Anordnung der Polizei: Keine kirchliche Begräbnisfeier für Mafia-Boss
Ein verstorbener Mafia-Boss in Italien wird nun offenbar keine kirchliche Begräbnisfeier erhalten. Nach anhaltenden Kontroversen hat der zuständige Polizeichef eingegriffen. Statt einer öffentlichen Trauerfeier in der Kirche Madonna del Loreto im norditalienischen Chivasso, ordnete er eine Zeremonie im kleinsten Kreis bis zum frühen Dienstagmorgen an, wie die Zeitung "La Repubblica" am Dienstag berichtete. Ein Trauerzug sei ebenso verboten wie eine öffentliche Beisetzung.
Der am Freitag verstorbene Domenico Belfiore galt als führender Kopf der kalabrischen 'Ndrangheta in Norditalien. Zu lebenslanger Haft verurteilt wurde er als Auftraggeber des Mordes am Turiner Staatsanwalt Bruno Caccia im Jahr 1983. Belfiore beteuerte stets seine Unschuld. Seit 2015 befand sich der Italiener aus gesundheitlichen Gründen unter Hausarrest.
Die Ankündigung der kirchlichen Begräbnisfeier für Dienstagnachmittag hatte unter Anti-Mafia-Aktivisten, aber auch unter Kirchenvertretern für Kontroversen gesorgt. Der Priester und bekannte Mafia-Gegner Luigi Ciotti bezeichnete im Interview mit "La Stampa" ein kirchliches Begräbnis für jemanden, der getötet und keine Reue gezeigt habe, als seelsorgerischen Fehler. "Es ist eine weitere Wunde, die den Familien der Opfer zugefügt wird", so Cicotti.
Bischof: Wissen nichts über seine Reue
Anders als der Polizeichef sprach sich der für Chivasso zuständige Bischof Daniele Salerà nicht gegen eine kirchliche Feier aus und erklärte: "Wir wissen, was er im Laufe seines Lebens getan hat, aber wir können nichts über seine innere Reue wissen." (KNA)
