Bischof Bätzing geht – die Konflikte bleiben

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Die Nachricht kam überraschend: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, verzichtet auf eine zweite Amtszeit. Doch dieser Schritt ist mehr als eine Personalentscheidung. Er markiert das Ende einer Amtszeit, die von Beginn an unter außergewöhnlichem Druck stand.
Als Bätzing 2020 die Nachfolge von Reinhard Marx antrat, befand sich die Kirche in Deutschland bereits in einer tiefen Vertrauenskrise. Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, rapide Mitgliederverluste und große Reformhoffnungen prägten die Lage. Besonders bestimmend wurde der vielbeachtete Synodale Weg. Dass dieser Reformprozess trotz massiver Widerstände und Vorbehalte aus dem Vatikan nun in Stuttgart zu Ende geführt wird, ist auch Bätzings Beharrlichkeit zuzuschreiben. Er sorgte dafür, dass Konflikte nicht vertagt, sondern offen ausgetragen wurden.
Ein Risiko, das er einging und für das er mehrfach einstecken musste. Vor allem wegen des aus Sicht mancher Kritiker zu engen Schulterschlusses mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Dadurch, so der Vorwurf, habe er seine Rolle als Moderator geschwächt und sei nicht mehr als ausgleichende Stimme wahrgenommen worden. Auch im Vatikan schien dieser Kurs kritisch betrachtet worden zu sein. Doch wie glaubwürdig wäre jemand, der Dialog betont und von Macht- und Verantwortungsteilung spricht, am Ende doch nur im bischöflichen Alleingang weitermacht wie bisher?
Gleichzeitig reichten die Auseinandersetzungen bis nach Rom und führten zu gemeinsamen Treffen und Gesprächen mit der Römischen Kurie. Sichtbar wurde dabei auch, dass konstruktives Ringen möglich ist und der Mut zu offener Diskussion vorhanden sein kann. Und doch fehlte Bätzing gerade dort offenbar Rückhalt und eine stärkere Vernetzung. Kritische Mitbrüder wie Rudolf Voderholzer, Stefan Oster oder Rainer Maria Woelki galten in Rom als besser angebunden als der Vorsitzende selbst.
Nun der Rückzug Bätzings, gut einen Monat vor der Vollversammlung vom 23. bis 26. Februar in Würzburg. Er wirkt nicht wie ein Schlussstrich, noch weniger wie eine Niederlage oder ein nüchternes Resümee. Vielmehr wie die bewusste Übergabe in neue, frische Kräfte. Mit dem bevorstehenden Abgang des Apostolischen Nuntius Nikola Eterović aus Berlin könnten sich zudem neue Konstellationen ergeben – und möglicherweise auch neue Wege zu mehr Rückhalt aus Rom.
Der Autor
Mario Trifunovic ist Redakteur bei katholisch.de.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.