Niederbayern geht weiter. Nachdem sich am Freitag Bischof Stefan Oster schützend vor die Kritiker des Geistlichen gestellt und zur Deeskalation aufgerufen hatte, äußerte sich dessen Rechtsbeistand am Wochenende auf Facebook.

Der Jurist warf Oster vor, die Eskalation selbst herbeigeführt zu haben. Eigenmächtig habe der Bischof "eine interne Angelegenheit in die Öffentlichkeit gezerrt – ohne verbindliche Absprache, ohne juristisch belastbare Grundlage, ohne Rücksicht auf die Würde der betroffenen Person". Wenn das Bistum nun zur Besonnenheit aufrufe, sei dies "heuchlerisch". Nach einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" (Wochenende) haben die Anhänger des Pfarrers am 12. April in Passau zu einer Kundgebung aufgerufen. Ein "Solidaritätsmarsch" soll bis zum Domplatz führen.

Nach Vorwürfen schwerwiegenden Fehlverhaltens in der Jugendarbeit war der Geistliche vor einer Woche aus dem Dienst genommen worden. Im Kern geht es um Alkoholmissbrauch. Der Pfarrer ließ über seinen Anwalt sämtliche Vorwürfe abstreiten. Daraufhin erfuhr er eine Welle von Solidarität in seinem Pfarrverband. 11.000 Menschen fordern in einer Online-Petition sein Bleiben. Die Vorwürfe liegen der Passauer Staatsanwaltschaft und dem Vatikan zur Prüfung vor. Ein Ergebnis gibt es noch nicht.

Vorwurf der Instrumentalisierung

Der Verteidiger des Priesters beschuldigte den Bischof, "Aussagen vermeintlich 'ängstlicher' Personen, ohne Kontext, ohne überprüfbare Belege – und ohne, dass diese Stimmen sich selbst öffentlich geäußert hätten", zu instrumentalisieren. Es entstehe der Eindruck, als wolle man "diffuse Sorgen mit konkreten Vorwürfen gleichsetzen". Weiter fügte er hinzu, niemand wolle eine Sonderbehandlung für irgendwen, es gehe allein um Gerechtigkeit.

Oster hatte sich in seiner Erklärung "erschreckt" über die "aufgeheizte Stimmung" und die damit verbundenen Schuldzuweisungen gezeigt. Im betroffenen Pfarrverband gebe es eine medial verstärkte "herrschende Meinung", so der Bischof. Demnach seien an der Misere "einige wenige Personen" Schuld, die "den Pfarrer beim Bischof hingehängt" hätten, weshalb dieser nun gehen müsse. "Jetzt erleben einige dieser Personen tatsächlich seit eineinhalb Jahren ein Leben voller Angst, Unsicherheit, Depression und mehr." Sie würden ausgegrenzt, gemobbt und sogar konkret bedroht.

Der Bischof erklärte des Weiteren, seine Pressemitteilung über den Rückzug des Pfarrers sei mit diesem telefonisch abgestimmt gewesen. Auf Wunsch des Priesters habe er den Text sogar noch einmal "in einem wichtigen Detail" zu dessen Gunsten verändert. Nach der Veröffentlichung habe sich der Geistliche aber einen neuen Rechtsbeistand genommen. Dieser habe dann begonnen, "in offensichtlicher Unkenntnis vieler Sachverhalte" in den sozialen Medien zu "agitieren". Das daraufhin gegen den Pfarrer ausgesprochene vorläufige Auftritts- und Zelebrationsverbot werde so lange bestehen bleiben, bis die Ermittlungen von kirchlichen und staatlichen Behörden abgeschlossen seien, betonte Oster. (KNA)