Finanzielle Mittel werden knapper

Theologe warnt vor mehr Konkurrenz zwischen Kirchengemeinden

Veröffentlicht am 15.02.2026 um 09:05 Uhr – Lesedauer: 

Mainz ‐ Wer bekommt wie viel Geld? Diese Frage werde in Zukunft für viele Kirchengemeinden stetige Realität werden, so der evangelische Theologe Kristian Fechtner – und erklärt, was das mit Kirchenleitungen macht.

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Kirchengemeinden werden nach Überzeugung des Mainzer Theologen Kristian Fechtner künftig Profile entwickeln, um sich von anderen abzuheben. Das werde auch zu mehr Konkurrenz zwischen einzelnen Gemeinden um die knappen finanziellen Mittel führen, sagte er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Wir haben nicht mehr die Ressourcen, den einen etwas zu geben, weil es gut läuft, und den anderen noch mehr zu geben, weil es dort noch nicht so gut läuft."

Lange Zeit seien die Kirchenleitungen davon ausgegangen, dass das System der Ortsgemeinden gewissermaßen ein "stabiler Untergrund" der Kirche bleibe. "Doch diese Form von Kirchlichkeit ist so nicht mehr durchhaltbar", warnte der Theologe, der an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität Praktische Theologie lehrt und Anfang Februar seine Abschiedsvorlesung vor dem Wechsel in den Ruhestand hielt. Das Prinzip "Kirche vor Ort" werde künftig nicht mehr bedeuten, dass die Kirche "an allen Orten" präsent bleibe.

Kirchenleitungen brauchen Unterstützung beim Aufhören

Der wachsende finanzielle Druck in den großen Kirchen, sich grundlegend zu reformieren, überfordert Fechtners Worten zufolge zunehmend Ehrenamtliche, hauptberufliche Kirchenmitarbeiter und selbst leitende Geistliche: "Immer soll man die Dinge erhalten und gleichzeitig komplett erneuern", sagte er. "Das ist einfach eine Zumutung." Es gelte, die Verantwortlichen darin unterstützen, dass sie mit bestimmten, allen wichtig gewordenen Dingen "wirklich aufhören". Die veränderte Lebenswirklickeit der Menschen werde wohl auch zur Folge haben, dass nicht mehr in jeder Kirchengemeinde sonntägliche Gottesdienste in der bisherigen Anzahl stattfinden.

Derzeit kenne er niemanden, der eine klare Vorstellung davon besitze, wie die Kirche in 20 Jahren aussehen werde, sagte der Theologe: "Wir müssen in dieser Situation - ohne dass wir ein festes Zukunftsbild haben – aber trotzdem handeln. Das ist genau die Situation, die die Menschen mürbe macht und die auch die Verantwortungsträger in eine Spirale der Überlastung bringt." (epd)