So wird 2026 für die katholische Kirche

Ein neues Jahr steht gewöhnlich auch in der katholischen Kirche für einen neuen Anfang. 2026 ist das aber ausnahmsweise anders, denn das neue Jahr startet in der Kirche diesmal mit einem Ende – dem Ende des Heiligen Jahres. Das Jubiläumsjahr unter dem Leitwort "Pilger der Hoffnung" war Ende 2024 noch vom inzwischen verstorbenen Papst Franziskus (2013-2025) mit der Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom gestartet worden. Im Laufe der folgenden Monate pilgerten Millionen Gläubige aus aller Welt nach Rom, allein am "Jubiläum der Jugend" im Sommer nahmen mehr als eine Million junge Menschen teil. Franziskus' Nachfolger Leo XIV. obliegt am 6. Januar – dem Hochfest der Erscheinung des Herrn – die Aufgabe, das Heilige Jahr mit der Schließung der Pforte im Petersdom offiziell zu beenden. Danach heißt es lange warten, denn das nächste Heilige Jahr findet erst 2033 statt.
Bald nach dem Ende des Jubiläumsjahres geht es – zumindest aus deutscher Sicht – zurück in die Niederungen kirchlicher Reformbemühungen. Vom 29. bis 31. Januar kommt die Synodalversammlung des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Deutschland zum letzten Mal zusammen. Satzungsgemäß ist dort die "Evaluation der Umsetzung der Ergebnisse des Synodalen Weges" geplant. Zudem soll die Versammlung 27 Katholikinnen und Katholiken wählen, die neben den 27 deutschen Diözesanbischöfen und 27 Vertreterinnen und Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Mitglieder der geplanten Synodalkonferenz werden sollen.
Was sagt der Vatikan zur Satzung der Synodalkonferenz?
Die Konferenz soll laut der Ende November verabschiedeten Satzung als auf Dauer errichtetes synodales Gremium auf Bundesebene künftig Stellung zu wesentlichen Entwicklungen in Staat, Gesellschaft und Kirche nehmen sowie Beschlüsse zu wichtigen Fragen des kirchlichen Lebens von bundesweiter Bedeutung fassen. Außerdem soll das Gremium ein Mitspracherecht bei Finanz- und Haushaltsangelegenheiten der katholischen Kirche in Deutschland erhalten, "die nicht auf diözesaner Ebene entschieden werden".
Das ZdK hat der Satzung bereits bei seiner Vollversammlung Ende November zugestimmt, die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) will bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung vom 23. bis 26. Februar in Würzburg über das Statut abstimmen. Danach steht dann die Begutachtung und Genehmigung der Satzung durch den Vatikan an. Nach den vielen römischen Mahnungen zum deutschen Reformprozess in den vergangenen Jahren wird mit Spannung erwartet, wie der Vatikan die Satzung bewertet. Zumal Leo XIV. bereits angekündigt hat, dass die Kurie auch unter seiner Führung darauf achten wird, dass der deutsche Weg der Laienbeteiligung an Entscheidungen in der Kirche nicht zu sehr von dem abweicht, was auf Weltebene gilt. Sollte der Vatikan aber seine Zustimmung zur Satzung geben, soll die Synodalkonferenz am 6. und 7. November in Stuttgart zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammenkommen.
Magdeburgs Bischof Gerhard Feige, die prominenteste Stimme der katholischen Kirche in Ostdeutschland, erreicht im November die bischöfliche Altersgrenze von 75 Jahren.
Der Fortgang des synodalen Projekts dürfte auch ein Thema beim 104. Deutschen Katholikentag sein, der vom 13. bis 17. Mai unter dem Leitwort "Hab Mut, steh auf!" in Würzburg stattfindet. Die fränkische Bischofs- und Universitätsstadt ist bereits zum fünften Mal Gastgeberin des Katholikentags – das letzte Mal liegt allerdings bereits 119 Jahre zurück. "700 Veranstaltungen an fünf Tagen wollen dazu ermutigen nach Wegen für eine zukunftsfähige Gesellschaft und Kirche zu suchen", heißt es von Seiten der Veranstalter des bevorstehenden Treffens. Gerade vor dem Hintergrund von Krieg, stetig voranschreitendem Klimawandel und Artensterben, sozialer Spaltung und Krisen in Politik und Kirche sei das Bedürfnis nach konstruktiven Diskursen und einem gemeinsamen Ringen um Antworten und Suchen nach solidarischen Lösungen groß.
