Mit Plattdeutsch und Papst-Kontakten

Der neue DBK-Vorsitzende – Bischof Heiner Wilmer im Porträt

Veröffentlicht am 24.02.2026 um 12:17 Uhr – Von Michael Althaus (KNA) – Lesedauer: 

Hildesheim/Bonn/Würzburg ‐ "Die Zeiten sind vorbei, dass der Bischof ein Herrscher ist": Das sagt ein Ordensmann aus dem Emsland, der nun Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Heiner Wilmer gilt als Brückenbauer in stürmischer Zeit.

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Vom Bauernhof im Emsland über die Bronx in New York bis zur Weltkirche in Rom: Heiner Wilmers Weg zum Bischof ist geprägt von Bodenständigkeit und Internationalität. Seit 2018 steht der Ordensmann an der Spitze des norddeutschen Bistums Hildesheim. Nun ist er zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt worden. Er folgt auf den Limburger Bischof Georg Bätzing, der das Amt sechs Jahre lang innehatte.

Wilmer gilt als Vermittler zwischen Konservativen und Reformern. Er ist keiner, der mit der Faust auf den Tisch haut. Wenn er über Leitung spricht, betont er das Zuhören. "Die Zeiten sind vorbei, dass der Bischof ein Herrscher ist", sagte er einmal in einem Interview. Er wolle dafür sorgen, dass andere Verantwortung übernehmen.

Er sammelt Erfahrungen in der Welt

Geboren wurde Wilmer am 9. April 1961 im Emsland. Er ist bodenständig geblieben, kann Trecker fahren und spricht neben mehreren Sprachen auch Plattdeutsch. Mit 19 trat er in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Er studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom – früh begleitet von einem Blick über nationale Grenzen hinaus. 1991 promovierte er in Freiburg mit einer Arbeit zur Mystik in der Philosophie Maurice Blondels.

Wilmer unterrichtete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz. 2015 ging er nach Rom: Als Generaloberer trug er weltweite Verantwortung für den Orden. Aus dieser Zeit stammen seine vatikanischen Kontakte – und seine Erfahrung, dass Reformen in einer Weltkirche nur Schritt für Schritt gelingen.

Vor drei Jahren galt Wilmer als möglicher Kandidat für das Amt des vatikanischen Glaubenspräfekten. Der damalige Papst Franziskus entschied sich dann aber für seinen argentinischen Landsmann und Ghostwriter Victor Manuel Fernandez.

Auf Pilgertour mit Jugendlichen

In Hildesheim übernahm Wilmer eine Diözese im Spagat: großflächig zwischen Harz und Nordsee, mit sinkenden Mitgliederzahlen und knappen Finanzen. Er setzt den Sparkurs seines Vorgängers Norbert Trelle fort und treibt eine Immobilienreform voran; bis 2030 soll etwa die Hälfte der rund 1.400 Gebäude aufgegeben werden. Gleichzeitig sucht er neue Zugänge – etwa auf Pilgerwegen mit Jugendlichen, um zu erfahren, was sie bewegt und was sie von der Kirche erwarten.

Bild: ©KNA/Vatican Media/Romano Siciliani (Archivbild)

Papst Leo XIV. empfing Bischof Heiner Wilmer im November im Vatikan.

Kurz nach seiner Bischofsweihe versprach Wilmer, Fälle von sexuellem Missbrauch schonungslos aufzuklären. Die Aufarbeitung bezeichnet er inzwischen als Daueraufgabe. Im Bistum Hildesheim gab es bereits mehrere wissenschaftliche Untersuchungen; im vergangenen Jahr beauftragte Wilmer eine weitere Studie, die den Zeitraum von 1945 bis 2024 und damit auch den ersten Teil seiner eigenen Amtszeit in den Blick nehmen soll. "Bis hinein in die Gegenwart muss Licht ins Dunkel gebracht werden", erklärte er.

Wilmer mischt sich politisch ein

Bundesweit tritt Wilmer als gesellschaftspolitische Stimme auf. In der Deutschen Bischofskonferenz leitete er bislang die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Bei einem Auftritt in der Berliner Bundespressekonferenz warb er zuletzt für Kompromisse bei der Reform der Renten- und Sozialsysteme. "Es kann nicht sein, dass die Lasten unverhältnismäßig auf die junge und jüngere Generation abgewälzt werden", sagte er. Es dürfe aber ebenfalls nicht sein, dass die ältere Generation nach jahrelanger Arbeit und langem Einzahlen in die Altersarmut rutsche. Auch eine längere Lebensarbeitszeit dürfe kein Tabu sein.

Auch der Klimaschutz liegt ihm am Herzen. Zehn Jahre nach der Umwelt-Enzyklika "Laudato si'" von Papst Franziskus kritisierte Wilmer im vergangenen Jahr, die Welt werde zynischer und internationale Abkommen drohten zur Farce zu verkommen. Ökumenisch setzt er auf praktische Kooperation: In Niedersachsen soll ab dem Schuljahr 2026/27 ein von katholischer und evangelischer Kirche gemeinsam verantworteter christlicher Religionsunterricht schrittweise eingeführt werden – eine bundesweite Premiere.

Der Bischof bleibt auch Mensch

Daneben bleibt Wilmer ein Mann der Spiritualität. 2024 veröffentlichte er mit "Herzschlag" einen fiktiven Dialog mit der in Auschwitz ermordeten Jüdin Etty Hillesum. Den neuen Papst Leo XIV. traf der Bischof im November – und würdigte ihn als "Mann der leisen Töne", der die Option für die Armen fortschreibe.

Wilmer fährt gern Rad, liest viel – und hält seinem Heimatverein FC Schapen 27 die Treue. Als Bischof und nun auch als Vorsitzender der Bischofskonferenz dürfte ihm dafür allerdings nur wenig Zeit bleiben.

Von Michael Althaus (KNA)