Nikola Eterovic – ein Nuntius zwischen Vatikan und Synodalem Weg
Wenn in Medien und sozialen Netzwerken in den zurückliegenden Jahren die Sprache auf Erzbischof Nikola Eterovic kam, konnte es mitunter passieren, dass einem der Name "Mr. Bean" begegnete. Diesen Spitznamen gaben etwa die "Berliner Morgenpost" oder einzelne User dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, weil dieser eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Rowan Atkinson und dessen Alter Ego Mr. Bean aufweist. Damit allerdings hören die Gemeinsamkeiten zwischen dem kroatischen Geistlichen und dem britischen Komiker wohl auch schon wieder auf. Man könnte auch formulieren: Mit Eterovic, der an diesem Dienstag 75 Jahre alt wird und seit 2013 als Nuntius in Deutschland amtiert, war es in den vergangenen Jahren selten so lustig wie einst mit den Sketchen von Mr. Bean.
Das aber lag nicht allein an dem meist ernst dreinblickenden Eterovic – auch die katholische Kirche in Deutschland und die kirchenpolitischen Umstände machten es dem Vertreter des Heiligen Stuhls selten leicht. Als der Kirchendiplomat vor 13 Jahren als Nachfolger des Schweizers Jean-Claude Perisset nach Deutschland kam, lagen die Aufdeckung des kirchlichen Missbrauchsskandals und der damit einhergehende dramatische Vertrauensverlust für die katholische Kirche erst drei Jahre zurück. Die Aufarbeitung der Verbrechen stand noch weitgehend am Anfang – und sollte die Amtszeit des Kroaten schließlich maßgeblich prägen.
Der Synodale Weg als nachhaltige Belastungsprobe
Zur nachhaltigen Belastungsprobe wurde dabei vor allem der 2019 als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal gestartete Synodale Weg. Mit den dort von einer Mehrheit aus Bischöfen und Laien beschlossenen Reformforderungen eckte die Kirche in Deutschland immer wieder im Vatikan an; das Verhältnis zwischen römischer Zentrale und deutscher "Filiale" trübte sich durch den Reformprozess stark ein. Mehrfach kamen aus dem Vatikan teils überdeutlich formulierte Mahnungen, es mit Forderungen wie einer Weihe von Frauen oder mehr Mitbestimmung durch Laien in der Kirche nicht zu übertreiben.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, im Gespräch mit Nuntius Eterovic.
Als Vertreter des Heiligen Stuhls verstand Eterovic sich in dieser Auseinandersetzung von Anfang an nicht als Moderator zwischen unterschiedlichen kirchlichen Lagern, sondern als Vertreter und Übermittler römischer Positionen. Vor allem den Bischöfen redete er ein ums andere Mal ins Gewissen, seine Grußworte zu Beginn der Vollversammlungen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) erinnerten meist eher an lehramtliche Stellungnahmen. Mit Blick auf die Reformforderungen verwies Eterovic immer wieder auf die geltende Glaubenslehre, das Kirchenrecht und die Autorität des Papstes. Dabei wiederholte er seine Argumente ebenso beharrlich wie kompromisslos – ein Stil, der mit der Zeit bei Teilen des Episkopats für deutlichen Verdruss sorgte und das ein oder andere Zerwürfnis provozierte.
Etwa bei der Frühjahrs-Vollversammlung 2023 in Dresden: Nachdem der Nuntius in seinem Grußwort vor den versammelten Bischöfen wieder einmal dargelegt hatte, warum Papst Franziskus (2013-2025) eine Weihe von Frauen zu Priesterinnen nicht für möglich halte, widersprach der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing dem Kroaten ungewöhnlich scharf. Es sei phasenweise kaum erträglich gewesen, dem Nuntius zuzuhören, so Bätzing – ein Vorfall, der das belastete Verhältnis zwischen einem Teil der Bischöfe und dem vatikanischen Gesandten unmissverständlich sichtbar machte.
