Helfer zeigen Helfer an

Goldenstein: Machtkampf und Spendenstreit bei Klosterbesetzer-Nonnen

Veröffentlicht am 28.01.2026 um 14:50 Uhr – Von Benedikt Heider (KNA) – Lesedauer: 

Salzburg ‐ Der Kampf von drei Nonnen gegen ihren kirchlichen Vorgesetzten sorgt seit Monaten für Aufsehen. Nun werden interne Streitigkeiten zwischen ihren Unterstützern offenbar. Es geht ums liebe Geld.

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Im Umfeld der drei Klosterbesetzer-Nonnen von Goldenstein laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung von Spendengeldern. Eine Salzburgerin hat laut Polizei Anzeige erstattet. Sie wirft einer Unterstützerin der Ordensfrauen Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Spenden vor. Die Polizei bestätigte entsprechende Ermittlungen.

Die Anzeigende sagt, sie sei eine "Helferin der ersten Stunde". In einem Brief, der der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, erklärt sie, die Anzeige sei ein "Hilferuf um Schutz für die drei Nonnen von Goldenstein". Ihr und weiteren Helfern seien Unregelmäßigkeiten bei Spenden für die betagten Schwestern aufgefallen. Konkret geht es um den Verdacht, dass Spendengelder nicht auf das Treuhandkonto der Nonnen eingezahlt worden seien.

Helferin weist Vorwürfe zurück

Die betroffene Helferin der Ordensfrauen wies nach Bekanntwerden der Anzeige den Vorwurf der Veruntreuung im ORF entschieden zurück. Die rund 32.000 Euro befänden sich auf dem Konto der Schwestern. Als Reaktion erklärte sie, sie sei jederzeit bereit, ihr Privatkonto offenzulegen. Zudem sei die Anzeigestellerin nie Teil des offiziellen Goldenstein-Unterstützerteams gewesen.

Auch der Rechtsberater der Ordensschwestern von Goldenstein, Wolfgang F. Rothe, hat die Vorwürfe der Veruntreuung von Spendengeldern zurückgewiesen und als "aus der Luft gegriffen" bezeichnet. In einem Interview mit der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress sprach der Münchner Kirchenrechtler am Mittwoch von "absurden" Anschuldigungen gegen Unterstützer der Nonnen. Man wolle diese offenbar gezielt in Misskredit bringen.

Gegen die Anzeigerin sowie zwei weitere Personen würden nun rechtliche Schritte geprüft. Geplant seien Unterlassungserklärungen. Er bezeichnete die Anzeige bei der Polizei, deren Ermittlungen nun laufen, als "Theaterdonner" und gezielte Kampagne gegen die Schwestern und das Helferteam, um die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen.

Der in München wirkende Priester Wolfgang Rothe bei einem Interview im Amtsgericht Köln
Bild: ©picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt (Archivbild)

Priester Wolfgang Rothe ist Rechtsberater der Nonnen.

Die Ordensfrauen werden von einer Gruppe ehemaliger Schülerinnen und Helfer versorgt und betreut. Bereits in den vergangenen Wochen waren Unstimmigkeiten innerhalb dieses Unterstützerkreises bekannt geworden. Auslöser sind unter anderem fehlende Absprachen rund um den Instagram-Account "@nonnen_goldenstein".

Streit zwischen Helfergruppen

Im österreichischen Podcast "Dunkelkammer" sagte Schwester Bernadette (88) vergangene Woche, ihr Social-Media-Helfer habe Inhalte ohne Rücksprache veröffentlicht – "er hat das einfach gemacht". Über den Account hatten zuletzt rund 280.000 Menschen das Schicksal der drei Nonnen verfolgt. Anfangs sei dort das klösterliche Leben "sehr, sehr nett und ehrlich" dargestellt worden; später sei das Projekt jedoch "ausgeufert".

