Katzenhass und Elefanten-Fan: Skurriles aus der Geschichte der Päpste
Der Papst, den es nicht gab
In der Vignettengalerie in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern ist er immer noch zu sehen: Donus II., Papst im Jahr 972. Doch mittlerweile ist klar: Donus II. ist nicht einmal mehr eine Karteileiche – es hat ihn nie gegeben. Grund für seine "Geburt" ist wohl ein Lesefehler in der Geschichtsschreibung. Donus' angebliche Amtszeit liegt zwischen den Päpsten Benedikt VI. und Benedikt VII. Erstgenannter war ebenfalls Bischof der Diözese Sutri in der Region Latium (heute ist deren Gebiet Teil des Bistums Civita Castellana). In mancher Papstliste wurde deshalb unter seinen Namen noch der Zusatz "Domnus de Sutri" gesetzt. Dieser Zusatz war der Anstoß des Irrtums. Denn in der Geschichtsschreibung des Papsttums gab es immer wieder Gegenpäpste, die je nach Lage wieder aussortiert wurden. Die Papstlisten weisen deshalb durch die Jahrhunderte Veränderungen auf. Wahrscheinlich war es eine Leerstelle in einer Papstliste, die durch Herausnehmen eines Gegenpapstes entstand, durch die der Eindruck entstand, der "Domnus de Sutri" sei ein Name, ein Amtsinhaber gewesen. So verkürzt man den Namen zu "Do(m)nus" und setzt ein "II." dahinter, weil es bereits einen Papst dieses Namens gab (Donus, 676-678). Der Fehler passiert wohl irgendwann im 15. Jahrhundert - und fällt erst 1947 auf. Der Präfekt des Vatikanischen Archivs, Angelo Mercati (1870-1955), überarbeitet in dieser Zeit die offizielle Liste der Päpste – und stößt auf den Papst, von dem es nur einen Namen, aber keine zeitgenössischen Quellen gibt. Es ist nicht die einzige Skurrilität, die Mercati aufdeckt: Er findet ebenso heraus, dass die Päpste Cletus und Anacletus ein und dieselbe Person sind.
Elefantische Liebschaften
Leo X. (1475-1521) genoss als Papst noch eine deutlich größere weltliche Machtfülle, als sie seine heutigen Amtsnachfolger innehaben. Er wachte unter anderem über den Vertrag von Tordesillas aus dem Jahr 1494. Damals hatten die Großmächte Spanien und Portugal die Erde unter sich aufgeteilt – das Zeitalter der Kolonisierung hatte gerade begonnen. Amerika sollte Spanien gehören, Afrika und Asien Portugal. Selbstredend wurden die Einwohner der jeweiligen Regionen nicht über ihre Meinung zu diesem Deal befragt. Der portugiesische König wollte in dieser Situation Punkte beim Pontifex sammeln und machte ihm ein besonderes Geschenk: einen Elefanten. Schon als der Elefant in Rom einzog, war er sofort das Stadtgespräch. Der Elefant kniete vor dem Papst nieder und spritzte mit Wasser um sich. Leo X. war hingerissen. Er nannte den Elefanten "Annone" und ließ für ihn ein angemessenes Domizil bauen. Dort kam er jeden Tag vorbei, um seinen Schützling zu bewundern. Zudem konnte Annone mit der Zeit tanzen und ein paar Tricks. Die Liebe des Papstes ging so weit, dass Annone sogar Eingang in die Kunstgeschichte fand: Auf Raffaels Fresko "Schöpfung der Tiere" im apostolischen Palast ist er an einen Baum gelehnt zu sehen. Doch der Elefant wurde 1516 krank. Man vermutete eine Angina und Verstopfung. Deshalb bekam er goldhaltiges Abführmittel. Das überlebte das Tier nicht und er starb. Neben "Annone" war Leo X. auch für weitere Eigentümlichkeiten zu haben: Er besaß neben dem Elefanten noch einen Bären, zwei dressierte Leoparden und ein Chamäleon. Sein regelmäßiger Begleiter war zudem sein Hofnarr, der verprügelt wurde, wenn er nicht witzig genug war. Für kirchenpolitische Anliegen blieb da kaum Zeit – etwa die Thesen Martin Luthers, die damals die Runde machten. Für Leo X. nur Makulatur.
Papst Leo X. und sein Elefant Annone.
