Standpunkt

Wenn Medien gegenüber Christen Grenzen überschreiten

Veröffentlicht am 17.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Theresia Kamp – Lesedauer: 

Bonn ‐ In den Medien mehren sich negativ geframte oder grenzverletzende Beiträge über Christen. Sie sollten keine journalistische Sonderbehandlung bekommen – aber auch keine negative, kommentiert Theresia Kamp.

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Seit einiger Zeit fallen mir ähnlich gemachte Beiträge in meinem Instagram-Feed auf. Sie stammen von den Accounts verschiedener öffentlich-rechtlicher Sender und beziehen sich auf die christlichen Kirchen oder christliche Menschen. Durch die Wortwahl, die verwendeten Emojis, die Musik und die erzeugte Stimmung wirkt dieser Content nicht selten negativ geframt. Man bekommt in wenigen Sekunden den Eindruck: Christen sind gefährlich oder mindestens verrückt.

Ein Reel und eine damit verbundene Dokumentation sind zuletzt auf breitere Kritik gestoßen. Für den SWR hat eine Reporterin eine junge Ordensschwester 24 Stunden lang begleitet. Eine gute Idee, um einen tieferen Einblick in diese Lebensform zu bekommen. Für das Reel wurde dann entschieden, mit folgender Frage der Journalistin zu beginnen: "Was machst du, wenn du wirklich horny bist, dürft ihr masturbieren?" Die Schwester wirkt nicht gerade glücklich, während sie antwortet. Welcher anderen Person würde mit diesem Vokabular so eine Frage gestellt werden? Würde man so auch bei Friedrich Merz nachhaken, was in seinem Schlafzimmer passiert?

Für mich ist die Frage eine Grenzverletzung. Das Reel wurde inzwischen gelöscht, die Sendung beginnt weiterhin mit dieser Szene. Ordensfrauen und Sex werden wahrscheinlich gut geklickt. Das Kloster sagt in einer Mitteilung, mit dem Schnitt der Dokumentation sei es nicht einverstanden. Der Sender nimmt in Kauf, einer jungen Frau zu nahe getreten zu sein und ihren Namen im Internet für immer mit dem Wort "horny" ("geil") verknüpft zu haben.

Es gehört zur Kernaufgabe von Journalistinnen und Journalisten, kritisch zu sein und Hintergründe aufzudecken. Skandale wie der um den sexuellen Missbrauch zeigen mehr als deutlich, dass Kirche und Gläubige nicht geschont werden sollten. Allerdings sollte es auch andersherum keine Sonderbehandlung geben, insofern bei der Berichterstattung über Christen ein negatives Framing oder Grenzüberschreitungen zunehmend salonfähig werden.

Von Theresia Kamp

Die Autorin

Theresia Kamp hat Theologie und Romanistik studiert. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Pastoraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und schreibt regelmäßig für verschiedene christliche Medien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.