Bernadette berichtete von Beiträgen mit Werbecharakter, etwa für Mineralwasser und Rosenkränze. Dazu sagte sie: "Unser Orden ist nicht für Geldmacherei zuständig." Aufgabe der Gemeinschaft sei, für Kinder da zu sein und religiöse Bildung zu vermitteln – "aber niemals Geldsachen". Hinter den Beiträgen deutete die Schwester monetäre Interessen an. Der Betreiber des Accounts wies diesen Vorwurf zurück und erklärte, er habe den Schwestern helfen wollen.

Rechtliche Schritte gegen Instagram-Account

Der Podcast-Auftritt der Ordensfrau erhellte den überraschenden Rückzug der Frauen von ihrem erfolgreichen Instagram-Account kurz vor Weihnachten. Damals distanzierten sich die Nonnen öffentlich von dem Account, der ihre Geschichte international bekannt gemacht hatte. Alle dort veröffentlichten Beiträge und Kommentare seien ihnen "weder vorab zur Kenntnis gebracht" noch im Nachhinein von ihnen abgesegnet worden. Sollte der Account weiter aktiv betrieben werden, geschehe dies ausdrücklich gegen ihren Willen, schrieben die Schwestern im Dezember.

Bild: ©Hans Hathayer / Stift Reichersberg (Archivbild)

Die drei Nonnen mit ihrem Vorgesetzten, Propst Markus Grasl.

Der Social-Media-Manager der Frauen machte weiter und deutete damals Unstimmigkeiten bei der Verwaltung von Spendengeldern an. Die Anzeigestellerin erklärt nun, kurz danach sei das beanstandete Geld auf dem Konto eingegangen.

Laut Angaben der Wiener Medienrechtlerin Maria Windhager wurde ein Abmahnschreiben an die Frau, die die Anzeige gegen die Helferin eingebracht hatte, sowie gegen den Betreiber des Instagram-Accounts geschickt, mit einer Aufforderung zur sofortigen Löschung der Seite. Erfolge dies nicht, werde man eine Klage einbringen und eine einstweilige Verfügung beantragen, so die Juristin.

Propst warnte vor Übergriffen von Helfern

Das Schicksal der Goldenstein-Nonnen, alle drei über 80 Jahre alt, sorgt seit Sommer 2025 international für Schlagzeilen. Anfang September kehrten sie gegen den Willen ihres Vorgesetzten aus einem Seniorenheim in ihr früheres Kloster zurück. Das Gebäude gehört seit 2022 zu gleichen Teilen dem Erzbistum Salzburg und dem Stift Reichersberg. Die Ordensfrauen geben an, ihnen sei ursprünglich ein lebenslanger Verbleib zugesagt worden. Nach mehreren Krankenhausaufenthalten mussten sie jedoch Ende 2023 in ein Pflegeheim übersiedeln.

Wenige Wochen zuvor hatte im November der Vorgesetzte der Nonnen, Propst Markus Grasl, nach wochenlangem Streit ein Angebot vorgelegt, das den Verbleib im Kloster "bis auf Weiteres" ermöglichen sollte. Voraussetzung waren unter anderem das Einstellen aller Social-Media-Aktivitäten und die Rückkehr zu einem zurückgezogenen Klosteralltag. Immer wieder forderte Grasl den Rückzug der Helferinnen. In einer frühen Stellungnahme warnte der Kirchenmann vor "Übergriffen Dritter".

Die Schwestern lehnten den Rückzug aus der Öffentlichkeit und die Distanzierung von ihren Helfern stets ab. Als Reaktion wandte sich Grasl an den Vatikan, um dort ein Machtwort zu erwirken. Auch die Nonnen baten daraufhin den Vatikan um die Absetzung ihres Oberen. Aus ihrem Umfeld heißt es, Rom sei sehr aktiv und bemüht, eine Lösung zu finden. Eine Entscheidung wird in nächster Zeit erwartet.

Von Benedikt Heider (KNA)