Der dreifache Papst
Papst werden – das ist für gar nicht wenige Kleriker der größte Traum, der Höhepunkt ihres Lebens – ein einmaliges Ereignis. Nicht so für Benedikt IX. (1000-1055), denn er wurde gleich drei Mal Papst. Geboren wurde er als Theophylakt III. von Tusculum und stammte somit aus der führenden Familie des Roms seiner Zeit. Sein Onkel war als Johannes XIX. Papst. Als er 1032 starb, wurde Theophylakt zwei Tage später sein Nachfolger. 1044 gab es aber einen Aufstand gegen ihn, die Gründe dafür lassen sich heute nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren. Jedenfalls schaffe es der Gegenspieler von Benedikt, Johannes von Sabina, als Silvester III. Papst zu werden. Doch Benedikt hatte noch Anhänger in der Stadt, deswegen gab es von Anfang an Unruhen. 1045 wurde Silvester vertrieben und Benedikt kam zurück, er wurde wieder Papst. Allerdings war seine Position geschwächt. Also verkaufte er sein Amt und trat gegen Bezahlung zurück. Nun wurde Johannes Gratianus Pierleoni als Gregor VI. Papst. Doch Silvester III. gab es weiter, er war wieder Bischof von Sabia, nach eigenem Befinden aber auch immer noch Papst. Es entstanden Wirren, die Kaiser Heinrich III. (der durch den rechtmäßigen Papst gekrönt werden wollte) durch mehrere Synoden beilegen wollte. Dabei kämpfte er auch gegen den Verkauf von Ämtern an, der sogenannten Simonie. Bei der Synode von Sutri 1046 wurden deswegen Silvester III. und Gregor VI. abgesetzt, damit war Benedikt IX. technisch gesehen wieder Papst, auch wenn er trotz Einladung nicht anwesend war. Drei Tage später wurde auch er abgesetzt. Zum nächsten Papst wurde Clemens II. gewählt. Seine erste Amtshandlung: Die Kaiserkrönung.
Ein Papst gegen die Katzen
Heute sind Katzen die beliebtesten Haustiere in Deutschland, deutlich vor Hunden: 2024 gab es 15,9 Millionen Katzen gegenüber 10,5 Millionen Hunden in der Bundesrepublik. Wobei: Ein Papst hätte von 15,9 Millionen Teufelsdienern gesprochen . Denn Papst Gregor IX. (1147-1241) verkündete in seiner Bulle "Vox in Rama", Katzen (besonders schwarze) seien böse und im Bund mit dem Teufel. Er forderte ihre Vernichtung – und trat damit eine Tötungswelle los. Auch seine Nachfolger Innozenz VII. (1336-1415) und Innozenz VIII. (1432-1492) waren keine Katzenfans: Millionen Tiere landeten zusammen mit vermeintlichen Hexen auf dem Scheiterhaufen. Manche vermuten: Durch die fehlenden Katzen konnten sich Schädlinge ungehindert ausbreiten – zum Beispiel Ratten. Es könnte also sein, dass die päpstliche Kater-Aversion zur Ausbreitung der Pest beigetragen hat. Spätere Päpste waren den Stubentigern dann auch deutlich günstiger gesinnt: Leo XII. (1760-1829) hatte selbst einen Kater und auch Pius IX. (1792-1878), Leo XII. (1823-1829) und Benedikt XVI. (1927-2022) waren Katzen-Fans.
War kein Katzenfan: Papst Gregor IX.
Der erschlagene Liebhaber
Die Geschichte der Päpste ist keineswegs arm an Amtsinhabern, für die die geistliche Komponente ihres Amtes – zurückhaltend ausgedrückt – eher sekundärer Natur war. Ein Beispiel dafür ist Johannes XII. (937-964). Octavianus von Tusculum war 955 mit maximal 18 Jahren Papst geworden - mehr aufgrund des Drucks von Fürst Alberich II. von Rom als aus eigenem Antrieb. Im Liber Pontificalis, einer Papstchronologie, heißt es über ihn: "Er lebte sein ganzes Leben in Ehebruch und Eitelkeit." Über ihn werden die wildesten Geschichten erzählt: Er soll seine Pferde mit in Wein getränkten Mandeln und Feigen gefüttert haben, weiterhin habe er trotz Zölibats eine ganze Gruppe von Geliebten gehabt und selbst Pilgerinnen gegenüber zudringlich geworden sein, bis hin zu Vergewaltigungen. 963 wurde er abgesetzt – wegen seines unmoralischen Lebenswandels. Über den geschassten Pontifex kursieren einige für ihn sehr nachteilige Anekdoten, deren Wahrheitsgehalt umstritten ist – denn oft wurde auch einfach von verfeindeten Familien oder Gegnern Stimmung gemacht. So soll Johannes gestorben sein, nachdem er von einem Ehemann in flagranti im Bett mit dessen Frau erwischt und derart zugerichtet wurde, dass er es nicht überlebte. Andere Quellen sprechen aber auch vom Schlaganfall nach einem Ehebruch. Was davon Wahrheit und was nur ausufernder Voyeurismus – die Welt wird es nie erfahren.