Wie beinahe jedes Jahr dürfte es 2026 auch personelle Veränderungen im Kreis der deutschen Bischöfe geben. So ist davon auszugehen, dass die beiden derzeit vakanten Bistümer Eichstätt und Münster – letzteres ist seit 2024 die mitgliederstärkste Diözese Deutschlands und damit eines der Schwergewichte im Kreis der 27 Bistümer – im Laufe der kommenden Monate neue Oberhirten bekommen werden. Beide Besetzungen dürften mindestens innerkirchlich aufmerksam verfolgt werden – schließlich werden es die ersten Bischofsstühle sein, die Papst Leo XIV. in der Bundesrepublik besetzen kann. Beobachter spekulieren bereits, ob man aus den Ernennungen Rückschlüsse auf das Profil ziehen kann, das sich der immer noch recht neue Pontifex und ehemalige Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für die Bischöfe für "seine" Oberhirten wünscht.
Während die Katholikinnen und Katholiken in Eichstätt und Münster auf einen neuen Bischof hoffen dürfen, müssen sich ihre Glaubensgeschwister im Bistum Magdeburg auf den bevorstehenden Abschied von Bischof Gerhard Feige einstellen. Am 19. November wird Feige 75 Jahre alt und erreicht damit die vom Kirchenrecht vorgesehene Altersgrenze für Bischöfe. Ob Leo XIV. Feiges Amtszeit nach dann mehr als 20 Jahren direkt an dessen Geburtstag beenden wird, bleibt aber abzuwarten; möglicherweise belässt er den gebürtigen Hallenser auch noch einige Zeit im Amt. In jedem Fall aber wird die katholische Kirche in Ostdeutschland mit Feige in absehbarer Zeit ihre prominenteste Stimme verlieren.
Leo XIV. geht 2026 in sein erstes volles Kalenderjahr als Papst. Erwartet wird unter anderem, dass er weitere Auslandsreisen unternimmt.
Eine wichtige personelle Veränderung könnte es 2026 auch an der Spitze der Apostolischen Nuntiatur in Berlin geben: Erzbischof Nikola Eterovic, der den Heiligen Stuhl bereits seit 2013 und damit länger als die meisten seiner Vorgänger als Nuntius in Deutschland vertritt, wird am 20. Januar ebenfalls 75 Jahre alt. Der Kroate redete den deutschen Bischöfen insbesondere mit seinen Grußworten zu Beginn der bischöflichen Vollversammlungen immer wieder streng ins Gewissen. Mit Blick auf die deutschen Reforminitiativen der vergangenen Jahre erinnerte er die Oberhirten geradezu gebetsmühlenartig an die geltende Glaubenslehre, das Kirchenrecht und die Mahnungen des Papstes.
Bei der Frühjahrs-Vollversammlung 2023 in Dresden kam es deshalb sogar zu einem Eklat. Nach Eterovics Grußwort, in dem er unter anderem erläutert hatte, warum es aus Sicht von Papst Franziskus nicht möglich sei, Frauen zu Priestern zu weihen, kritisierte der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing den Nuntius öffentlich scharf. Es sei ihm phasenweise fast unerträglich gewesen, dem Grußwort des Nuntius zuzuhören, so Bätzing. Für die reformorientierten Bischöfe war Eterovic all die Jahre eine Herausforderung – die Trauer über seinen nun möglicherweise bald bevorstehenden Abschied dürfte sich in diesem Lager deshalb in Grenzen halten.
Neuwahl des DBK-Vorsitzenden im Februar
Sollte Eterovic zeitnah nach seinem 75. Geburtstag als Nuntius abberufen werden, wäre er auch nicht mehr bei den beiden Vollversammlungen der Bischöfe im neuen Jahr dabei. Neben dem Treffen im Februar in Würzburg – bei dem auch die Neuwahl des DBK-Vorsitzenden ansteht – kommen die derzeit 59 deutschen Diözesan- und Weihbischöfe vom 28. September bis 1. Oktober in Fulda zusammen. Das ZdK als oberste Vertretung der katholischen Laien in Deutschland hält seine beiden Vollversammlungen 2026 am 12. und 13. Mai und damit unmittelbar vor Beginn des Katholikentags ebenfalls in Würzburg und am 27. und 28. November in Berlin ab.
Und Leo XIV.? Der geht in sein erstes volles Kalenderjahr als Papst und kann zum Beispiel Anfang April sein erstes Osterfest als Pontifex feiern. Außerdem wird erwartet, dass Leo nach seiner ersten Auslandsreise vor wenigen Wochen in die Türkei und den Libanon 2026 weitere Reisen unternehmen wird. Kurz vor der offiziellen Bestätigung steht etwa eine Reise auf den afrikanischen Kontinent. Außerdem spekulieren Beobachter, dass Leo seiner zweiten Heimat Lateinamerika einen Besuch abstatten könnte.