CDU-Politiker: Entfremdung zwischen Partei und Kirchen ernst nehmen
Spannungen und eine wachsende Entfremdung zwischen den christlichen Kirchen und der Unionspartei bereiten dem CDU-Politiker und Pastor Christian Meißner große Sorgen. "Diese Entfremdungstendenzen sollten sehr ernst genommen und keineswegs marginalisiert werden, und zwar auf beiden Seiten, kirchlich wie parteipolitisch", schreibt der Bundesgeschäftsführer des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU im Blog "Experteninitiative Religionspolitik".
Laut Meißner ist die Mehrheit von CDU und CSU weiterhin kirchlich verbunden. Unter den Kirchenmitgliedern gebe es umgekehrt insgesamt eine relativ hohe Sympathie für die Union. Als sehr problematisch wertet Meißner, dass "große Teile gerade des kirchenleitenden Personals politisch seit Jahrzehnten überwiegend mit linken Gedanken und Parteien, hauptsächlich mit der SPD und den Grünen sympathisieren".
Der CDU-Politiker bezeichnet das als "deutliche Milieuverengung, insbesondere innerhalb der evangelischen Kirche". Weiter schreibt er: "Das führt dann häufig zu Entfremdungserfahrungen, zu wachsendem Verdruss und in letzter Konsequenz auch zum Verlust der binnenkirchlichen Beheimatung."
Grenzüberschreitung der Kirchen
Eines von zahlreichen Beispielen hierzu sei die gemeinsame Stellungnahme der beiden Kirchenbüros zum sogenannten Zustrombegrenzungsgesetz gewesen. Aus Meißners Sicht war diese Erklärung unglücklich und wurde in der Union von vielen als Grenzüberschreitung der Kirchen gesehen. Dass die Kirchen weiter an ihrer Kritik festhielten, sei misslich.
"Es besteht deshalb dringender Redebedarf zwischen der Union und den Kirchen. Und dieses Reden sollte auf allen Ebenen endlich wieder vertrauensvoll – also miteinander statt übereinander – stattfinden", betont Meißner. Beide Seiten sollten neu begreifen, dass sie einander brauchten und tief miteinander verbunden seien.
Nach Meißners Worten müssen beide Seiten an sich arbeiten. Die Kirchenleitung müsse ihre Äußerungen zur Tagespolitik überdenken und prüfen, ob sie die politische Mitte noch erreiche. Die Union indes müsse "'höllisch' aufpassen, dass sie ihrem eigentlichen Kompass, dem christlichen Menschenbild und ihren lebendigen C-Überzeugungen, treu bleibt". Die Union könne sich nicht leisten, ihren christlichen Kern zu verleugnen. (KNA)
