Schwester Regina Greefrath über das Sonntagsevangelium

Der Weg, den Jesus wählt

Veröffentlicht am 21.02.2026 um 09:30 Uhr – Lesedauer: 
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Essen ‐ Kein Sprung vom Tempel, kein leichter Applaus: Vor Jesu Wirken kommen vierzig Tage Wüste – und die Versuchung, alles zu kontrollieren. In der Stille entscheidet sich, was trägt, schreibt Schwester Regina Greefrath.

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Man könnte meinen, Jesus müsse nach seiner Taufe durch Johannes nun kraftvoll sein öffentliches Wirken beginnen. Immerhin hat er eine Sendung, eine Berufung, und ist von Gott selbst als der geliebte Sohn offenbart worden. Doch sein erster Weg führt nicht ins Rampenlicht und nicht in den Erfolg, sondern in die Wüste – in die Leere. Und er geht diesen Weg nicht aus eigenem Antrieb. Er lässt sich führen, im Vertrauen auf Gott, seinen Vater. Vielleicht ist diese Zeit der Stille auch für ihn ein Raum der Klärung: Was bedeutet es, Sohn Gottes zu sein? Welchen Weg wird diese Sendung nehmen?

Mit einer wichtigen Entscheidung in die Stille gehen – das ist uns Ordensleuten nicht fremd. Vor den entscheidenden Schritten der Eingliederung in die Gemeinschaft – Einkleidung, zeitliche und ewige Profess – ziehen wir uns bewusst aus dem Alltag zurück und halten Exerzitien. In dieser Quality time mit Gott setzen wir uns sehr bewusst mit unserer Berufung, unserer Sehnsucht und unserer Gottesbeziehung auseinander. Die Stille und die Einsamkeit helfen uns, Gottes Stimme bewusster wahrzunehmen, die im Alltag leicht übertönt wird.

Nach vierzig Tagen des Fastens und der Einsamkeit wird Jesus in der Wüste dreimal in Versuchung geführt. Zweimal wird er aufgefordert, auf spektakuläre Weise zu beweisen, dass er der Sohn Gottes ist: Er soll Steine in Brot verwandeln und sich im Vertrauen auf Gottes Schutz vom Dach des Tempels stürzen. So könnte er sicherlich schnell und effektiv Menschen für sich und seine Botschaft gewinnen. Ein Zeichen, ein Wunder – und alle würden glauben. Doch ein solcher Glaube würde nicht auf einer freien Entscheidung für Gott beruhen, sondern wäre durch aufsehenerregendes Tun erkauft worden.

Den Wind aus den Segeln genommen

Jesu Antworten aus der Heiligen Schrift nehmen dem Teufel den Wind aus den Segeln: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Es gibt einen Hunger, den kein Brot stillen kann – den Hunger nach Sinn, nach Beziehung, nach Gott. Und: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen." Glaube wächst nicht aus Zwang, sondern aus Hingabe.

In der dritten Versuchung schließlich geht es um mehr als äußere Macht. Es ist die subtile Verlockung, über alles verfügen und alles kontrollieren zu können. Die Sehnsucht, alles unter Kontrolle zu haben, ist tief im Menschen verwurzelt. Es ist die Versuchung, das Leben strategisch zu denken: jede Begegnung, jede Entscheidung, jede Situation berechnend auf den eigenen Vorteil hin auszurichten. Doch wer alles absichern will, verliert am Ende die Freiheit, sich vertrauend in Gottes Hände zu geben.

Und das ist der Weg, den Jesus wählt: den Weg der Treue und des Vertrauens, nicht den der schnellen Größe.

Evangelium nach Matthäus (Mt 4,1–11)

In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden.

Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.

Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.

Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.

Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.

Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Die Autorin

Schwester Regina Greefrath CSA gehört dem Orden der Augustiner-Chorfrauen an. Sie unterrichtet am klostereigenen Gymnasium die Fächer katholische Religion und Spanisch und engagiert sich in der AG Berufungspastoral der Orden (AGBO).

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