Prozess um Finanzskandal – Bischof Hanke soll vor Gericht aussagen
Der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke soll im Prozess um den Finanzskandal in seinem Bistum als Zeuge vor Gericht aussagen. Er werde voraussichtlich am 5. März vernommen, teilte ein Justizsprecher auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Zudem werde es mehr Verhandlungstage als geplant geben. Statt der ursprünglich anberaumten 39 sind demnach nun 59 Termine veranschlagt – vom 8. Januar bis 20. August. "Die weiteren Termine sind dem Umfang des Verfahrens geschuldet", erklärte der Sprecher.
Der für Donnerstag angesetzte Prozessbeginn vor der 10. Strafkammer des Landgerichts München II ist der Höhepunkt der juristischen Aufarbeitung des Finanzskandals im Bistum Eichstätt. Verantworten müssen sich zwei Beschuldigte: der frühere Vize-Finanzdirektor des Bistums und ein US-Immobilienentwickler.
Dem ehemaligen Vize-Finanzdirektor wird laut Justizsprecher Untreue in 22 Fällen und Bestechlichkeit in 24 Fällen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. Seinem Kompagnon werden 25 Fälle der Bestechung, 24 Fälle der Anstiftung zur Untreue und darüber hinaus fünf Fälle der Untreue zur Last gelegt. Die beiden Beschuldigten saßen zwischenzeitlich in Untersuchungshaft. Gegen den US-Immobilienentwickler hat das Bistum zudem Zivilklage vor dem Landgericht Ingolstadt erhoben. Dieses Zivilverfahren ist allerdings wegen des Münchner Strafverfahrens zurzeit ausgesetzt.
Riskante Anlage von 60 Millionen Dollar
Im Finanzskandal des Bistums Eichstätt geht es um Investitionen aus Eichstätter Bistumsvermögen in US-Immobilienprojekte in den Jahren 2014 bis 2016. Dabei waren Rücklagen in Höhe von fast 60 Millionen US-Dollar hochriskant angelegt worden. Der inzwischen emeritierte Bischof Hanke machte den Skandal Anfang 2018 publik.
Im Sommer zuvor hatte Hanke externe Wirtschaftsprüfer und Anwälte eingeschaltet und Anzeige erstattet. Zeitweilig befand sich auch der seit Pfingsten 2025 im Ruhestand befindliche Bischof im Visier der Ermittler; das Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft jedoch ein. Als Folge des Skandals überarbeitete die Diözese ihre Anlagerichtlinien. Heute kümmern sich externe Dienstleister um die Investments. Bisher hat das Bistum etwa die Hälfte der Investitionen zurückerlangt. (KNA)
