Der Papst macht vor, wie Synodalität geht
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Es war ein außergewöhnliches und aller Voraussicht nach zukunftsweisendes Konsistorium. Nachdem Papst Franziskus im Vorfeld der familienpastoralen Synoden über deren Thema unter den Kardinälen diskutieren ließ, ohne dass sich ein Konsens abzeichnete, hatte er danach die Lust an diesem Veranstaltungsformat verloren. Im folgenden Jahrzehnt kamen die Kardinäle vor allem zusammen, wenn weitere kreiert, das heißt der Kreis ergänzt wurde. Wie langweilig. Jetzt Papst Leo. Er hatte vergangene Woche in den Vatikan geladen, um das Kardinalskollegium wirklich auch als seinen Beraterstab zu nutzen.
Schon der Blick auf die Agenda war bemerkenswert. Der Papst hat erstens vier Themen vorgeschlagen, von denen zwei per Abstimmung zur Behandlung ausgesucht werden sollten. Mindestens so bedeutsam war das Ergebnis. Die Kardinäle haben sich sowohl gegen das Rückwärtsgewandte (Wie beim Thema Liturgie etwa mit dem Alten Ritus umgehen?) als auch die Selbstbespiegelung der Verwaltung (Ist die Kurienreform gelungen?) entschieden. Sie wollten am Anfang des Jahres 2026 mit beiden Themen der Versammlung nach vorne gehen.
Zum einen stand im Vordergrund, wie es der katholischen Kirche in Zukunft besser gelingen wird, die Menschen mit dem Evangelium in Berührung zu bringen: sowohl in den eigenen Reihen als auch außerhalb, dabei maßgeblich auch mit Blick auf die jüngeren Generationen. Wer wollte angesichts der Situation nicht nur in Europa, sondern auch in vielen anderen Ortskirchen weltweit, dagegen sein?
Im Mittelpunkt stand zum anderen, wie das von Franziskus gesetzte Thema Synodalität und die größere Partizipation aller Gläubigen auch zu diesem Zweck jetzt auf allen Ebenen der Weltkirche konsequent weiterverfolgt wird. Der Clou dabei: Mit der Anlage der Tagesordnung hat der Papst vorgemacht, wie es geht. Und seinen Willen bekräftigt, ganz in der Spur seines Vorgängers weiterzugehen – angesichts seines bisher so ausgleichenden Kurses möglicherweise auch effektiver.
Der Autor
Dr. Stefan Orth ist Chefredakteur der "Herder Korrespondenz".
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Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
