Bischof Wilmer und sein Orden: Die Herz-Jesu-Priester

Der Orden der Herz-Jesu-Priester liegt dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Herzen. Ganz wörtlich: Seit seiner Bischofsweihe 2018 trägt er das Kreuz seiner Ordensgemeinschaft mit dem Herz in der Mitte als Brustkreuz (Pektorale). Aber auch inhaltlich und spirituell prägte der Orden den Hildesheimer Bischof – und tut das bis heute.
Deutlich wurde das beispielsweise bei Wilmers Auftaktstatement nach seiner Wahl zum DBK-Vorsitzenden. Vor Medienvertretern in Würzburg trug der Bischof ein auf seinem Smartphone vorformulierte Antrittsrede mit thematischen Schwerpunkten vor. "Ich habe da einige Dinge entdeckt, die unserer Ordensspiritualität entsprechen", sagt Pater Stefan Tertünte. Er ist Provinzial der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester und kennt Wilmer seit Jahrzehnten. "Gerade die Sensibilität für Menschen mit verwundeten Herzen und sozial prekären Biografien ist charakteristisch für uns", erklärt der Geistliche. Dieses Engagement gehe schon auf den Ordensgründer Leo Dehon zurück, der sich im 19. Jahrhundert für Arbeiter im Norden Frankreichs eingesetzt habe.
Erkennen, wofür das Herz Gottes schlägt
Noch heute steht der Orden, der lateinisch "Congregatio Sacerdotum a Sacro Corde Jesu" heißt, für den Kontakt und die Nähe zu den Menschen. "Das ist der Ort, an dem wir erkennen, wofür das Herz Gottes schlägt und an dem wir lernen, was Verkündigung der Frohen Botschaft heißt", führt Tertünte aus. Geistlich stehe seine Ordensgemeinschaft für einen kontemplativen Zugang zu Christus. "Überall auf der Welt ist die eucharistische Anbetung eine typische Frömmigkeitsform, die für uns sehr wichtig ist und in der wir danach trachten, dass Christus uns begegnet."
"Überall auf der Welt ist die eucharistische Anbetung eine typische Frömmigkeitsform, die für uns sehr wichtig ist und in der wir danach trachten, dass Christus uns begegnet", sagt Pater Stefan Tertünte.
In Deutschland sind die Herz-Jesu-Priester eher unbekannt. Das liegt auch an der Größe des Ordens: Die Provinz habe aktuell 29 Mitglieder und sei sehr international zusammengesetzt, sagt Tertünte. Deutlich wird das beispielsweise im Provinzialrat, dem Leitungsgremium der deutschen Provinz. Dieser setzt sich aus einem Deutschen, zwei Brasilianern und einem Polen zusammen. "Wir sind in Deutschland eine relativ kleine Ordensgemeinschaft", so der Provinzial.
Trotz der geringen Größe sind die Herz-Jesu-Priester deutschlandweit in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig. So gibt es ein ordenseigenes Gymnasium im emsländischen Handrup, ein Bildungs- und Gästehaus in Neustadt an der Weinstraße oder eine Kommunität in Berlin, deren Priester sich in der portugiesischsprachigen Seelsorge der Großstadt engagieren. "Unsere Ordensregel besagt, dass wir nicht für ein bestimmtes Werk gegründet wurden", erklärt Tertünte. "Uns charakterisiert keine bestimmte Tätigkeit, sondern ein bestimmter pastoraler Stil." Weltweit gesehen überwiege aber das Engagement des Ordens im Bildungsbereich und in Pfarreien.
"Heiner Wilmer ist ein Mann, der immer wieder Aufbrüche initiiert hat"
Viele der weltweit rund 2.100 Ordensmitglieder stammen aus Brasilien. Den größten Zuwachs verzeichnen die Herz-Jesu-Priester in afrikanischen Ländern wie Kamerun, Kongo, Madagaskar oder in asiatischen Ländern wie Indonesien, Vietnam oder Indien. "Das führt dazu, dass wir insgesamt nicht weniger werden", sagt Tertünte.
Seit dessen Eintritt in den Orden mit 19 Jahren haben die Herz-Jesu-Priester aber nicht nur Wilmer geprägt, sondern auch umgekehrt: "Heiner Wilmer ist ein Mann, der immer wieder Aufbrüche initiiert hat", erzählt Tertünte. So habe der jetzige DBK-Vorsitzende in seiner Amtszeit als Provinzial von 2007 bis 2015 beispielsweise die Neugründung der kleinen Kommunität der Dehonianer in Berlin vorangetrieben.
Das Kreuz mit dem Herz in der Mitte bildet das Logo der Herz-Jesu-Priester. Bischof Heiner Wilmer trägt ein solches Kreuz auch als Pektorale.
Auch als Bischof hat Wilmer immer den Kontakt zur Ordensgemeinschaft gehalten, berichtet der Provinzial. In einem Glückwunschschreiben der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester hob er hervor, dass Wilmer seit seiner Bischofsweihe vor allem Mitbruder geblieben sei. "Dein lebendiges Interesse für die Geschehnisse in der Deutschen Ordensprovinz und in der Kongregation, Deine Anteilnahme am Leben der Mitbrüder, schätzen wir sehr." Wann immer er in eine Kommunität des Ordens komme, dürfe er vor allem der Mitbruder Heiner Wilmer sein.
"Wir kennen Dich als bodenständig und visionär"
Auch wenn ihn persönlich die Wahl Wilmers zunächst überrascht habe, sieht Tertünte seinen Mitbruder dennoch gut gerüstet für die neuen Aufgaben: "Wir kennen Dich als bodenständig und visionär und zweifeln nicht daran, dass Du viele Fähigkeiten mitbringst, um dieses Amt gut auszufüllen", heißt es im Schreiben an den neuen DBK-Vorsitzenden. "Wir wissen, dass es Dir ein Anliegen ist, polarisierte Situationen zu einem vertieften Miteinander weiterzuentwickeln." Der Einsatz für Menschen mit verwundeten Herzen sei eine seiner tiefsten Leidenschaften, heben die Brüder hervor. "Und wir wissen, dass all Dein Reden und Tun in Deiner Begegnung mit Gott ihren Ursprung haben."
Falls er Rat bei der Führung einer Bischofskonferenz brauchen sollte, kann Wilmer übrigens auch hierfür in seinem Orden fündig werden: Sein Vorgänger als Generaloberer der Herz-Jesu-Priester, José Ornelas de Carvalho, ist seit 2020 Präsident der Portugiesischen Bischofskonferenz.