Zum Tod des Erfurter Altbischofs

Joachim Wanke – ein Leben auf den Spuren Christi

Veröffentlicht am 12.03.2026 um 12:16 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 

Erfurt ‐ Mehr als drei Jahrzehnte prägte Joachim Wanke als Erfurter Bischof die katholische Kirche in der DDR und später in Ostdeutschland entscheidend mit. Jetzt ist der gebürtige Breslauer gestorben. Ein Porträt.

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"Den Spuren Christi folgen" – dieses aus dem 1. Petrusbrief ("Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt", 1 Petr 2,21) stammende Bibelzitat war nicht nur der bischöfliche Wahlspruch des langjährigen Erfurter Bischofs Joachim Wanke, sondern auch so etwas wie das Leitwort seines gesamten Lebens. Schließlich hatte Wanke sein Leben als katholischer Priester, Theologieprofessor und Bischof ganz in den Dienst des Christentums und der Verkündung der Frohen Botschaft gestellt. An diesem Donnerstag nun ist Wanke im Alter von 84 Jahren im Katholischen Krankenhaus Erfurt gestorben, wo er seit dem 6. März palliativ versorgt worden war.

Geboren wurde Wanke am 4. Mai 1941 in Breslau. Nach der Vertreibung aus der schlesischen Heimat am Ende des Zweiten Weltkriegs siedelte sich seine Familie im thüringischen Ilmenau an, wo Wanke 1960 auch sein Abitur ablegte. Anschließend begann er ein Studium am Priesterseminar in Erfurt, das er mit seiner Priesterweihe am 26. Juni 1966 abschloss. Seine erste Stelle trat er danach als Kaplan in Dingelstädt im katholisch geprägten Eichsfeld an. Bereits drei Jahre später kehrte er jedoch für ein Promotionsstudium und eine anschließende Habilitation nach Erfurt zurück; parallel war er in dieser Zeit als Assistent und Präfekt am Priesterseminar in der Stadt tätig.

Zunächst wissenschaftliche Karriere angesteuert

In den folgenden Jahren steuerte Wanke zunächst auf eine wissenschaftliche Karriere zu. 1974 erhielt er einen Lehrauftrag für Exegese des Neuen Testaments am Philosophisch-Theologischen Seminar in Erfurt, der einzigen akademischen Ausbildungsstätte für Priester in der DDR. Sechs Jahre später wurde er dort zum ordentlichen Professor berufen.

Doch nur kurz danach nahm Wankes Leben eine andere Wendung: Am 2. Oktober 1980 wurde der damals 39-Jährige von Papst Johannes Paul II. (1978–2005) zum Weihbischof in Erfurt ernannt; die Bischofsweihe empfing er am 26. November 1980 durch den damaligen Berliner Bischof Joachim Meisner. Und nur knapp zwei Monate später – nach dem Tod von Bischof Hugo Aufderbeck am 17. Januar 1981 – rückte Wanke als Apostolischer Administrator bereits an die Spitze des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen.

Benedikt XVI. feiert die Messe in Etzelsbach
Bild: ©KNA (Archivbild)

Einer der Höhepunkte in Wankes Amtszeit als Erfurter Bischof: Der Besuch von Papst Benedikt XVI. im thüringischen Etzelsbach im September 2011.

Dass Erfurt zur damaligen Zeit kein eigenständiges Bistum war, war ein Ergebnis der deutschen Teilung. Eigentlich gehörten Erfurt und weite Teile Thüringens seit 1930 zu den Bistümern Fulda und Würzburg. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg war die kirchliche Verwaltung der nun auf dem Gebiet der DDR liegenden Region aus der Bundesrepublik heraus nur noch schwer möglich. Deshalb wurden ab 1953 Fuldaer Weihbischöfe in Erfurt installiert, um den Bischof von Fulda im östlichen Teil seines Bistums zu vertreten. 1973 wurde diese Konstruktion vom Vatikan aufgewertet und das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen mit einem eigenen Apostolischen Administrator an der Spitze geschaffen.

Wanke hatte das Amt des Administrators 13 Jahre inne, bevor Erfurt 1994 im Zuge der Neuordnung der deutschen Bistümer nach der deutschen Wiedervereinigung zu einer eigenständigen Diözese erhoben wurde. Mit diesem Schritt verbunden war auch Wankes Ernennung zum Diözesanbischof. Dieses Amt füllte er weitere 18 Jahre aus, einer der Höhepunkte in dieser Zeit war der auch ihm zu verdankende Besuch von Papst Benedikt XVI. (2005–2013) in Erfurt und dem Eichsfeld im September 2011.

Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen

Benedikt XVI. dankte damals den ostdeutschen Christen für ihre Treue zur Kirche in der Zeit der DDR. Dazu hatte Wanke beigetragen wie nur wenige andere. Er sah seine Aufgabe vor 1989 als Bischof nach eigenen Worten vor allem darin, die katholische Minderheit zusammenzuhalten. Ein Wirken über die Kirchenmauern hinaus in die staatlich verordnete atheistische Gesellschaft war kaum möglich. Umso mehr empfand Wanke den Mauerfall und die daraus resultierende Freiheit als "großes Geschenk". Außerdem, so sagte er vor einigen Jahren in einem Interview, habe ihn die "Wendeerfahrung" gelassener gemacht im Blick auf das gesellschaftliche Umfeld, an dem die Kirche ihren Dienst auszurichten habe. "Damals wie heute kann und will das Evangelium Orientierung und Halt geben", so Wanke.

Als Wanke am 1. Oktober 2012 aus gesundheitlichen Gründen – bis zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bereits zwei Herzoperationen unterziehen müssen – von seinem Bischofsamt zurücktrat, ging eine Ära zu Ende. Immerhin war er zum damaligen Zeitpunkt mit mehr als 31 Amtsjahren der dienstälteste Bischof Deutschlands und einer der prägenden Köpfe der ostdeutschen Kirche. Außerdem war er als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), als Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und als Leiter der Kommission zur Revision der Einheitsübersetzung der Bibel immer wieder auch überdiözesan in Erscheinung getreten.

Der Erfurter Domberg bei Nacht.
Bild: ©twoandonebuilding/Fotolia.com (Archivbild)

Der Erfurter Dom (l.) war rund 31 Jahre lang die Bischofskirche von Joachim Wanke.

Zu seinem Abschied vom Bischofsamt würdigte der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, Wankes Einsatz für den Glauben: "Mit unermüdlicher Schaffenskraft hast Du Dich für die Verkündigung des Evangeliums eingesetzt und mit Deinen Ideen, geistlichen Worten, Dialogen und Wegweisungen Dein Bistum, die Deutsche Bischofskonferenz und die Kirche in Deutschland geprägt." Es sei dem persönlichen Einsatz Wankes zu verdanken, dass sich die Katholiken in der ehemaligen DDR in der Seelsorge gut aufgehoben gefühlt hätten. "Gleichzeitig hast Du wesentlich dazu beigetragen, die deutsche Einheit auch in der katholischen Kirche zu fördern", so Zollitsch.

In den Jahren nach seinem Rücktritt war Wanke lange noch vielfältig tätig. Zum einen engagierte er sich weiter in der Seelsorge, zum anderen war er auch ein gefragter Redner. Immer wieder nahm Wanke, der 2001 für sein Lebenswerk mit dem "Predigtpreis" ausgezeichnet worden war, in Ansprachen auch zu kirchlichen Kernfragen Stellung. Im Dezember 2020 erschien auf der Internetseite des Bistums Erfurt zudem ein lesenswerter Beitrag Wankes. Unter der Überschrift "Warum ich Christ bin" unternahm er darin den "Versuch einiger biographisch eingefärbter Antworten". Ausführlich reflektierte er in dem Text über sein Leben als Priester und Bischof sowie über die Situation von Christentum und Kirche in der Gegenwart. Stellenweise las sich der Beitrag bereits wie ein Vermächtnis, in jedem Fall aber konnte man bei der Lektüre viel über den emeritierten Bischof lernen.

"Bedeutender Bischof und Theologe"

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte Wanke im vergangenen Frühjahr an der Seite seines Nachfolgers Ulrich Neymeyr beim Requiem für den verstorbenen ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten Bernhard Vogel im Erfurter Dom. In einem Beitrag für die Internetseite des Bistums würdigte Wanke damals zudem Vogels Wirken als Landesvater.

Neymeyr würdigte Wanke am Donnerstag als "einen bedeutenden Bischof und Theologen, von dem wegweisende und ermutigende Impulse nicht nur für das Leben der katholischen Kirche in der Diaspora Ostdeutschlands ausgegangen sind, sondern auch für das Leben in der katholischen Kirche in Deutschland". Zur Zeit der SED-Diktatur hätten Wankes klare Haltung und seine stets wohlgewählten Worte vielen Christen Mut und Zuversicht vermittelt. Zudem betonte Neymeyr den Einsatz Wankes bei den gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen, die die Friedliche Revolution 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands mit sich gebracht hätten.

Von Steffen Zimmermann