Wann Bischof Oster bei der Synodalkonferenz mitmachen will

Der Passauer Bischof Stefan Oster wartet gespannt darauf, wie der Vatikan die geplante Synodalkonferenz in Deutschland beurteilt. "Auch die Römer haben das Interesse, dass da keiner mit Gesichtsverlust rausgeht", sagt Oster in einem gemeinsamen Interview von katholisch.de und der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Oster war aus dem Synodalen Weg ausgestiegen, kann sich aber vorstellen, wieder einzusteigen: "Wenn wir es im Einvernehmen mit der Weltkirche machen, dann mache ich mit." Doch seine Grundsatzkritik am Prozess bleibt. Außerdem äußert er sich zu dem Phänomen, dass eine steigende Zahl junger Menschen sich für den katholischen Glauben interessiert.
Frage: Bischof Oster, die Bischofskonferenz hat in Würzburg die Satzung der geplanten Synodalkonferenz abgesegnet. In dem neuen Gremium sollen Bischöfe und Laien in Deutschland künftig gemeinsam über Zukunftsfragen beraten und Beschlüsse fassen. Werden Sie daran teilnehmen?
Oster: Ich weiß es noch nicht. Ich habe immer gesagt, dass ich mit der Weltkirche gehen werde. Ich warte mit einiger Spannung darauf, wie Rom sich dazu verhält. Aber grundsätzlich ist meine Position: Wenn wir es im Einvernehmen mit der Weltkirche machen, dann mache ich mit.
Frage: Gibt es kritische Punkte in der Satzung, die mit dem Vatikan eventuell noch einmal neu verhandelt werden müssen?
Oster: Ich war ja bei dem bislang letzten Gespräch im November in Rom dabei. Die deutsche Seite hat dabei versucht klarzumachen, dass "Beschlüsse fassen" etwas anderes sei als "entscheiden". Ich bin gespannt, wie die Römer sich dazu verhalten. Aber der Prozess geht jetzt schon seit über zwei Jahren. Da ist inzwischen eine Gegenseitigkeit entstanden. Da wird man das Ding nicht an die Wand fahren. Auch die Römer haben das Interesse, dass da keiner mit Gesichtsverlust rausgeht. Deswegen glaube ich, dass die Synodalkonferenz kommen wird.
Frage: Die Synodalkonferenz soll überprüfen, ob die Beschlüsse des Reformprojekts Synodaler Weg in den Bistümern umgesetzt werden. Wie beurteilen Sie dieses geplante Monitoring?
Oster: Die Problematik dabei ist: Die meisten Punkte dieses Monitorings setzen eine veränderte Anthropologie schon voraus. Da sage ich: Ich bin katholisch, vertrete die katholische Anthropologie, und deswegen will ich nicht, dass "überprüft" wird, ob wir in unserem Bistum Schritte gehen, die weltkirchlich nicht gegangen und auch nicht gestattet werden. Außerdem muss man sehen, ob dieses Monitoring dann tatsächlich Auftrag der Synodalkonferenz sein wird.
Bischof Oster geht davon aus, dass die Synodalkonferenz kommen wird. Synodalität gehe für ihn jedoch anders, als sie auf dem Synodalen Weg praktiziert worden sei.
Frage: Haben Sie Ihre kirchlichen Gremien im Bistum Passau dabei hinter sich?
Oster: Zumindest habe ich in unserem Ordinariatsrat offen und ehrlich die Frage diskutieren lassen, ob ich am Synodalen Ausschuss teilnehmen kann. Dort habe ich eine Mehrheit bekommen, die gesagt hat: "Wir unterstützen Sie, wenn Sie da nicht hingehen." Wir haben auch ein großes synodales Gremium, in dem wir auch die Themen des Synodalen Wegs intensiv und auch offen besprechen.
Frage: Ist der Synodale Weg in Deutschland die Umsetzung dessen, worum es in der Weltsynode ging und geht?
Oster: Man spricht zuletzt immer wieder davon, dass sich beide Wege wunderbar ineinanderfügen, aber bei der letzten Synodalversammlung in Stuttgart habe ich wieder das Gegenteil erlebt. In der Vergangenheit haben mir tatsächlich einzelne Mitglieder der Bischofskonferenz, vor allem Weihbischöfe, gesagt, dass sie in der Synodalversammlung ab dem Zeitpunkt, an dem öffentlich und namentlich abgestimmt werden musste, bisweilen wegen des öffentlichen Drucks auch gegen persönliche Überzeugungen abgestimmt haben.
Frage: Was muss sich also ändern?
Oster: Der wichtigste Punkt ist, dass man wirklich einander zuhört im geschützten Raum und sagt, was einem der Geist eingibt. Dass man nicht versucht, Politik zu machen und politischen oder öffentlichen Druck auszuüben. Dass man nicht kalkuliert, nicht auf Mehrheiten schielt. Papst Franziskus hat auch deutlich gesagt: Bei der Synodalität geht es nicht um die Veränderung der Lehre. Es geht darum, dass wir unseren Glauben und seine Lehre heute in die Welt hineintragen und leben. Synodal geht das am besten. Im deutschen Synodalen Weg war aber die Veränderung der Lehre sehr stark im Fokus.
Bei der zurückliegenden Frühjahrsvollversammlung wurde Bischof Heiner Wilmer zum Vorsitzenden der DBK gewählt. Wilmer werde einen guten Job machen, sagt Bischof Oster.
Frage: Bischof Heiner Wilmer hat in den Synodalversammlungen allen wesentlichen Reformbeschlüssen zugestimmt. Was muss er als neuer Vorsitzender tun, damit die Bischofskonferenz wieder als Einheit auftreten kann?
Oster: Ich glaube, dass er es sehr gut machen wird. Ich weiß mich in vielen Punkten mit Heiner Wilmer verbunden. Ich bin überzeugt davon, dass er den Auftrag wahrnehmen wird, die Beschlüsse des Synodalen Wegs nach Rom zu bringen, dass er aber auch sagen wird, dass das nicht alles so einheitlich war, wie vielleicht manche gehofft haben.
Frage: Sie sind viel im Internet unterwegs und beobachten, dass dort überraschend viele junge Erwachsene zum katholischen Glauben finden. Sind es wirklich viele oder nur ein paar, die dann auch schnell wieder weg sind?
Oster: Das Phänomen gibt es. Ob es tatsächlich größer oder auch nachhaltig ist, muss man sehen. Hunderttausende verlassen jährlich die Kirche, aber tatsächlich kommen auf unterschiedlichen Wegen zumindest einige, die ernsthaft Glauben suchen, wieder zu uns. Die holen sich ihre Inhalte von Youtube oder Internetforen. Das sind oft junge Leute, die Liturgie, Tradition und vor allem nach gläubiger Identität in Christus suchen.
Frage: Wie sollte die Kirche darauf reagieren?
Oster: Wir müssen Räume öffnen, Ansprechpartner haben, die damit umgehen können, eine Willkommenskultur leben und diese Suchenden bei uns ankommen lassen. Denn vermutlich werden Menschen, die in dieser Weise eher von außen kommen, sich nicht selbstverständlich in normalen Pfarrgemeinden beheimaten. Darüber müssen wir nachdenken. Ich hoffe natürlich, dass auch durch diese Impulse unser kirchliches Leben Vertiefung erfährt und Impulse für die Erneuerung gewinnt. Daher hoffe ich auch, dass das Phänomen nachhaltig ist.