Warnung vor Wellness ohne Besinnung

Bischof Meier: "Der Aschermittwoch ist eine Provokation"

Veröffentlicht am 18.02.2026 um 10:32 Uhr – Lesedauer: 

Augsburg ‐ Fastenzeit als Provokation: Augsburgs Bischof Bertram Meier stellt die Botschaft des Aschermittwochs gegen den "Mental Wellness"-Trend. Er spricht über das "Schwerste", was Menschen abverlangt werden könne.

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Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat die Botschaft des Aschermittwochs als bewusste Unterbrechung in einem unhinterfragten Weiter-so bezeichnet. "Der Aschermittwoch ist eine Provokation", sagte Meier laut Vorab-Meldung des Bistums am Mittwoch im Hohen Dom zu Augsburg beim traditionellen Gottesdienst für Kunstschaffende. Die Fastenzeit konfrontiere den Menschen mit seiner Vergänglichkeit – "Gedenke, dass du Staub bist".

Die biblische Aufforderung zur Umkehr sei ein "Gegenprogramm" zu einem verbreiteten Selbstverständnis, das Gewohnheiten und Routinen kaum infrage stelle. Wer alles beim Alten lasse, verfehle sein Menschsein, so der Bischof. Gerade Künstlerinnen und Künstler hätten die Aufgabe, Seh- und Hörgewohnheiten zu durchbrechen und gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu spiegeln.

Seit jeher hinterfrage Kunst scheinbar eherne Gesetze und wirke "wie ein Stachel im Fleisch", sagte Meier. Sie wolle zum Nachdenken, zur Selbst- und Fremdreflexion anregen: "Denn es ist unerlässlich, dass wir als Einzelne, als Familie, als Kirche und Gesellschaft uns regelmäßig Rechenschaft geben über die Motivation für unser Tun und Lassen."

Warnung vor Selbstüberschätzung

Der Aschermittwoch sei ein Ruf zur Selbstbesinnung, den man zu überhören neige. Er wolle einen Lernprozess in Gang setzen und fordere dazu auf, Rechenschaft zu geben über eigenes und fremdes Tun: "Wem alles durchgeht und wer von einer Applaus umtosten Bühne zur nächsten schreitet, der verliert schnell die Bodenhaftung: Je höher er steigt, desto begrenzter wird sein Horizont und umso gefährlicher wird er für seine Mitmenschen." Dafür gebe es heute genügend Beispiele.

Meier kritisierte zugleich eine stark kommerzialisierte "Mental Wellness"-Kultur. Auszeiten oder Thermenbesuche seien hilfreich, aber: "Kein noch so ausgefeiltes Wellness-Angebot und Körperpeeling vermag uns – zutiefst fehlbare Wesen – den rechten Umgang mit Schuld und Scham zu lehren!" Dafür brauche es geschützte Räume der Reflexion und Versöhnung. Zur Selbstbesinnung sei Stille erforderlich. Diese auszuhalten gehöre "zum Schwersten, das Kindern und auch vielen Erwachsenen abverlangt werden kann", so Meier. (KNA)