Kirchliche Rituale – nicht Nostalgie, sondern Nähe
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Kirchliche Rituale werden manchmal belächelt. Als Überbleibsel einer Zeit, in der Kirche selbstverständlicher war. Doch wer genauer hinsieht, merkt: Rituale sind keine Nostalgie. Sie sind Nähe. Und vielleicht gehören sie zu den stärksten Möglichkeiten, die Kirche heute noch hat, Menschen zu erreichen.
Viele Menschen haben im Alltag kaum Kontakt zur Kirche. Gottesdienste spielen für sie keine große Rolle mehr, kirchliche Sprache ist ihnen fremd geworden. Und doch gibt es Momente, in denen Menschen noch kirchliche Rituale suchen: wenn ein Kind getauft wird, wenn ein Paar heiratet – und besonders, wenn ein Mensch stirbt.
Beerdigungen sind traurige Anlässe. Aber sie sind auch mehr als Abschiednehmen. Sie sind ein Raum, in dem etwas geschieht, das unsere Gesellschaft dringend braucht: gemeinsames Innehalten. Trauer bekommt Worte, Schmerz wird nicht verdrängt, sondern getragen. Wenn am Grab Erde auf den Sarg gestreut wird, dann wird spürbar: Der Abschied ist real, und doch wird er gemeinsam ausgehalten.
Rituale geben Halt, wenn das Leben aus den Fugen geraten ist und Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Anfang zu neuem Leben. Gerade darin liegt ihre Kraft. Sie helfen nicht nur den Angehörigen, sondern auch denen, die sich unsicher fühlen im Umgang mit Verlust. Der ritualisierte Abschied nimmt Menschen an die Hand. Er zeigt: Du musst das nicht allein aushalten.
Für die Kirche ist das eine Chance. Nicht im Sinne eines Werbens oder Überzeugens, sondern als Dienst am Menschen. Rituale schaffen Beziehung – oft dort, wo der Kontakt längst verloren schien. Wer bei einer Beerdigung Trost und Hoffnung erfährt, erlebt Kirche nicht als Institution, sondern als Begleitung.
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche heute: Räume offen zu halten, in denen Menschen sich berühren lassen – von Gemeinschaft, von Hoffnung, von Gott. Rituale sind keine Rückschau. Sie sind Zukunft. Weil sie Nähe ermöglichen, wenn sonst wenig bleibt.
Die Autorin
Friederike Frücht leitet die Abteilung Kommunikation der kfd und ist Chefredakteurin der Mitgliederzeitschrift Junia.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