Streit um Brief der Glaubenskongregation
Dies war allerdings nicht der erste Konflikt: Bereits bei der Herbst-Vollversammlung 2020 in Fulda war es wegen eines von Eterovic übermittelten Briefes der vatikanischen Glaubenskongregation an den erst wenige Monate zuvor zum DBK-Vorsitzenden gewählten Bätzing zu einem heftigen Streit gekommen. In dem Schreiben erteilte der Vatikan einer für den Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) 2021 in Frankfurt am Main geplanten gegenseitigen Einladung von Katholiken und Protestanten zu Abendmahl und Eucharistie eine klare Absage. Das Problem: Eterovic übermittelte den Brief nicht nur an Bätzing, sondern direkt an alle deutschen Bischöfe. Das konnte durchaus als Affront gegen den DBK-Vorsitzenden verstanden werden, der selbst Gastgeber des ÖKT und zu dieser Zeit auch Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen war, der die gegenseitige Mahleinladung empfohlen hatte.
„Darf ich Ihnen rückmelden, dass ich dies als einen ungebührlichen Vorgang empfinde.“
Bätzing stellte den Nuntius daraufhin öffentlich zur Rede – ein bis dahin einzigartiger Vorgang. "Darf ich Ihnen rückmelden, dass ich dies als einen ungebührlichen Vorgang empfinde", schrieb der DBK-Vorsitzende in einem Antwortbrief an Eterovic. Und weiter: "Der Präfekt der Glaubenskongregation schreibt mich an, und die Nuntiatur versendet das Schreiben an alle Bischöfe. Herr Nuntius, Sie sehen mich über diesen Vorgang sehr verärgert."
Ein Teil des Problems: Eterovic tat all die Jahre wenig, um öffentlich für mehr Verständnis für die vatikanischen Bedenken gegenüber den deutschen Reformbestrebungen zu werben. Bei Begegnungen wirkt der Apostolische Nuntius meist distanziert und schwer zugänglich. Interviews gibt er kaum, auf Anfragen von Journalisten oder katholischen Laien wie etwa Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) reagiert er selten oder gar nicht. Für das katholische "Fußvolk" in Deutschland ist Eterovic all die Jahre ein Mann maximal knapper Worte geblieben.
Wohl vielen Katholiken in Erinnerung geblieben ist in diesem Zusammenhang die Kritik der damaligen ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann. 2021 warf sie Eterovic stellvertretend für den Vatikan mangelnde Dialogbereitschaft über den Synodalen Weg vor. Vertreter des Reformprozesses hätten mehrfach um ein Gespräch mit Papst Franziskus oder Vertretern seiner Kurie gebeten, klagte Kortmann. "Das ist bisher nie aufgegriffen worden. Der Nuntius sitzt bei uns bei den Synodalversammlungen hörend dabei, gibt keine Wortmeldung ab. Ein dialogisches Prinzip ist etwas anderes."
Die Apostolische Nuntiatur in Berlin, seit 2013 der Dienstsitz Eterovics.
Dass Eterovic nun bereits seit 13 Jahren – und damit länger als die meisten seiner Vorgänger – als Nuntius in Deutschland wirkt, legt nahe, dass man in der römischen Kurie mit seiner Amtsführung sehr zufrieden ist. Das ist allerdings auch kein Wunder, schließlich galt der Kroate schon vor seinem Amtsantritt in Deutschland als einer der erfahrensten Diplomaten der Kurie. Er ist ein ausgewiesenes Sprachtalent und international hervorragend vernetzt. Vor seiner Zeit in der Bundesrepublik war er unter anderem Apostolischer Nuntius in der Ukraine, wo er sich auf politisch wie ökumenisch heiklem Terrain bewegte. Von 2004 an wirkte er dann als Generalsekretär der Weltbischofssynode und koordinierte in dieser Funktion zentrale Bischofsversammlungen, darunter die Ordentlichen Synoden zur Eucharistie (2005), zur Bedeutung der Bibel für das kirchliche Leben (2008) und zur Neuevangelisierung (2012) sowie die beiden Sondersynoden für Afrika (2009) und den Nahen Osten (2010).
