Es lohnt sich, sich auf andere einzulassen
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"Bevor es jemand anders schlecht macht, mache ich es lieber selbst!" Ich muss gestehen: Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich diesen Satz denke. Das passiert mir zum Beispiel zu Hause beim Aufräumen in meiner Wohnung oder beim Organisieren eines Ausflugs mit Freundinnen. Aber auch auf der Arbeit ertappe ich mich manchmal dabei, dass ich etwas noch schnell übernehme, damit es so gemacht ist, wie ich mir das vorstelle.
Das heutige Evangelium erzählt von Johannes, dem Täufer. Er war wohl ein charismatischer Typ. Er begeisterte sehr viele Menschen und wirkt, als habe er selbst ziemlich viel geleistet: Ergreifende Predigten, großer Zulauf bei seinen Taufen und eine große Disziplin in den Dingen, die er predigt und wie er handelt.
Ich muss schmunzeln und an meinen Grundsatz denken: "Bevor es jemand anders schlecht macht, mache ich es lieber selbst". Ich frage mich, ob jemand wie Johannes, der Täufer wohl so gedacht haben könnte. Vielleicht wäre es ein berechtigter Gedanke gewesen. Er war schließlich erfolgreich in dem, was er tat.
Manchmal klappt es einfach nicht
Bei mir hat sich dieser Grundsatz oft bewährt. Aber manchmal falle ich damit auf die Nase. Dann passiert es mir, dass meine Tage einfach zu voll sind und ich nicht hinterher komme mit den vielen Dingen, die ich lieber selbst erledigen wollte. Dann steht die Spülmaschine immer noch unausgeräumt in der Küche. Dann ist der Ausflug mit meinen Freundinnen noch immer nicht geplant. Und dann gebe ich den Text für die Arbeit erst kurz vor knapp spät abends ab.
Das heutige Evangelium zeigt mir: Johannes scheint einen ganz anderen Grundsatz zu verfolgen. Er weiß, dass er nicht alles selbst kann. Dass es scheinbar immer jemand anderen gibt, der etwas besser kann, der größer ist als er selbst. Und bei allem Erfolg und Zulauf ist Johannes demütig, zeigt auf Jesus und sagt: "Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war."
Wenn ich mich auf andere verlasse, kann ich die Erfahrung machen: Es funktioniert und es ist nicht zwangsläufig schlechter. Manchmal ist es anders, als wenn ich es selbst gemacht hätte, vielleicht sogar überraschend gut. Johannes, der Täufer erinnert mich daran: Es lohnt sich, sich auf andere einzulassen und mich nicht nur auf mich selbst zu verlassen. Sondern auch auf andere Menschen, erst recht auf Gott selbst. Und ich bin nicht die Größte. Das ist manchmal nicht nur entlastend, sondern auch bereichernd.
Evangelium nach Johannes (Joh 1, 29–34)
In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird.
Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.
Die Autorin
Luisa Maurer arbeitet als Pastoralreferentin im Bistum Trier und ist Rundfunkbeauftragte des Bistums für den Saarländischen Rundfunk und das Deutschlandradio.
Ausgelegt!
Als Vorbereitung auf die Sonntagsmesse oder als anschließender Impuls: Unser Format "Ausgelegt!" versorgt Sie mit dem jeweiligen Evangelium und Denkanstößen von ausgewählten Theologen.
