Über Jahrhunderte Bollwerk des Katholizismus

Studie: Immer weniger bekennende Katholiken in Lateinamerika

Veröffentlicht am 23.01.2026 um 09:29 Uhr – Lesedauer: 

Washington ‐ Lateinamerika galt über Jahrhunderte als Bollwerk des katholischen Glaubens. Doch damit scheint es vorbei. In einigen Ländern wie Brasilien oder Chile bezeichnen sich nur noch weniger als die Hälfte als Katholiken.

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Der Anteil der Katholiken in Lateinamerika ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft – auch wenn der Glaube an Gott in der Region weit verbreitet bleibt. Das geht aus einer Studie des US-Forschungsinstituts Pew Research Center in Washington (Mittwoch Ortszeit) hervor. Grundlage sind Befragungen aus dem Frühjahr 2024 unter mehr als 6.200 Erwachsenen in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru.

Trotz des Rückgangs bleibt der Katholizismus die größte Religionsgemeinschaft in Lateinamerika. In den sechs untersuchten Ländern bezeichnen sich zwischen 46 (Brasilien, Chile) und 67 (Mexiko, Peru) Prozent der Bevölkerung als katholisch. Nach Angaben von Pew ist der katholische Bevölkerungsanteil jedoch in allen Ländern binnen eines Jahrzehnts um mindestens neun Prozentpunkte gesunken. Besonders stark fiel der Rückgang in Kolumbien aus, wo der Anteil von 79 Prozent in den Jahren 2013/14 auf 60 Prozent im Jahr 2024 zurückging. Auch in Chile, Brasilien und Mexiko verzeichnete Pew zweistellige Verluste. In Argentinien sank der Anteil von 71 auf 58 Prozent.

Mehr Atheisten und Agnostiker

Parallel dazu ist der Anteil religiös nicht gebundener Menschen deutlich gestiegen. Diese Gruppe, die Atheisten, Agnostiker und Personen ohne religiöse Zugehörigkeit umfasst, macht inzwischen je nach Land zwischen 12 und 33 Prozent der Bevölkerung aus. Pew führt die Entwicklung vor allem auf religiöse Abwanderung zurück: In allen sechs Ländern hätten rund zwei von zehn Erwachsenen der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Ein Teil wechselte zu protestantischen Kirchen; ein größerer Teil bezeichnet sich heute als konfessionslos.

Der Protestantismus blieb laut Studie insgesamt relativ stabil. Brasilien weist mit 29 Prozent den höchsten protestantischen Bevölkerungsanteil auf, gefolgt von Chile, Peru, Argentinien und Kolumbien. Pfingstkirchliche Strömungen sind weiter stark vertreten, ihr Anteil innerhalb des Protestantismus ging jedoch zugunsten anderer protestantischer Richtungen leicht zurück. In mehreren Ländern, darunter Argentinien, Chile, Kolumbien und Mexiko, gibt es mittlerweile mehr konfessionslose Menschen als Protestanten.

Ungeachtet dieser Verschiebungen bleibt die Religiosität in Lateinamerika hoch. Rund neun von zehn Befragten gaben an, an Gott zu glauben; auch unter religiös Ungebundenen bekannte sich eine Mehrheit dazu. In Brasilien, Kolumbien, Mexiko und Peru erklärten jeweils mindestens die Hälfte der Befragten, dass Religion für ihr Leben "sehr wichtig" sei. (KNA)