Eterovics Amtszeit dürfte vor dem Ende stehen
Diese biografische Erfahrung prägte wohl auch Eterovics Wirken in Deutschland. Zwar war er kein Neuling im Umgang mit synodalen Reformdebatten, er blieb aber immer ein Vertreter klarer lehramtlicher Grenzen. Aus römischer Sicht dürfte gerade diese Kombination aus Erfahrung, Loyalität und Durchsetzungsvermögen ausschlaggebend gewesen sein, ihn über so viele Jahre hinweg als Nuntius in Deutschland zu halten.
Nun aber dürfte Eterovics Zeit in Deutschland vor ihrem Ende stehen, denn ebenso wie etwa Diözesanbischöfe sind auch Apostolische Nuntien gehalten, dem Papst mit Vollendung ihres 75. Lebensjahres ihren Rücktritt anzubieten. Ein Zeichen in dieser Richtung könnte Eterovics Audienz am vergangenen Samstag bei Papst Leo XIV. sein, die Beobachter als Abschiedsbesuch des Diplomaten bei seinem Chef deuteten. Was wiederum gegen einen allzu schnellen Abgang des Nuntius sprechen könnte, sind die derzeit noch laufenden Verfahren zur Besetzung der Bischofsstühle in Eichstätt und Münster. Möglicherweise lässt der Papst Eterovic diese Besetzungsverfahren noch abschließen, damit sich dessen Nachfolger nicht erst ganz neu damit befassen muss.
Die in den Startlöchern stehende Synodalkonferenz – als Nachfolgegremium des Synodalen Wegs – dürfte für den künftigen Nuntius eine diplomatische Herausforderung ersten Ranges werden.
Dennoch: Mit Eterovics über kurz oder lang bevorstehenden Abschied stellt sich auch die Frage nach der Zukunft. Die Aufgaben und Herausforderungen für seinen Nachfolgers dürften kaum geringer werden. Im Gegenteil: Mit der geplanten Synodalkonferenz, deren konstituierende Sitzung im November stattfinden soll, betritt die Kirche in Deutschland institutionell Neuland.
Die Synodalkonferenz als diplomatische Herausforderung ersten Ranges
In dem auf Dauer angelegten synodalen Gremium sollen Bischöfe und Laien künftig Stellung zu wesentlichen Entwicklungen in Staat, Gesellschaft und Kirche nehmen sowie gemeinsame Beschlüsse zu Fragen von bundesweiter Bedeutung fassen. Außerdem soll das Gremium ein Mitspracherecht bei Finanz- und Haushaltsangelegenheiten erhalten, "die nicht auf diözesaner Ebene entschieden werden". Der Vatikan betrachtet dieses Projekt nach der Vorgeschichte des Synodalen Wegs noch immer mit Argwohn – für den künftigen Nuntius dürfte es deshalb eine diplomatische Herausforderung ersten Ranges werden.
Er wird zwischen Rom und der Kirche in Deutschland vermitteln müssen, ohne bestehende Gräben weiter zu vertiefen. Gefragt sein wird ein feines Gespür für kirchliche Dynamiken, für Machtfragen und für die Grenzen synodaler Prozesse aus Sicht des Heiligen Stuhls. Erzbischof Nikola Eterovic hat diese Aufgabe auf seine Weise erfüllt: streng, unbeirrbar und loyal gegenüber der Kurie. Ob sein Nachfolger einen anderen Ton anschlägt, könnte entscheidend dafür sein, ob sich das Verhältnis zwischen der Kirche in Deutschland und dem Vatikan in den kommenden Jahren wieder entspannt – oder weiter verhärtet.
