Erwachsenentaufen – Freude am Wachsen, Arbeit an der Glaubwürdigkeit
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Jetzt am Beginn der Fastenzeit ist abzusehen, dass man Ostern wieder genau nachzählen wird, wie viele Erwachsene sich am Höhepunkt des Kirchenjahres werden taufen lassen. Wo im vergangenen Jahr bis zuletzt von entsprechenden Erfolgsmeldungen zu lesen war, gab es allerdings immer auch eine gewisse Skepsis, wie sie auch angesichts von Konvertiten üblich ist. Dabei sollte man sich auch im Mainstream von Herzen freuen, wo sich christlicher Glaube und auch die Kirche selbst als anziehend erweisen.
Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten hatten die deutschen Bischöfe darauf aufmerksam gemacht, dass es noch kein Argument gegen die Botschaft Jesu sei, wenn die Zahl der Anhänger schrumpfe. Es sei aber sehr wohl eines gegen die Kirche, wenn sie aus Prinzip nicht mehr wachsen wolle. Eine solche Verzagtheit wäre auch heute fehl am Platz. Niemand sollte seinen eigenen Kirchenfrust, wie berechtigt auch immer, anderen aufzwängen.
Wie die Vorbehalte angesichts von Taufen gerade junger Erwachsener und ihrer Interessen irritiert auf der anderen Seite aber der Zungenschlag mancher Kommentare: als ob sich aufgrund des neuen Interesses an kirchlichen Angeboten die Reformbemühungen der vergangenen Jahre erübrigt hätten – einmal ganz abgesehen davon, dass das Missverhältnis der Zahl von Neueintritten und derer, die die Kirche verlassen, enorm ist.
Genauso entschieden ist deshalb zu sagen: Sowohl die Gefahr sexualisierter Gewalt oder des Missbrauchs geistlicher Autorität als auch ein problematisches Finanzgebaren oder Machtmissbrauch welcher Form auch immer werden dort, wo Erfolge zu verzeichnen sind, nicht einfach gebannt. Freude am Wachsen und nüchterne Wachsamkeit einschließlich der beharrlichen Arbeit an der Glaubwürdigkeit der Kirche müssen deshalb weiterhin Hand in Hand gehen.
Der Autor
Dr. Stefan Orth ist Chefredakteur der "Herder Korrespondenz".
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
