Papst Leo XIV.: Kern priesterlicher Identität aufs Neue entdecken
Papst Leo XIV. hat Priester zu einer vertieften Beschäftigung mit dem Wesen ihrer Berufung aufgerufen. Statt die Identität des Priesters selbst neu zu definieren, gelte es, dessen authentischen Kern wiederzuentdecken, forderte Leo in einem am Montag veröffentlichten Brief an ein großes Treffen spanischer Priester in Madrid. Beim Priestersein gehe es darum, Gott und den Menschen als "zweiter Christus" ganz konkret zu dienen, schrieb Leo.
Die Rahmenbedingungen für den Priesterberuf wie auch für den Glauben hätten sich grundlegend geändert, räumte der Papst ein. Die Säkularisierung sei vielerorts weit fortgeschritten, die öffentliche Debatte sei polarisiert und die Bewertung von Menschen geschehe oft "unvollständig". Der Glaube laufe Gefahr, "instrumentalisiert, banalisiert oder in den Bereich des Irrelevanten verbannt zu werden", der transzendente Bezug werde oft übersehen und die christliche Botschaft oft nicht mehr weitergegeben, da sie auf Gleichgültigkeit oder Unverständnis stoße.
Präsent und verfügbar sein
Dies alles sei jedoch kein Anlass für Rückzug oder Resignation, betonte der Papst: Er sehe heute eine neue Offenheit vieler Menschen, speziell der jüngeren Generationen, für eine "ehrlichere und authentischere Suche", die sie "zur Begegnung mit Christus zurückführt". Hier sollten Priester präsent und verfügbar sein und mit ihrer gesamten Lebensführung "auf Gott hinweisen und den Weg zum Geheimnis begleiten, ohne dessen Platz einzunehmen". Dabei seien Zölibat, Armut und Gehorsam bedeutsam, bei denen nicht der Verzicht im Mittelpunkt stehe, sondern das "Zugehören zu Gott".
Besonders legte der Papst den Priestern die würdige und angemessene Feier der Sakramente ans Herz, die sie auch selbst empfangen müssten, insbesondere die Beichte. "Vergesst nicht, dass ihr nicht die Quelle, sondern der Kanal seid und dass auch ihr dieses Wasser trinken müsst. Vernachlässigt daher die Beichte nicht und kehrt immer wieder zu der Barmherzigkeit zurück, die ihr verkündet", so der Papst. Priester sollten "Anbeter" und "Menschen des tiefen Gebets" sein, sich um Heiligkeit bemühen und das Volk lehren, "dasselbe zu tun".
Zudem hob der Papst die Bedeutung der Verbundenheit von Priestern untereinander hervor. Sie sollten sich nicht als Einzelkämpfer verstehen, da Individualismus "das Herz verarmt und die Mission schwächt", mahnte er. Vielmehr gelte es, Brüderlichkeit zu leben, sich verantwortlich füreinander zu fühlen und zur gegenseitigen Unterstützung bereit zu sein. "Niemand soll sich in der Ausübung seines Amtes ausgesetzt oder allein fühlen", so der Papst mit Blick auf "Müdigkeit und Einsamkeit" vieler Priester. (KNA)
