Social-Media-Beitrag der Bundesregierung sorgt für Kritik

Gute Wünsche zum Ramadan, aber nicht zur Fastenzeit: Eine Fehlleistung

Veröffentlicht am 19.02.2026 um 12:45 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 
Kommentar

Berlin ‐ Die Bundesregierung hat den Muslimen in Sozialen Medien gute Wünsche zum Ramadan übermittelt – ein Gruß an die Christen zur Fastenzeit blieb dagegen aus. Eine kommunikative Fehlleistung, kommentiert Steffen Zimmermann.

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Die Entscheidung der Bundesregierung, am Mittwoch allen Muslimen zum Beginn des Ramadan in den sozialen Netzwerken einen "gesegneten Fastenmonat" zu wünschen, ist für sich genommen richtig. Ein Staat, der religiöse Vielfalt anerkennt, darf und soll wichtige Feste und Zeiten verschiedener Glaubensgemeinschaften sichtbar würdigen. Problematisch wurde die Kommunikation der Regierung jedoch durch das, was gleichzeitig ausblieb: ein vergleichbarer Gruß zur am selben Tag beginnenden christlichen Fastenzeit.

Gerade weil beide Fastenzeiten in diesem Jahr – zum ersten Mal seit fast einem Jahrhundert – gleichzeitig begonnen haben, hätte sich die Gelegenheit geboten, Gemeinsamkeiten zwischen beiden Religionen hervorzuheben, religiöse Praxis als verbindendes Element zu zeigen und Christen wie Muslime gleichermaßen anzusprechen. Fasten, Besinnung und Umkehr sind schließlich kein exklusiver Inhalt einer einzelnen Religion, sondern geteilte Erfahrungen. Wer gesellschaftlichen Zusammenhalt ernst meint, hätte genau dies kommunikativ nutzen können.

Erwartbarer und in diesem Fall nachvollziehbarer Widerspruch

Die später in Antworten auf empörte User-Kommentare nachgeschobene Begründung der Bundesregierung, die christliche Fastenzeit sei "Vorbereitung auf die Osterfeierlichkeiten", zu denen es dann ebenfalls Grüße auf den Social-Media-Plattformen der Regierung geben werde, überzeugt nicht. Denn auch der Ramadan ist Vorbereitung – auf das Fest des Fastenbrechens und auf eine vertiefte religiöse Praxis. Insofern wirkt die Argumentation wie eine nachträgliche Rechtfertigung für eine unausgegorene Kommunikationsstrategie aus dem Haus von Regierungssprecher Stefan Kornelius. Der Widerspruch in den sozialen Netzwerken war daher erwartbar – und in diesem Fall nachvollziehbar.

Bild: ©KNA/Harald Oppitz (Symbolbild)

Ausgerechnet der ansonsten in Kommunikationsstrategien oftmals unterbelichtete Berliner Senat würdigte in seinem Social-Media-Beitrag den gleichzeitigen Beginn von Ramadan und christlicher Fastenzeit.

Wie es anders geht, zeigte ausgerechnet der ansonsten in Kommunikationsstrategien oftmals unterbelichtete Berliner Senat. Die Senatskanzlei veröffentlichte am Mittwoch ein Posting, das die Gleichzeitigkeit der beiden Fastenzeiten ausdrücklich benannte und beide Religionsgemeinschaften gemeinsam ansprach. Das dazu gewählte Doppelbild – der Berliner Dom neben der Şehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln – transportierte visuell, was politisch gemeint war: religiöse Vielfalt als Normalität und gegenseitiger Respekt als gemeinsame Grundlage. Die Formulierung war schlicht, aber treffend: "In diesem Jahr fallen die christliche Fastenzeit und der Ramadan zeitlich zusammen. Wir wünschen allen Berliner Christinnen und Christen sowie allen Berliner Musliminnen und Muslimen eine besinnliche, kraftvolle und erfüllende Zeit des Fastens und der inneren Einkehr."

Gerade weil politische Kommunikation heute stark symbolisch wirkt, sind solche Gesten nicht banal. Sie senden Signale darüber, wer gesehen wird und wer nicht. Wer nur einzelne Gruppen adressiert, riskiert, neue Gräben zu erzeugen. Wer hingegen verbindend kommuniziert, stärkt Vertrauen – auch über religiöse Grenzen hinweg.

Es braucht eine Regierung, die vorausschauend kommuniziert

Es geht dabei nicht um eine Konkurrenz der Religionen oder eine Pflicht zur Gleichbehandlung jeder Tradition. Es geht um Sensibilität für Kontexte. Wenn die Fastenzeiten von Christen und Muslimen gleichzeitig beginnen, ist das kein Randdetail, sondern eine Einladung, Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen und gesellschaftlichen Zusammenhalt konkret zu erzählen. Die Bundesregierung hat diese Chance verpasst. Das ist kein Skandal, aber eine unnötige kommunikative Fehlleistung – die leicht vermeidbar gewesen wäre. Das Beispiel des Berliner Senats zeigt, dass es weder komplizierter Strategien noch großer Worte bedarf. Manchmal genügt ein einfacher Satz und der Wille, Menschen gemeinsam anzusprechen.

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung braucht es eine Regierung, die vorausschauend kommuniziert. Nicht identitätspolitisch taktierend, sondern verbindend, klug und sensibel. Ein gemeinsames Posting zum Beginn beider Fastenzeiten wäre keine große politische Geste gewesen. Aber ein kleines Zeichen mit großer Wirkung.

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

Hinweis

Der Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.