Burger: Unterstützen Seligsprechungsverfahren für Alfred Delp
Das Erzbistum Freiburg steht hinter der geplanten Seligsprechung des von den Nationalsozialisten ermordeten Jesuitenpaters Alfred Delp (1907–1945). "Die Eröffnung des Verfahrens freut uns sehr. Er ist ein Sohn unserer Erzdiözese", sagte Erzbischof Stephan Burger am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Delps Mahnruf 'Brot ist wichtig, die Freiheit ist wichtiger, am wichtigsten aber die ungebrochene Treue' ist heute aktueller denn je", betonte Burger. Weil aktuell Demokratie und Menschenwürde wieder herausgefordert seien, "brauchen wir Fürsprecher wie ihn, die aus einer tiefen inneren Freiheit heraus dem Unrecht widerstehen".
Die Leitung und Koordination des Seligsprechungsverfahrens liegen in München, wo Delp lange lebte. Freiburg will die nun eingesetzte kirchenhistorische Kommission unterstützen – etwa durch die Weitergabe von Dokumenten aus kirchlichen Archiven. Die Wurzeln Delps seien im Badischen: Delp habe prägende Jahre an der Jesuitenschule Kolleg Sankt Blasien im Schwarzwald verbracht, betonte Burger. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass das Seligsprechungsverfahren an Delps Todestag, am 2. Februar, in München offiziell eröffnet wird. Die Nazis hatten den Jesuiten nach einem Schauprozess wegen Widerstands gegen den Staat 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Vatikan wird entscheiden
Die Seligsprechung in der katholischen Kirche ist eine feierliche Erklärung über einen Verstorbenen und dessen Nähe zu Gott. Selige dürfen dann offiziell als Fürsprecher verehrt werden. Der meist mehrjährige Prozess beginnt in der Heimat der Person, die seliggesprochen wird. Historiker und Theologen stellen eine umfassende Akte zusammen. Die Entscheidung über die Seligsprechung liegt dann im Vatikan.
Delp wurde 1907 in Mannheim geboren und trat 1926 dem Jesuitenorden bei. Bis zu deren Verbot durch die Nationalsozialisten 1941 war er Redakteur bei der bis heute existierenden Ordenszeitschrift "Stimmen der Zeit". Im Frühjahr 1942 nahm er Kontakt zur Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke auf. Nach dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Delp als Mitverschwörer verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt. Vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, wurde Delp in der Hinrichtungsstätte Plötzensee gehängt und seine Asche verstreut.
"Für die Nationalsozialisten war Alfred Delps christliche Überzeugung von der Freiheit und Würde aller Menschen eine solche Bedrohung, dass sie ihn gefangen genommen, gedemütigt und schließlich hingerichtet haben", erklärte Kardinal Reinhard Marx. Er wird am 2. Februar in der Münchner Frauenkirche das Seligsprechungsverfahren offiziell eröffnen. "Wir beginnen sein Seligsprechungsverfahren in dem Bewusstsein, dass auch heute die Stimmen wieder lauter werden, die in der Unterdrückung anderer Menschen ein Zeichen von Stärke sehen. Ihnen stellen wir uns entgegen: Nicht Gewalt, Hass und Nationalismus machen eine Gesellschaft stark, sondern Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit." (KNA)
