Studie zu Missbrauch bei Pfadfindern

Forscher: Sexualisierte Gewalt bei DPSG strukturelles Problem

Veröffentlicht am 05.02.2026 um 12:46 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Wie viele Kinder und Jugendliche wurden Opfer sexualisierter Gewalt bei den Pfadfindern der DPSG? Diese Antwort kann eine neue Studie nicht liefern. Ihre Ergebnisse zeigen dennoch Abgründe auf.

  • Teilen:

Ein weit verbreitetes strukturelles Problem mit sexualisierter Gewalt bescheinigen Wissenschaftler der "Deutschen Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg" (DPSG). "Tatsächlich ist der Verband durchsetzt von sexualisierter Gewalt", sagte die Leiterin des Forschungsprojekts, Sabine Maschke, bei der Vorstellung der Ergebnisse am Donnerstag in Köln. Gemeinschaft, Macht, Nähe und spiritueller Überbau öffneten den Raum für sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

Die mehrgliedrige Studie basiert laut den Angaben auf Interviews mit Betroffenen und Experten aus dem Verband, auf standardisierten Befragungen sowie Analysen von Ausschlussverfahren und anderen Dokumenten. Eine Zahl von Betroffenen nennt die Studie nicht. Sie kommt aber zu dem Ergebnis, dass Täter überwiegend männliche Leiter seien, die ihre Vertrauens- und Machtposition ausnutzten; Opfer seien oft weibliche Minderjährige. Aber auch sexualisierte Gewalt, die von gleichaltrigen Jugendlichen ausgehe, wird dokumentiert.

"Kirchliches Desinteresse an Aufarbeitung"

56 Prozent der rund 400 Teilnehmer an einer standardisierten, aber nicht repräsentativen Befragung gaben an, selbst bereits nichtkörperliche sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. Jede fünfte Person bestätigte körperliche Formen. Drei Viertel haben nach eigener Angabe sexualisierte Gewalt beobachtet, überwiegend nichtkörperliche Formen. Da diese Ergebnisse nicht repräsentativ seien, seien Hochrechnungen schwierig, betonte der Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Gießen, Ludwig Stecher. Häufigkeiten ließen sich dennoch gut abschätzen.

Die Forschenden kritisierten "ein gewisses Desinteresse" der katholischen Kirche an dem Aufarbeitungsprozess. Während des von Ende 2023 bis Ende 2025 dauernden Forschungsprozesses sei der Platz eines Vertreters der deutschen Bistümer dauerhaft unbesetzt gewesen.

Auflösung des Verbands nicht ausgeschlossen

Von einer "institutionell gewachsenen Verantwortungslosigkeit" sprach Maschke. Sie fordert für die Zukunft ein externes Gremium für einen kritischen Blick von außen. Der DPSG-Bundesvorsitzende Sebastian Becker machte deutlich, die DPSG sei bereit, den Weg der Aufarbeitung zu gehen; und: "Die Zeit wird zeigen, was die letzte Konsequenz aus der Aufarbeitung ist." Auch eine Auflösung des Verbandes schloss er nicht aus. Zum jetzigen Zeitpunkt sei dies aber nicht der richtige Schritt; sonst würde der Einfluss auf Stämme an der Basis wegfallen, Kinder- und Jugendschutz konsequent umzusetzen, so Becker. (KNA)