Römische Papstkirche mit besonderer Geschichte

Legenden, Feuer, Papstporträts: Die Basilika Sankt Paul vor den Mauern

Veröffentlicht am 25.01.2026 um 11:00 Uhr – Von Matthias Altmann – Lesedauer: 

Rom ‐ Pünktlich zur Vesper an diesem Sonntag soll das Medaillon von Leo XIV. angebracht sein. Nicht nur die Papstporträt-Reihe und das Grab des Völkerapostels machen die Basilika Sankt Paul vor den Mauern zu einem besonderen Ort.

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Gut 25 Päpste noch, dann geht die Welt unter. Zumindest, wenn man einer weit verbreiteten Legende glaubt, die mit dem Gotteshaus und einer seiner bekanntesten Attraktionen verbunden ist. Über den Säulen der fünf Kirchenschiffe von Sankt Paul vor den Mauern zieht sich ein langes Band von Medaillons hin – mit den (teils erdachten) Porträts aller Päpste, von Petrus und allen seiner inzwischen 266 Nachfolgern. Wenn kein Platz mehr für ein weiteres vorhanden ist, kehrt Christus auf die Erde zurück, heißt es. Doch mit entsprechenden Maßnahmen lässt sich die Apokalypse immer wieder verschieben. Zuletzt wurden unter Papst Johannes Paul II. (1978–2005) neue Plätze geschaffen.

Wer Rom besucht, bewegt sich meist im "Dreieck" von Petersdom, Lateran und Santa Maria Maggiore. Sankt Paul, die vierte große Papstbasilika, liegt etwas abseits davon: vom Zentrum weit den Tiber hinunter, an der Via Ostiense – fuori le mura, also außerhalb der Stadtgrenzen des antiken Rom. Die zweitgrößte Kirche Roms ist ein Ort voller Geschichten, tiefen Glaubens – und einer großen Katastrophe.

Einzig intakte antike Großkirche

Errichtet wurde Sankt Paul vor den Mauern im vierten Jahrhundert an der seit jeher von Christen hochverehrten Stelle, an der der Apostelfürst Paulus nach seiner Enthauptung im Jahr 67 begraben wurde. Schon bald wurde der Bau jedoch zu klein. Ende des 4. Jahrhunderts entstand eine monumentale fünfschiffige Basilika, die zu den größten Kirchen der damaligen Welt zählte. Ihre Dimensionen waren für damalige Verhältnisse beeindruckend – und machten sie zugleich anfällig.

Über Jahrhunderte hinweg änderte sich nicht viel an der Grundgestalt der Kirche. Bis ins 19. Jahrhundert galt Sankt Paul vor den Mauern als die einzige noch intakte Großkirche aus dem antiken Rom. Doch ein unaufmerksamer Klempner, der am 15. Juli 1823 bei Lötarbeiten am Dach ein Feuer unbeaufsichtigt ließ, sorgte für das große Verhängnis: Das Feuer griff auf das Gebäude über. Zeitzeugen berichteten von einstürzenden Dachbalken und einem Flammenmeer, das weithin sichtbar war. Innerhalb weniger Stunden wurde fast die gesamte Kirche zerstört.

Sankt Paul vor den Mauern nach dem Brand
Bild: ©Luigi Rossini/Gemeinfrei/wikimedia.org (Archivbild)

Ein Holzschnitt zeigt die Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom nach dem verheerenden Brand 1823.

Gerade der kunstgeschichtliche Schaden war immens. Durch die Hitze barsten Granitsäulen im Innern, Marmor zerfiel zu Kalkstaub. Dem schwerkranken Papst Pius VII. enthielt man die Nachricht vor; er starb fünf Wochen später. Der Wiederaufbau begann 1826 mit Hilfe von Spenden aus der ganzen Welt und orientierte sich am zerstörten Vorgänger. 1854 weihte Pius IX. den Hauptbau, sechs Jahre später stand der Kirchturm wieder.

Heute betritt man Sankt Paul durch einen vierseitigen Säulenvorhof, in dessen Mitte Paulus mit dem Schwert auf einem Sockel steht. Der Fassade ist eine weitere Säulenhalle vorgestellt, hinter der sich in Nischen die beiden Apostel Petrus und Paulus befinden. Der langgezogene Innenraum beeindruckt durch seine Ausmaße. Die Tiefenwirkung des 131 Meter langen, 65 Meter breiten und 29 Meter hohen Innenraums wird durch die 80 monolithischen Marmorsäulen noch zusätzlich gesteigert. Einige ursprüngliche Teile haben die Brandkatastrophe überlebt, etwa der große Triumphbogen, der Mittelschiff von Querschiff abtrennt und dessen Mosaike einen segnenden Christus, die Symbole der Evangelisten und die 24 Ältesten der Apokalypse zeigen.

