Theologin: Darum ist der Aschermittwoch ein zweites Neujahr
Aschermittwoch, "Dry January", Klimafasten und digitaler Detox senden laut der Schweizer Liturgiewissenschaftlerin Miriam Vennemann die gleichen Impulse. Im Interview des Portals "kath.ch" sagte sie am Mittwoch, es gehe darum, "bewusst zu verzichten, um freier zu werden; sich zu begrenzen, um neu Maß zu gewinnen". In diesem Sinn könne der Aschermittwoch wie ein zweites, stilleres Neujahr wirken: "Es ist eine Zeit der Vorsätze und Wünsche, in der es nicht nur um Verzicht geht, sondern darum, das Gute im eigenen Leben und im Miteinander bewusst zu stärken."
Die Theologin sagte, diese Erfahrung sei auch interreligiös anschlussfähig. "Zeiten des Fastens, etwa im Ramadan, betonen, dass Unterbrechung, Selbstprüfung und Neubeginn keine exklusiv christlichen Motive sind", so Vennemann. Zugrunde liege ihnen die gemeinsame Erfahrung, dass im bewussten Innehalten Raum für Gespräche entstehe, "und für die Frage nach dem, was trägt und bleibt".
Wir müssen nicht immer funktionieren
In einer von Beschleunigung, Konsum, Leistungssteigerung und Perfektionismus geprägten Gesellschaft, wirke ein Tag, der bewusst zur Unterbrechung einlade, "fast widerständig". Er erinnere daran, "dass wir nicht alles in der Hand haben, dass wir nicht ständig funktionieren, nicht immer online und nicht vollkommen sein müssen". Der Aschermittwoch schenke Mut, einen anderen Weg zu wählen. "Dass dieses Motiv auch jenseits religiöser Kontexte Resonanz findet, wird leicht ersichtlich", bilanziert Vennemann.
Die Phase des Umdenkens, der Neuausrichtung und der Umkehr werde von der Asche symbolisiert. Wenn sie in Form eines Kreuzes auf die Stirn gezeichnet werde, würden die Worte "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst" oder "Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium" leiblich erfahrbar, sagte die Theologin. "Das Zeichen unterbricht den Alltag, markiert einen Übergang und schreibt sich symbolisch in den Körper ein." Im Zeichen des Kreuzes Christi gewinne die Asche dabei "im Horizont der Auferstehung" eine neue Bedeutung. So werde aus einem Zeichen der Vergänglichkeit ein Zeichen der Hoffnung. (KNA)
