42-Jähriger ist neuer Berliner Hochschulseelsorger

Pater Felix – ein Augustiner zwischen Studierenden und Papst

Veröffentlicht am 18.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 

Berlin ‐ Neuer Hochschulseelsorger in Berlin, Augustiner und Ordensbruder des Papstes: Pater Felix Meckl spricht im katholisch.de-Interview über Kirche in der "atheistischen" Hauptstadt, die Nöte Studierender – und Leo XIV.

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Seit Dezember ist Pater Felix Meckl OSA Hochschulseelsorger der Katholischen Studierendengemeinde (KSG) Berlin. Der 42-jährige Augustinerpater kam aus München, kennt die Hauptstadt aber bereits aus früheren Jahren. Im Interview spricht er über seinen Wechsel nach Berlin, die Situation der Kirche in einer säkularen Großstadt, die Herausforderungen der Hochschulseelsorge – und über seinen berühmten Ordensbruder Papst Leo XIV.

Frage: Pater Felix, seit Dezember sind Sie Hochschulseelsorger der KSG Berlin. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Pater Felix: Nach zehn Jahren in München stand für mich persönlich eine Veränderung an. Ich war in einer Suchbewegung, es gab verschiedene Möglichkeiten. Ein Freund aus Berlin schickte mir verschiedene Stellenausschreibungen, darunter auch die für die Hochschulseelsorge. Ich habe das zunächst nicht weiterverfolgt, fand die Ausschreibung aber attraktiv – vor allem, weil es um die Arbeit mit jungen Menschen geht. In der Wallfahrtsseelsorge hatte ich zuletzt eher mit Seniorengruppen zu tun. Ich habe mir gedacht: Jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich vielleicht noch einmal bewusst mit jüngeren Menschen arbeiten kann. Das wollte ich nutzen.

Frage: Sie sagen es: Sie waren die vergangenen Jahre in München tätig, genauer gesagt als Wallfahrtskurat im Augustinerkloster Maria Eich vor den Toren Münchens. Von dort sind Sie nun nach Berlin gekommen – einer Stadt, die gelegentlich als "Hauptstadt der Atheisten" bezeichnet wird. Wie groß war der Kulturschock für Sie?

Pater Felix: Dieses Bild von Berlin, das Sie beschreiben, teile ich nicht. Im Gegenteil: Ich erlebe hier ein sehr engagiertes, lebendiges Christentum. Die Kirche in Berlin ist weniger von einer Versorgungsmentalität geprägt wie in manchen süddeutschen Regionen; sie versteht sich stärker als Bewegung, die nicht in einem "das war schon immer so" erstickt. Gerade durch den Pastoralen Prozess "Wo Glaube Raum gewinnt", der in den vergangenen Jahren im Erzbistum Berlin durchgeführt wurde und mit der Frage verbunden war, wie Kirche ihren Auftrag auch in Zukunft noch erfüllen kann, wurde viel Energie gehoben. Wenn ich mir etwa die Gemeinde St. Rita anschaue, in der unser Berliner Kloster liegt: die floriert! Da übernehmen Menschen Verantwortung, fühlen sich ernstgenommen, entdecken ihre Charismen und bringen sich ganz anders ein. Für mich war Berlin deshalb überhaupt kein Kulturschock.

Frage: Wie haben Sie Ihre ersten Wochen als Hochschulseelsorger erlebt?

Pater Felix: Mein offizieller Dienstbeginn war der 1. Dezember. Die Amtseinführung hat aber erst Anfang Januar stattgefunden, weil noch ein paar Formalitäten geklärt werden mussten. Unter anderem wollte mich Erzbischof Koch erst noch sprechen, bevor er offiziell grünes Licht für meine Berufung gab. Trotzdem ging alles relativ schnell – sowohl die Besetzung der Stelle als auch für mich persönlich der Umzug von München nach Berlin. Ich habe hier eine sehr offene Aufnahme erlebt. Bei den Studierenden und im Team war die Freude groß, dass so rasch wieder ein Seelsorger da ist. Das hat mir das Ankommen deutlich erleichtert.

„Berlin ist ein Sonderfall: Wir haben hier 42 Hochschulen, die über die ganze Stadt verteilt sind. Es gibt also nicht den einen Campus, an dem man Studierende einfach erreicht.“

—  Zitat: Pater Felix Meckl

Frage: Sie stammen aus der Oberpfalz und waren für Ihren Orden bereits an vielen unterschiedlichen Orten tätig. Welche Stationen Ihres bisherigen Lebens- und Glaubensweges haben Sie besonders geprägt?

