Bistum Essen muss 50 Millionen Euro einsparen
Das Bistum Essen verstärkt seinen Sparkurs deutlich. Bis 2038 soll der Haushalt dauerhaft um 50 Millionen Euro entlastet werden, teilte das Ruhrbistum am Donnerstag mit. Ziel sei es, trotz allgemeiner Kostensparungen und sinkender Kirchensteuereinnahmen auch in Zukunft weiter einen ausgeglichenen Haushalt zu erzielen und damit handlungsfähig zu bleiben. Die Einsparungen würden alle Bereiche des Bistums betreffen, kündigte Generalvikar Klaus Pfeffer an: "Es wird kein 'Wir sind nicht betroffen' geben." Betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht geplant. 2025 hatte der Bistumshaushalt ein Volumen von knapp 276 Millionen Euro. Mit gut 190 Millionen Euro sind Kirchensteuern der größte Ertragsposten, gefolgt von etwa 53 Millionen Euro an Zuwendungen, Spenden und Kostenerstattungen. Das Bistum rechnet mit weiter sinkenden Katholikenzahlen und damit zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen.
Gespart werden soll unter anderem bei den Personalkosten, beispielsweise durch die Bündelung von Aufgaben und die Optimierung von Abläufen. Bei allen freiwerdenden Stellen solle kritisch geprüft werden, ob sie noch einmal besetzt werden. Alle Zuwendungen an andere kirchliche Träger werden auf den Prüfstand gestellt – einschließlich der Höhe der Zuweisungen an die Pfarreien. Jeder neue Aufwand könne ab sofort nur noch getätigt werden, wenn er gleichzeitig an anderer Stelle kompensiert werde. "Sobald die notwendigen Sparmaßnahmen konkreter werden, werden wir so schnell wie möglich die hiervon betroffenen Gruppen, Organisationen oder Kirchenmitglieder informieren", versicherte der Generalvikar. Erste erhebliche Einsparungen sollen bereits 2027 erfolgen. "Nur so bleiben wir handlungsfähig", betonte die Diözesanökonomin Mechthild Lütke Kleimann. Es handle sich um eine dauerhafte strukturelle Unterfinanzierung, keinen lediglich vorübergehenden Engpass. Insbesondere die anstehende Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge wirke sich auf die Einnahmenentwicklung aus.
Kirche brauche "mehr als ein 'Weiter so – nur etwas kleiner'"
Bereits seit mehr als 20 Jahren setze sich das Bistum mit den gesellschaftlichen Entwicklungen und den Auswirkungen unter anderem auf die Kirchenfinanzen auseinander, erläuterte Pfeffer. Das Ruhrbistum stelle sich darum kontinuierlich darauf ein, dass die Kirche der Zukunft deutlich kleiner werde. Deshalb seien Kirchen, Gemeindeheime und andere kirchliche Immobilien aufgegeben und anderweitig genutzt und kirchliche Verwaltungsstrukturen vereinfacht worden. Ein wichtiger Beitrag sei das diözesane Entwicklungsprogramm "Christlich leben. Mittendrin", so der Generalvikar weiter. "Es geht dabei nicht mehr darum, mit ein paar Einsparungen die kirchliche Lage zu verbessern, vielmehr müssen wir unsere Kirche ganz neu, und vor allem auch anders, gestalten." Wenn es auch in zehn oder zwanzig Jahren in der Gesellschaft noch christliches Leben geben solle, dann brauchte die Kirche "mehr als ein 'Weiter so – nur etwas kleiner'".
Essens Bischof Franz-Josef Overbeck hatte in seiner Neujahrsbotschaft bereits zu einem realistischen Blick auf die Zukunft der Kirche aufgerufen. "Wir werden uns schon sehr bald einer Realität stellen müssen, von der wir vielleicht ahnten, dass sie kommen würde – die wir aber dennoch viel zu lange ausgeblendet haben", schrieb der Bischof mit Blick auf die sinkende Zahl von Kirchenmitgliedern und zurückgehende finanzielle Mittel. Es gehe darum, mit der gegebenen Realität verantwortungsvoll umzugehen und zu akzeptieren, was nicht aufzuhalten ist. "Denn nur, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind und akzeptieren, dass wir auf dem Weg sind, eine Kirche der Minderheit in einer pluralen Gesellschaft zu werden, können wir auch mutig beieinanderbleiben und uns auf das besinnen, was uns als Christinnen und Christen antreibt – und was wir auch als kleinere Gemeinschaft leben und weitergeben können", betonte Overbeck.
Das Bistum Essen ist die flächenmäßig kleinste Diözese Deutschlands. Es wurde 1958 aus Gebieten der (Erz-)Diözesen Köln, Münster und Paderborn gebildet. Seit 2005 wurde die Organisation des Bistums mehrfach verändert, um auf die Entwicklung der Katholiken- und Kirchensteuerzahlen zu reagieren. Unter anderem wurden Großpfarreien gebildet und Kirchengebäude aufgegeben. Prognosen gehen davon aus, dass 2040 nur noch 40 Priester im aktiven Dienst stehen werden. (fxn)
