Sexuelle Vielfalt an Schulen

Debatte um DBK-Papier – Bormann kritisiert Sautermeister

Veröffentlicht am 04.02.2026 um 12:39 Uhr – Lesedauer: 

Freiburg ‐ Die Diskussion über das DBK-Papier zu sexueller Vielfalt an Schulen geht weiter: Der Moraltheologe Bormann widerspricht seinem Fachkollegen Sautermeister scharf – und sieht "Transaktivismus auf katholisch".

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Der Tübinger Moraltheologe Franz-Josef Bormann hat seinem Bonner Kollegen Jochen Sautermeister in der Debatte um das Papier der Schulkommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zur sexuellen Vielfalt an Schulen scharf widersprochen. In einem bei der Zeitschrift "Communio" am Mittwoch online veröffentlichten Beitrag schreibt Bormann mit Bezug auf eine Publikation Sautermeisters: "Mit einem ebenso fragwürdigen wie verspäteten verkappten 'Transaktivismus auf katholisch' ist niemandem gedient."

Bormann sagte, "im Blick auf eine verantwortliche Gestaltung der Schulpastoral real existierende fachwissenschaftliche Kontroversen zu verleugnen und Kritiker auszugrenzen", sei keine überzeugende Strategie. Das "teilweise hochaggressive und unwissenschaftliche Vorgehen von Trans-Aktivisten" habe den berechtigten Anliegen Betroffener nach einer zielgenaueren Berücksichtigung ihrer spezifischen Bedürfnisse erheblichen Schaden zugefügt.

In der Februar-Ausgabe der "Herder Korrespondenz" hatte Sautermeister das von mehreren Bischöfen kritisierte Papier "Geschaffen, erlöst und geliebt. Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule" verteidigt. Die Sorge der Kritiker, das Dokument vermittle ein "naives Alles ist möglich, erlaubt und bejaht", sei ohne eine solche ideologische Gegenfolie kaum nachvollziehbar, so Sautermeister.

Kein breiter Konsens

Bormann bemängelte die Verwendung des Begriffs der Diskriminierung. "Es ist zwar unstrittig, dass die Achtung der Menschenwürde jegliche Diskriminierung ausschließt, doch sagt dies noch rein gar nichts darüber aus, welche konkreten Handlungsweisen überhaupt den Tatbestand der Diskriminierung erfüllen", schreibt er. Wenn man davon ausgehe, dass es sich immer dann um Diskriminierung handle, wenn sich ein "Betroffener einer bestimmten sexuellen Minderheit" diskriminiert fühle, führe das zu einer "Entwertung des Diskriminierungsvorwurfs".

Weiter kritisierte Bormann, Sautermeisters Argumentation sei "zirkulär und in entscheidenden Punkten inkonsistent". So gebe es "im Umgang mit sogenannten trans-geschlechtlichen Kindern und Jugendlichen" nicht den von Sautermeister "beschworenen 'breiten wissenschaftlichen Konsens'". Die Kontroversen innerhalb der einschlägigen medizinischen Fachgesellschaften würden in der DBK-Publikation nicht adäquat wiedergegeben. Dass Sautermeister erkläre, das könne in einer Orientierungshilfe auch nicht umfassend erfolgen, hält Bormann für widersprüchlich, angesichts dessen, dass er den Einsatz für einen sensibleren Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt als geboten darstelle.

Der Tübinger Theologe forderte eine differenziertere Betrachtung des Themas. Er kritisierte, die Orientierungshilfe der DBK empfehle Lehrkräften pauschal einen "achtsam-anerkennenden Umgang mit der Vielfalt sexueller Identitäten", der laut dem Theologen "zwar womöglich gut gemeint ist, wegen seiner Naivität und Undifferenziertheit im Einzelfall aber mehr schaden als nützen dürfte". Stattdessen wäre es aus seiner Sicht sinnvoller, Lehrer "für die Erfordernisse einer angemessenen Differenzialdiagnostik zu sensibilisieren". (KNA)