Pater Felix: Sehr prägend war für mich die Zeit in Italien, sowohl in Rom als auch in der Toskana. Dort habe ich die Internationalität des Augustinerordens intensiv erlebt. Daraus sind viele freundschaftliche Beziehungen zu Mitbrüdern und zu engagierten augustinischen Laien weltweit entstanden. Diese Kontakte pflege ich bis heute. Als Sekretär der europäischen Augustiner bin ich auch heute noch regelmäßig international unterwegs. Diese Perspektive ist für mich sehr wertvoll und sie passt gut zu einer Stadt wie Berlin, die selbst so multikulturell und weltoffen ist.

Frage: Berlin ist für Sie kein völlig neuer Ort: 2009/2010 waren Sie im Rahmen Ihrer Priesterausbildung bereits als Diakon in der Stadt tätig. Was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

Pater Felix: Ich habe Berlin damals sehr intensiv kennengelernt, vor allem durch meine Tätigkeit im Franziskus-Krankenhaus. Morgens um 7 Uhr hatte ich dort jeweils die Messe mit den Schwestern. Zu den Patientinnen und Patienten konnte ich danach aber noch nicht gehen, weil es dafür noch zu früh war. Also bin ich zur Zeitüberbrückung viel durch die Stadt spaziert. So habe ich Berlin zu Fuß entdeckt und sehr schätzen gelernt. Das hat mir jetzt geholfen, wieder hier anzukommen.

Frage: In der Pressemitteilung des Erzbistums, mit der Sie als Hochschulseelsorger vorgestellt wurden, haben Sie angekündigt, Räume der Begegnung schaffen zu wollen, Glaubensgespräche zu fördern und jungen Erwachsenen Orientierung in Studium und Lebensfragen zu bieten. Was heißt das konkret für den Alltag der Studierendengemeinde?

Pater Felix: Im Moment befinden wir uns als Team in einer Suchbewegung. Ich bin noch in der Einarbeitung, höre viel zu, beobachte, lerne Kooperationspartner kennen und knüpfe neue Kontakte. Berlin ist ein Sonderfall: Wir haben hier 42 Hochschulen, die über die ganze Stadt verteilt sind. Es gibt also nicht den einen Campus, an dem man Studierende einfach erreicht. Ein großes Thema für uns ist deshalb Sichtbarkeit: Viele Studierende wissen gar nicht, dass es eine katholische Hochschulgemeinde gibt. Deshalb stellt sich die Frage: Wo sind Orte, an denen wir Studierende erreichen können? Und welche Rolle spielen digitale Räume und soziale Medien? Welche Gruppen wollen wir ansprechen, und mit welchen Angeboten? Wir haben am Standort der KSG in Prenzlauer Berg Gemeindeabende mit gemeinsamem Kochen, Essen und thematischem Austausch. Gleichzeitig denke ich darüber nach, ob es nicht auch andere Orte in der Stadt braucht, an denen kirchliche Mitarbeitende für Studierende da sind.

Bild: ©katholisch.de/stz

Die Kirche St. Augustinus im Ortsteil Prenzlauer Berg ist Sitz der Katholischen Studierendengemeinde Berlin.

Frage: Viele Studierende stehen heute unter hohem Leistungs- und Entscheidungsdruck, bei internationalen Studierenden kommen sprachliche und kulturelle Herausforderungen hinzu. Mit welchen Fragen und Sorgen sind die Studierenden bislang auf Sie zugekommen?

Pater Felix: Ich erlebe diesbezüglich noch eine gewisse Schonfrist. Aber ein Thema gewinnt spürbar an Bedeutung: die Angst vor Extremismus und gesellschaftlichen Verhärtungen. Viele Studierende suchen einen Ort, an dem sie durchatmen können. Mit Blick auf die anstehende Prüfungsphase an den Hochschulen und die damit verbundenen Ängste der Studierenden werden wir als KSG im Februar in der Hedwigs-Kathedrale präsent sein. In den Prüfungswochen gestalten wir dort das mittägliche Angelusgebet mit und bieten anschließend Zeit für Gespräche und einen Segen an – und das direkt gegenüber der Humboldt-Universität. Ein ähnliches Angebot sondieren wir auch im Umfeld der Technischen Universität. Kleine, niedrigschwellige Angebote, die Studierenden in belastenden Phasen guttun sollen.

