Erzbischof Bentz: Kirche nicht bloß für die Sakristei sein

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hat die Kirche davor gewarnt, sich allzu sehr mit sich selbst zu beschäftigen. Sie müsse "die evangelisierende Kraft dieser Botschaft zu den Menschen tragen, das heißt, sich nicht abschotten, Kirche nicht für die Sakristei, sondern Kirche inmitten der Gesellschaft, inmitten des Lebens" sein, sagte er im Podcast "Table Today" am Mittwoch. Dafür brauche es eine prophetische Grundhaltung.
Im Rahmen der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen musste sich die Kirche mit sich selbst beschäftigen, so der Erzbischof. "Durch diesen Prozess laufen wir seit vielen Jahren und wir haben eine deutliche Lernkurve, wie wir uns als Kirche aufgrund unserer eigenen Erfahrungen und unserer schwierigen dunklen Geschichte, die wir auch haben, verändern müssen." Darüber hinaus dürfe die Kirche aber nicht vergessen, "dass wir nicht für uns selbst da sind".
Christliche Werte wesentlich für das Grundgesetz
"Die Werte des Evangeliums hineinzutragen in die Gesellschaft, das ist unser Part", führte Bentz weiter aus. Deshalb spiele die Kirche auch eine Rolle bei der Verteidigung der Demokratie. Diese lebe auch davon, dass Werte gelebt würden, die die Demokratie stark machten. Christliche Werte seien da "wesentliche Werte, von denen das Grundgesetz lebt und auf denen unsere freiheitliche Grundordnung aufbaut".
Mit Blick auf die Erklärung der deutschen Bischöfe zum völkischen Nationalismus, die vor zwei Jahren verabschiedet wurde, sagte Bentz: Das Wahlgeheimnis sei kostbar, es sei aber etwas Anderes, wenn jemand ein Parteimandat in der AfD innehabe "und damit für ein Gedankengut steht, das eben nicht vereinbar ist mit dem christlichen Glauben. Die unantastbare Menschenwürde ist die Grundlage unseres freiheitlichen Zusammenlebens, das ist der Glutkern unseres christlichen Glaubens." Wenn jemand ein Parteimandat innehabe und gleichzeitig ein Mandat in der Pfarrei innehabe oder mit kirchlichem Auftrag in der Seelsorge oder in der Bildung arbeite, müsse die Kirche klar machen, dass beides nicht zusammengehe. "Das sind jeweils Einzelfallentscheidungen, es braucht das intensive Gespräch, das ist oft genug schwierig. Aber es braucht auch klare Konsequenz", so Bentz. Denn angesichts der Verunsicherung in der Bevölkerung seien Klarheit und Entschiedenheit bedeutend. (cph)