Der neue DBK-Vorsitzende braucht eine Idee von der Kirche der Zukunft

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Neue Woche, neue Wahlen. Nach der CDU stellt sich die katholische Kirche in Deutschland mit der Wahl mit ihrem Vorsitzenden neu auf. In den vergangenen Jahren konnte man erleben, wie sehr Polarisierungen nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in den Reihen der Kirche zunehmen. Sowohl die Forderungen nach einem Versöhner als auch nach einem Romerfahrenen sind Ausdruck der Sehnsucht, trotz aller Spannungen zusammen bleiben zu wollen.
All das ist nicht falsch. Aber vor allem muss es der Kirche in Deutschland in den kommenden Jahren gelingen, aus ihrer Selbstreferenzialität herauszukommen. Wer Tomáš Halíks Analyse ernst nimmt, dass wir derzeit den Nachmittag des Christentums erleben, darf sich nicht vorm Dunkel des Abends fürchten oder nur auf den nächsten Tagesanbruch hoffen, sondern muss eine Vorstellung von dem Kommenden haben. Der neue Vorsitzende braucht die Kraft, eine Vorstellung vom Christentum im nächsten Jahrzehnt zu haben. Das meint statt dem Jammern über fehlende Ressourcen und sich verringernderer Strukturen einen kraftvollen Antritt für eine Kirche, die spirituell und intellektuell zum Angebot für eine sich pluralisierende Gesellschaft wird. Keine Plattitüden, sondern Argumente, die im Glauben wurzeln, ohne frömmlerisch oder vom anderen Stern zu wirken! Ebenso wie auf die individuellen Fragen braucht es eine andere Sprachfähigkeit auf die gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. Die Idee eines Christentums des nächsten Morgens darf nicht um seine diakonische Dimension beraubt sein. Unser Land wird in den kommenden Jahren angesichts begrenzter Ressourcen Verteilkämpfe erleben – gerade im Bereich der Rente, Pflege und Gesundheit. Der neue Vorsitzende wird die Aufgabe haben, Positionen einer gerechten Sozialpolitik mit starken Argumenten zu benennen. Sie müssen im Glauben wurzeln, ohne die Wirklichkeit zu verkennen. Auch hier: Nicht nur Moderator verschiedener Interessen sein, sondern das kraftvolle Wort zur richtigen Zeit.
Es bleibt bei der Suche nach dem Richtigen zu wünschen, dass die Bischöfe dem Neuen den Wunsch für eine mutige Idee des Christentums in unserem Land ins Lastenheft schreiben. Es würde der Kirche Deutschlands eine neue Kraft geben.
Der Autor
Dr. Thomas Arnold baut im Leitungsstab des Sächsischen Staatsministeriums des Innern den Bereich strategische Planung, Organisationsentwicklung und Controlling auf. Zuvor leitete er von 2016 bis 2024 die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.