Nuntius warnt Bischofskonferenz vor Spaltungen durch Reformen

Nuntius Nikola Eterović hat in seinem voraussichtlich letzten Grußwort zum Auftakt einer Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) die Nächstenliebe in den Mittelpunkt gestellt – und zugleich mit deutlichen Worten vor Spaltungen in der Kirche gewarnt. Christliche Nächstenliebe müsse das gesamte christliche Leben durchdringen, angefangen bei den Beziehungen zwischen den Gliedern der katholischen Kirche, heißt es am Ende des von der DBK am Montag veröffentlichten Redemanuskripts. "Nächstenliebe fordert keine Einheitlichkeit im Denken und Handeln, sondern Einheit in legitimer Vielfalt: der Theologien, der Spiritualität, der liturgischen Riten und der pastoralen Erfahrungen", so Eterović weiter.
Der Nuntius führte als Beispiel die "umstrittene Persönlichkeit" seines Landsmanns, des dalmatischen Erzbischofs Marcantonio de Dominis (1560–1624) an, um zu zeigen, dass der "gute Wille zur Durchführung von Kirchenreformen und selbst der Gebrauch von an sich gültigen Formeln" mitunter zu "Spaltung und sogar Schisma" führen können: "Um solche tragischen Folgen zu vermeiden, ist es notwendig, die theologischen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe zu leben und dabei fest in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche verwurzelt zu bleiben." Garant dieser Einheit in der Liebe sei der Papst.
Verweis auf historischen kroatischen Ketzer
Der Apostolische Nuntius erläuterte seine Ausführungen anhand des lateinischen Satzes "In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas" ("Im Notwendigen die Einheit wahren, im Zweifel Freiheit geben, in allem herrsche die Nächstenliebe"). Zwar sei der Satz auch von Papst Johannes XXIII. (1958–1963) in seiner ersten Enzyklika "Ad Petri Cathedram" verwendet worden. Er gehe Historikern zufolge aber auf de Dominis zurück. Der Nuntius bezeichnete ihn als bekannten Theologen, Philosophen und Wissenschaftler, "der sich auch durch seine reformatorischen Positionen auszeichnete, die ihn in Konflikt mit dem Papsttum brachten". Seine Lehre sei verurteilt worden, "und er fand ein tragisches Ende". In einer Fußnote weist Eterović darauf hin, dass de Dominis nach seinem Tod in der Haft in der Engelsburg in Rom von der Inquisition zur Verbrennung auf dem Scheiterhaufen und zur "damnatio memoriae" ("Verdammung des Andenkens") verurteilt wurde und sein Leichnam auf dem Campo de' Fiori verbrannt wurde.
Der Großteil der Ansprache des Nuntius blieb dagegen ohne kirchenpolitische Bezüge und Spitzen. Nächstenliebe umfasse "keine theoretische Reflexion, sondern die konkrete Haltung der Jünger Jesu Christi", betonte der Nuntius. Im Laufe der Geschichte habe sich die christliche Nächstenliebe insbesondere durch gute Taten für Kranke, Arme, Sklaven, Gefangene, Migranten und Verfolgte offenbart. Die Welt von heute stehe in den sozialen, politischen und humanitären Fragen vor großen Herausforderungen. "Um ihnen auf angemessene Weise begegnen zu können, möge man sich die Haltung des guten Samariters in Erinnerung rufen", sagte Eterović. In den vergangenen Jahren hatte der Nuntius immer wieder seine Grußworte anlässlich der DBK-Vollversammlungen genutzt, um den deutschen Bischöfen angesichts der Reformbestrebungen des Synodalen Wegs ins Gewissen zu reden. Die diesjährige Frühjahrsvollversammlung ist voraussichtlich die letzte für ihn: Eterović feierte im Januar seinen 75. Geburtstag, das Alter, in dem Nuntien wie Bischöfe gehalten sind, dem Papst ihren Rücktritt anzubieten. (fxn)
Im Volltext: Grußwort des Nuntius
Ddas Grußwort, das Erzbischof Nikola Eterović, Apostolischer Nuntius in Deutschland, zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg am 23. Februar 2026 gehalten hat, wurde von der DBK am Montag veröffentlicht.