Erkenntnisse zum Grab

Zu den kostbarsten Meisterwerken der Kirche gehört ein 5,60 Meter hoher Osterleuchter in Form eines Lebensbaums vom Ende des 12. Jahrhunderts und das Holzkruzifix mit dem gemarterten Heiland, der um das Jahr 1300 entstanden ist. Der Prototyp für alle folgenden Schmerzensmänner befindet sich in der Sakramentskapelle links.

Lange Zeit war das Paulusgrab eine Frage des Glaubens. Erst moderne Archäologie brachte zusätzliche Gewissheit. An der Basis des Hauptaltars, wo das Grab seit etwa 1.600 Jahren verehrt wird, entdeckte man 2006 bei Sanierungsarbeiten einen antiken Sarkophag mit der Inschrift "Pavlo Apostolo Mart" – Paulus, Apostel und Märtyrer. Dieser wurde untersucht – 2009 sprach Papst Benedikt XVI. (2005–2013) von einer wahrscheinlichen Bestätigung, "dass es sich um die sterblichen Überreste des Apostels Paulus handelt". Seitdem kann man vor dem Altar zum Sarkophag hinabsteigen und am Apostelgrab beten.

Die Basilika wird seit dem 10. Jahrhundert von Benediktinern betreut, die in einem Anbau ihr Kloster haben. Noch heute prägen sie das geistliche Leben des Ortes. Trotz ihrer Größe wirkt die Kirche oft erstaunlich ruhig – besonders im Kreuzgang des Klosters, einem Meisterwerk romanischer Kunst mit filigranen Säulen.

Mosaike mit Darstellung der Päpste
Bild: ©KNA/Paolo Galosi/Romano Siciliani (Archivbild)

Neben dem von Papst Franziskus (2013–2025) soll in diesen Tagen endlich das Medaillon von Leo XIV. zu sehen sein.

Darüber hinaus ist Sankt Paul vor den Mauern zu einem wichtigen Ort der Ökumene geworden. Am oder um das Hochfest der Bekehrung des Apostels Paulus am 25. Januar endet hier die Gebetswoche für die Einheit der Christen – mit einer ökumenischen Vesper, die der Papst gemeinsam mit hochrangigem Vertreten anderer Konfessionen feiert.

Stichwort Ökumene. Neuerdings hat die Basilika einen besonderen Schutzherrn: den britischen König Charles III, seines Zeichens weltliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Dieser wurde im Oktober 2025 zum "Königlichen Konfrater" der Benediktinerabtei von Sankt Paul vor den Mauern ernannt. Ein weiteres Zeichen der Annäherung zwischen katholischer und englischer Kirche, die einst dort begann: 1966 hatten Papst Paul VI. und der damalige Erzbischof von Canterbury, Michael Ramsey, in der Basilika eine Gemeinsame Erklärung unterzeichnet, wonach zum ersten Mal seit der Reformation ein formeller Dialog zwischen Anglikanern und Katholiken aufgenommen werden soll. Der Titel des "Royal Confrater" soll den seitdem gegangenen Weg der Konfessionen bezeugen und als Geste der Gastfreundschaft verstanden werden.

Monumentale Stille

Sankt Paul vor den Mauern gilt im Vergleich zu den anderen Papstbasiliken nicht als großer Touristenmagnet in Rom. Das Gotteshaus erfordert Zeit, Aufmerksamkeit und ein gewisses Innehalten. Vielleicht liegt genau darin ihre Besonderheit: Trotz ihrer Monumentalität erzählt sie still ihre Geschichten – von Zerstörung und Hoffnung, von Legenden und Forschung, von weltkirchlicher Weite und monastischer Stille.

Doch zurück zu den Papstmedaillons: Inzwischen hat auch Leo XIV. eins – pünktlich zur ökumenischen Vesper zum Gedenktag der Bekehrung des heiligen Paulus. Er ist zwar schon fast ein Dreivierteljahr Papst, doch nun kann seine Amtseinführung endgültig als abgeschlossen angesehen werden.

Von Matthias Altmann