Frage: Neben der Hochschulseelsorge sind Sie auch Prior des Klosters St. Rita in Berlin-Reinickendorf. Lassen sich beide Aufgaben gut miteinander verbinden?

Pater Felix: Das ist eine Herausforderung. Als Hochschulseelsorger habe ich eine Vollzeitstelle und bin dementsprechend viel außer Haus, habe viele Abendtermine und lange Wege. Gleichzeitig versuchen wir als Gemeinschaft, gut miteinander umzugehen. Wir strukturieren unseren Alltag gerade neu, teilen Dienste auf und achten bewusst aufeinander.

Frage: Wie stellt sich die Situation des Klosters aktuell dar?

Pater Felix: Wir leben derzeit zu Dritt in der Hausgemeinschaft und stellen uns natürlich die Frage, wie wir unseren Berliner Standort in eine gute Zukunft führen können. Das Kloster und die Kirche St. Rita gehören uns als Orden; damit tragen wir Verantwortung für diesen Ort und überlegen, wie wir ihn weiterentwickeln können. Es gibt verschiedene Ideen: etwa internationale Mitbrüder nach Berlin zu holen, die hier eine Aufgabe übernehmen und damit zugleich ihre Heimatländer unterstützen könnten. Wir hatten zuletzt auch einen Diözesanpriester als Langzeitgast, der in Berlin eine kategoriale Stelle innehatte und nicht allein leben wollte. Berlin ist attraktiv, und wir erleben eine große Nachfrage nach Gastfreundschaft. Dem möchten wir weiterhin offen begegnen. All diese Überlegungen befinden sich aber noch am Anfang.

„Früher habe ich gesagt: 'Augustiner – wie das Bier.' Heute sage ich: 'Augustiner – wie der Papst.'“

—  Zitat: Pater Felix Meckl

Frage: Einen Augustinerpater kann man in diesen Zeiten nicht interviewen, ohne auf den prominentesten Augustiner unserer Zeit zu sprechen zu kommen: Papst Leo XIV. Wie blicken Sie nach gut einem dreiviertel Jahr im Amt auf ihren Ordensbruder an der Spitze der Kirche?

Pater Felix: Es ist immer noch eine Herausforderung, ihn in dieser Rolle zu sehen. Ich kenne ihn seit 23 Jahren – ihn nun als Papst zu erleben, ist bis heute ein Stück surreal. Ich finde, er macht seine Aufgabe sehr gut. In einer zerrissenen Welt erlebe ich ihn als ruhigen, bedächtigen Friedensstifter. Er positioniert sich nicht laut für die Schlagzeilen, sondern sehr subtil und wirksam – auch durch Personalentscheidungen. Ich habe lange eine kritische Haltung gegenüber Rom gehabt, und gerade deshalb nehme ich wahr, dass er anders mit der Kurie arbeitet als sein Vorgänger. Dadurch entfaltet das, was er tut, aus meiner Sicht eine größere Wirkung.

Frage: Welche Bedeutung hat Leo für Ihren Orden?

Pater Felix: Man wird sehr oft darauf angesprochen. Früher habe ich gesagt: "Augustiner – wie das Bier." Heute sage ich: "Augustiner – wie der Papst." Das Interesse an unserer Gemeinschaft ist deutlich gestiegen, gerade in den USA erleben unsere Mitbrüder eine enorme Nachfrage. Das ist eine Chance, aber auch eine Herausforderung. Wir müssen jeweils genau hinschauen, woher eine Berufung kommt. Gleichzeitig ist es eine gute Gelegenheit, unsere Spiritualität neu ins Gespräch zu bringen. Ich glaube, dass unser Ordensvater Augustinus mit seinem Suchen, Fragen und Ringen sehr viel zur heutigen Situation zu sagen hat.

Frage: Würden Sie sagen, dass man Leo anmerkt, dass er Augustiner ist?

Pater Felix: Auf jeden Fall. Er trägt unser Ordenswappen im päpstlichen Wappen, zitiert Augustinus häufig und sagt selbst, dass man auch als Papst Augustiner im Herzen bleibt. Zudem erlebe ich bei ihm eine große Weite: Er versteht Einheit nicht als Gleichförmigkeit, sondern er nimmt Vielfalt als Bereicherung wahr. Und zuletzt: Er ist sehr menschlich, bodenständig und zeigt wenig Amtsdünkel. Dieses Verständnis von Dienst und Verantwortung ist ebenfalls stark augustinisch geprägt.

Von Steffen Zimmermann