Erstes Statement nach Wahl

Neuer DBK-Vorsitzender Wilmer: Gott ins Zentrum stellen

Veröffentlicht am 24.02.2026 um 12:49 Uhr – Lesedauer: 

Würzburg ‐ Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer wurde zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. In seinem ersten Statement reflektierte er über die Rolle der Kirche in der Welt – und seinen Kompass.

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Bischof Heiner Wilmer sieht seine Hauptaufgabe als neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) darin, "Gott ins Zentrum zu stellen". Es müsse um den Einsatz für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und darum gehen, "dass wir unseren Weg mit Gott gehen", sagte Wilmer am Dienstag in Würzburg. Das sei sein Kompass. Er sei ein Pilger auf dem Weg, "das Evangelium in der Hand und die Menschen im Blick". Er sei überzeugt, dass alle Bischöfe in Deutschland das Gleiche wollen: "das Evangelium zu verkünden, die frohe Botschaft zu leben und auszustrahlen und so im Sinne des Höchsten zu handeln". Der Hildesheimer Bischof war zuvor von den deutschen Diözesan- und Weihbischöfen bei deren Frühjahrsvollversammlung gewählt worden.

Zu Debatten um den künftigen Kurs der Kirche äußerte sich Wilmer zurückhaltend. "Der Heilige Geist lebt nicht nur im Konsens, sondern auch im Widerspruch. Von daher ist es gut, dass wir in diesem geistlichen Austausch im Gespräch bleiben." Mit Blick auf die Satzung der Synodalkonferenz, über die die deutschen Bischöfe in Würzburg abstimmen, erklärte er, dass ihn die Signale aus Rom positiv stimmten. Schon Papst Franziskus habe gesagt, Synodalität sei die Grundform der Kirche. "Papst Leo hat die bestätigt, und in diesem Sinne bin ich zuversichtlich." Der Vatikan muss sein offizielles Einverständnis geben, damit das Gremium seine Arbeit aufnehmen kann.

Rolle der Frau

Hinsichtlich der Rolle der Frauen in der Kirche sagte Wilmer, es gehe darum, im Einklang mit der Weltsynode deren Kompetenz sichtbar zu machen und wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen. Auch bei der Weltsynode stehe das Thema Ämter und Dienste für Frauen auf der Tagesordnung. "Ich begrüße das sehr." Und weiter: "Ich bin überzeugt, dass der Heilige Geist auch heute in der Kirche wirkt, und ich freue mich auf die Überraschungen des Heiligen Geistes."

In seinem Eingangsstatement reflektierte Wilmer über die Rolle der Kirche in der heutigen Welt. "Die katholische Kirche ist attraktiv." Sie sei für viele Menschen ein wichtiger Anker und mit ihrem sozialen Engagement eine Säule in der Gesellschaft. Die katholische Soziallehre bezeichnete Wilmer als eine "prophetische Stimme für alle Menschen". Diese müsse gestärkt werden.

Bild: ©KNA (Archivbild)

Bischof Georg Bätzing wünschte seinem Nachfolger alles Gute.

Die Katholiken in Deutschland wollten ihre Kirche selbstbewusst und demütig in eine neue Zeit führen, so Wilmer. Es gebe dabei unterschiedliche Wege, um aus dem Evangelium zu leben, aber man folge Jesus Christus gemeinsam nach. Die Katholiken im Land bezeichnete er als "das lebendige Gesicht der Kirche."

Die Kirche wolle Botschafterin des Friedens sein, betonte Wilmer. Das gelte angesichts der vielen Krisen und politischen Auseinandersetzungen in der Welt, aber auch bei der Stimmung in der Gesellschaft. Dabei nahm er auch Bezug zum vierten Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die christliche Hoffnung sei größer als ein naiver Optimismus, sagte der neue Vorsitzende. Die Kraft des Evangeliums sei es, aus einer Haltung der Demut stark zu sein.

Stimmen der Missbrauchsopfer

Zudem wandte sich Wilmer an die Betroffenen sexuellen Missbrauchs in der Kirche. "Ihre Stimmen haben Gewicht", betonte er. Diese Stimmen müssten gehört werden, jeder Schritt der Aufarbeitung gewinne durch das Zeugnis von Betroffenen an Tiefe und Wahrheit. Dieser Weg sei von Zuhören und Verlässlichkeit geprägt. "So entsteht ein Raum, in dem Würde geschützt ist und Vertrauen neu wachsen kann." Zugleich gebe es in Bezug auf das Thema Missbrauch Verletzungen und Kränkungen auf beiden Seiten.

Wilmer folgt als DBK-Vorsitzender auf seinen Limburger Amtskollegen Georg Bätzing. Dieser hatte im Vorfeld der turnusmäßigen Wahl angekündigt, für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. Bätzing war seit 2020 im Amt. Wilmer dankte seinem Vorgänger und zollte ihm Respekt für seinen Dienst "in schweren Zeiten". Bätzing betonte seinerseits, Wilmer verdiene nun alle Unterstützung, die man ihm geben könne. Zum Auftakt der Vollversammlung am Montag hatte Bätzing gesagt, ein neuer Vorsitzender möge die Unterschiede und Konflikte, die es unter den deutschen Bischöfen weiter geben werde, so moderieren, "dass wir einander verstehen können". (mal)