Seltenes Ritual: Bischof Ackermann hat Witwe geweiht

Zum zweiten Mal hat Christina Becker einen Bund fürs Leben geschlossen. Wie das Bistum Trier am Mittwoch mitteilte, hat Bischof Stephan Ackermann der 58-jährigen in der vergangenen Woche im Trierer Dom die Witwenweihe gespendet. "Ich möchte mein Wirken ganz in den Dienst des Herrn stellen", sagte die Eifelerin, deren Ehemann vor acht Jahren verstorben ist.
Die Feier der Witwenweihe ist ein Segensritus. Wie das Bistum mitteilte, geht dieser auf das frühe Christentum zurück. Die Vorlage entstamme einem Formular aus der ambrosianischen Liturgie des vierten Jahrhunderts und richte sich nach dem Ritus der Jungfrauenweihe.
Im Ritus spielt auch ein Ring eine wichtige Rolle – und zwar ein ganz besonderer: Nach dem Tod ihres Mannes ließ Becker ihren Ehering und den ihres Mannes von einer Goldschmiedin zusammenfügen. Innen erkenne man noch die Gravur mit dem Datum des Hochzeitstages vor 37 Jahren. Zur Witwenweihe kam eine ovale Platte mit einem Kreuz und einem kleinen Rubin, als Zeichen für das Blut Jesu, hinzu. Diesen Ring habe Ackermann Becker während der Weiheliturgie überreicht.
Zweite geweihte Witwe im Bistum Trier
Christina Becker ist laut Bistumsangaben die zweite Frau, die im Bistum Trier in der Neuzeit die Witwenweihe empfangen hat. Die Lehrerin für Hauswirtschaft an einer Berufsbildenden Schule ist Mutter zweier Töchter und eines Sohnes. Mit Kindern und Enkelkindern lebt sie auf einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb in der Eifel. "Meine Familie respektiert mein Glaubensleben. Auch wenn nicht alle meine Kinder fest im Glauben verhaftet sind, wünschen wir einander doch nur das Beste, unterstützen uns gegenseitig in unseren Entscheidungen und stehen uns zur Seite", sagte Becker.
An ihrem Alltag ändere die Witwenweihe nichts, erklärte Becker: "Das Gebetsleben habe ich sowieso, und ich lebe die drei evangelischen Räte – Keuschheit, Armut, Gehorsam – jetzt schon." Gehorsam verspüre sie gegenüber ihrem Bischof und gegenüber der Tradition und Lehre der katholischen Kirche. Das bedeute aber nicht, dass sie ihr Gehirn mit der Witwenweihe abgebe: "Denn Gott hat mir Verstand gegeben, damit ich ihn auch benutze." (KNA)